Gutachten: Freizeitwohnsitze steigern Immobilienwert um Millionen

Pia ProdingerPia Prodinger
Geier auf Plakat für Seeresidenz Gmunden am Traunsee, Oberösterreich
© Sabine Rose

Ein Gutachten zum Seeviertel-Projekt in Gmunden zeigt: Wird der Anteil an Zweitwohnsitzen von 25 auf 75 Prozent erhöht, steigt der Grundstückswert von 15 auf 19 Millionen Euro. Die Grünen fordern eine Begrenzung von Freizeitwohnsitzen.

Die Gemeinde Gmunden hat ein Gutachten zur wirtschaftlichen Bedeutung von Zweitwohnsitzen im Seeviertel-Projekt in Auftrag gegeben. Das Ergebnis zeigt deutliche Wertsteigerungen bei höherem Anteil an Freizeitwohnsitzen. Laut dem im Vertrag von 2021 festgelegten Limit von 25 Prozent Zweitwohnsitzen liegt der errechnete Grundstückswert bei 15 Millionen Euro. Bei einer Erhöhung auf 75 Prozent würde dieser auf rund 19 Millionen Euro steigen, wie Uli Feichtinger, Grüne Vizebürgermeisterin von Gmunden, erklärt.

Die Gemeinde wollte mit dem Gutachten die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Erhöhung des Zweitwohnsitz-Anteils beurteilen. Hintergrund war die Annahme, dass mit Zweitwohnsitzen höhere Preise erzielt werden können. Die Ergebnisse sollen in die weiteren Verhandlungen mit Soravia einfließen.

Grüne sehen Warnsignal für Wohnpolitik

Für die Grünen hat das Ergebnis politische Bedeutung. Es mache sichtbar, welchen wirtschaftlichen Vorteil ein stärkerer Fokus auf Zweitwohnsitze für Investoren haben kann. Dabei stelle sich die wichtige Frage nach dem Mehrwert für die Stadtgemeinde und die Gmundner Bevölkerung.

Peter Grundnig, Fraktionsobmann der Grünen Gmunden, betont: „Das Gutachten zeigt einen Mechanismus, der für die Wohnpolitik der Stadt wichtig ist: Wo zusätzliche Nachfrage nach Immobilien als Zweit- oder Freizeitwohnsitz auf ein begrenztes Angebot trifft, kann dies den Wert von Immobilien erhöhen.“ Deshalb müsse die Entwicklung der Freizeitwohnsitze in Gmunden in den Fokus der Wohnpolitik rücken.

Konkurrenz um knappen Wohnraum

In attraktiven Lagen mit See- und Traunsteinblick finden sich zahlreiche Immobilien, die für Menschen mit entsprechender finanzieller Ausstattung als Freizeitwohnsitz interessant sind. Aber auch in weniger privilegierten Lagen gibt es Nachfrage nach Freizeitwohnsitzen. Diese stehen in Konkurrenz mit wohnungssuchenden jungen Familien oder Singles.

Feichtinger stellt die Frage, für wen in Gmunden Wohnraum geschaffen wird: „Eine Stadt lebt davon, dass Menschen hier nicht nur Urlaub machen, sondern auch dauerhaft hier wohnen, arbeiten und ihre Familien gründen können. Dann kann unsere Stadt ganzjährig lebendig sein.“

Jeder Wohnraum, der als Freizeitwohnsitz genutzt wird, steht nicht als Hauptwohnsitz zur Verfügung und wird dem regulären Wohnungsmarkt dauerhaft entzogen. In der Folge steigen die Wohnungspreise und Mieten im gesamten Stadtgebiet.

Forderung nach Vorbehaltsgebiet

Die Grünen Gmunden fordern, dass Gmunden Vorbehaltsgebiet werden soll. Damit soll verhindert werden, dass der Anteil der Freizeitwohnsitze weiter ansteigt und zusätzlicher Wohnraum dem Hauptwohnsitz entzogen wird. Zudem brauchen die Gemeinden bessere gesetzliche Instrumente. Das Land Oberösterreich soll den Gemeinden mehr Möglichkeiten geben, gegen die unbegrenzte Errichtung von Freizeitwohnsitzen und gegen missbräuchlichen Leerstand vorzugehen.

Beim Seeviertel sehen die Grünen weiterhin Gesprächsbedarf. Sie sehen zwei tragfähige Lösungen: Man sollte entweder zu den ursprünglichen Plänen zurückkehren oder endlich mit den Investoren ernsthaft über eine Lösung verhandeln, bei der die Interessen der Stadt und ihrer Bevölkerung klar im Mittelpunkt stehen. Die entscheidende Frage laute nicht nur, welchen Wert ein Grundstück erzielen kann, sondern auch, wer sich in Gmunden noch Wohnraum leisten kann.

Quelle: https://ooe.gruene.at/news/mehr-freizeitwohnsitze-erhohen-den-wert

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