Güssing: 50-Megawatt-Solaranlage stärkt Energieversorgung

In Güssing entsteht die größte erneuerbare Energieinfrastruktur im Südburgenland. Eine 50-Megawatt-Agri-Photovoltaikanlage, ein Großbatteriespeicher und der Netzausbau sollen die Versorgungssicherheit erhöhen.
Im südburgenländischen Güssing wird derzeit an der größten erneuerbaren Energieinfrastruktur der Region gebaut. Das Projekt umfasst eine 50-Megawatt-Agri-Photovoltaikanlage, einen 50-Megawattstunden-Großbatteriespeicher sowie den Ausbau der Stromnetze. Die Hälfte der Solaranlage mit 25 Megawatt ist bereits am Netz, die zweite Hälfte steht und soll im Oktober in Betrieb gehen. Insgesamt wird die Anlage jährlich 50 Gigawattstunden Sonnenstrom produzieren.
Der Bau des Batteriespeichers beginnt in den kommenden Wochen und soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Die Arbeiten am Stromnetz stehen kurz vor dem Abschluss.
Investition in Unabhängigkeit und Wirtschaftsstandort
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) bezeichnet das Vorhaben als wichtigen Schritt zur Energieunabhängigkeit des Burgenlands. „Wer Versorgungssicherheit will, muss heute in die Infrastruktur von morgen investieren“, betont er. Das Projekt mache das Bundesland unabhängiger von Energieimporten, krisenfester und stärke den Wirtschaftsstandort.
Burgenland Energie-CEO Stephan Sharma erklärt, es handle sich nicht um eine einzelne Photovoltaikanlage, sondern um die Energieinfrastruktur der Zukunft. „Wir schaffen eine leistungsfähige Energieinfrastruktur für Generationen und ermöglichen die größte Infrastrukturinvestition im Südburgenland in den vergangenen Jahrzehnten“, so Sharma.
Reaktion auf Energie- und Klimakrise
Steigende Energiepreise durch internationale Kriege zeigen laut den Verantwortlichen die Risiken hoher Importabhängigkeit. Gleichzeitig verschärfe sich die Klimakrise mit zunehmenden Hitzeperioden, Starkregen und Unwettern. Der schwere Blackout im Südburgenland nach der Unwetterkatastrophe im Februar dieses Jahres habe die Bedeutung einer leistungsfähigen regionalen Energieinfrastruktur deutlich gemacht.
Sharma betont, die Energie- und Klimakrise verlange entschlossenes Handeln. Energie müsse regional erzeugt, gespeichert und sicher zu den Menschen gebracht werden. Die gleichzeitige Investition in Photovoltaik, Batteriespeicher und Stromnetze mache das Burgenland unabhängiger, krisenfester und klimafit.
Doskozil verweist auf die aktuellen Hitzetage als Beleg für die Wichtigkeit des Wegs zu Klimaneutralität und Energieunabhängigkeit. Entscheidend sei, dass erneuerbare Energie für die Bevölkerung leistbar bleibe. „Nur wenn die Menschen davon profitieren, wird die Energiewende gelingen“, sagt der Landeshauptmann.
Kombination aus Energie, Landwirtschaft und Naturschutz
Die Anlage ist als sonnennachgeführte Agri-Photovoltaikanlage mit einachsigem Tracker-System konzipiert. Die Module folgen automatisch dem Sonnenlauf und erzeugen dadurch rund zehn Prozent mehr Strom als fixe Anlagen. Sie sind etwa fünf Meter über dem Boden montiert, sodass zwischen den Reihen die landwirtschaftliche Nutzung erhalten bleibt.
Unter den Modulen entstehen Biodiversitätsflächen mit rund 30 Pflanzenarten, zwischen den Modulreihen wachsen Gras- und Kräutermischungen. Sharma spricht von einer Verbindung von Energieproduktion, Landwirtschaft und Biodiversität auf derselben Fläche.
Bürgerbeteiligung und langfristige Strompreise
Ab Herbst startet ein Bürgerbeteiligungsmodell für die Bevölkerung in Güssing sowie in anderen Standortgemeinden mit erneuerbaren Energieprojekten. Zusätzlich bietet der Fanclub Burgenland Energieunabhängig langfristig regionale Strompreise von zehn Cent pro Kilowattstunde für 20 Jahre sowie reduzierte Netzkosten an.
Quelle: OTS
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