Haderlap warnt vor kultureller Enteignung durch KI

Die Schriftstellerin Maja Haderlap kritisiert den systematischen Aufkauf antiquarischer Bücher durch KI-Unternehmen in Europa. Dies stelle eine kulturelle Enteignung dar, die auf ein Monopol bei der Meinungssteuerung abziele, so der ORF.
Europaweit würden KI-Unternehmen systematisch antiquarische Bücher aufkaufen, um ihre Systeme zu trainieren, erklärte die Schriftstellerin Maja Haderlap. Sie bezeichnete dies als „schlicht und einfach kulturelle Enteignung, die darauf abzielt, ein Monopol auf kulturelle Meinungssteuerung zu errichten“. Obwohl die Künstliche Intelligenz dem Menschen bisher kaum vorstellbare neue Möglichkeiten eröffne, zeige sich, dass mit ihrer Implementierung eine bestimmte Art von Machtpolitik und Wirtschaft durchgesetzt werde, die an den Grundfesten der Demokratien rütteln könne.
Forderung nach Korrektur im Mensch-Maschine-Verhältnis
Haderlap warnte vor dem Überschreiten einer Grenze. Das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine brauche eine Korrektur, sagte sie. Man müsse einen Weg finden, die Systeme auf eine menschennützliche und ressourcenschonende Weise zu nutzen, in der Rechte und Würde gewahrt bleiben. Wir müssen Schutzmechanismen für Mensch und Natur im Umgang mit Künstlicher Intelligenz durchsetzen. Sie ist überzeugt, dass Europa seine Möglichkeiten noch längst nicht voll ausgeschöpft hat.
Babler kritisiert KI-generierte Musik
Auch Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) äußerte sich zum Thema KI. Ihm sei kürzlich beim Musikhören ein Lied vorgeschlagen worden, das von einer KI erzeugt wurde. Er habe sich gefragt, ob die Hoffnung nicht eine ganz andere gewesen sei – nämlich, dass Maschinen uns Arbeit abnehmen und wir Menschen dadurch mehr Zeit für Kreativität, Kunst und die schönen Dinge des Lebens gewinnen. Nun beginne künstliche Intelligenz selbst zu komponieren und bringe jene wirtschaftlich unter Druck, aus deren Werken diese Systeme überhaupt erst gelernt haben.
„Technischer Fortschritt ist nicht automatisch gesellschaftlicher Fortschritt“, so Bablers Fazit. Vom Motto des heurigen Brucknerfests – „endlich“ – schlug er den Bogen zur Politik, die etwa beim Klimawandel und bei KI endlich handeln müsse. Politikerinnen und Politiker sollten den Anspruch haben, Weichen zu stellen, deren Wirkung über die eigene Amtszeit hinausreiche. Jetzt sei zu handeln – tue man es nicht, sei es zu spät.
Stelzer warnt vor übermäßiger Regulierung
Auch Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) betonte die Notwendigkeit von Regelungen für KI. Er warnte aber gleichzeitig davor, nicht wieder den europäischen Fehler der letzten Jahre zu begehen, sich große Ziele zu setzen, aber noch bevor man wisse, wie man diese Ziele erreiche, schon möglichst viel zu reglementieren und dann auch mit großer Lust Verbote zu schaffen, die man mit einer zur Exzellenz gebrachten Akribie ständig kontrolliere und sich am Ende einbremse.
Für die Kultur gab Stelzer die Zusicherung ab, weiterhin nicht mit Kürzungen und nicht mit Sparprogrammen zu agieren. Die Kultur sei ein wichtiger Mitgestalter, sie spüre, was in der Luft liege, und bringe in zunehmend polarisierenden Zeiten Menschen zusammen. Er betonte die Bedeutung der Kultur für die Demokratie.
Brucknerfest bis Ende September
Das Klassikfestival läuft bis 30. September. Unter dem neuen künstlerischen Leiter Norbert Trawöger stehen 19 Veranstaltungen im Brucknerhaus und an anderen Orten in Linz auf dem Programm. Begonnen hat es bereits an Bruckners Geburtstag, dem 4. September, mit der „Klassischen Klangwolke“, gespielt von der Filarmonica della Scala unter Riccardo Chailly. Zum Abschluss treten am 11. Oktober, Bruckners 130. Todestag, Franz Welser-Möst und sein Cleveland Orchestra im bereits ausverkauften Brucknerhaus auf.
Weitere wichtige Konzerte sind: das Bruckner Orchester Linz unter Markus Poschner (13.9.) und unter Anna Rakitina (19.9.), Dirigent Philipp von Steinaecker mit dem Mahler Academy Orchestra (16.9.) sowie das BBC Philharmonic und die BBC Singers unter Anja Bihlmaier mit dem „Brahms Requiem“ (30.9.). Am 15. September holen Austrofred und das Atalante Quartett Anton Bruckner in der Show „Heast Bruckner“ zurück auf die Erde, wo er für den Herrgott die aktuelle Musik erforschen soll. Am 18. September tritt Schauspielstar Lars Eidinger gemeinsam mit Schlagzeuger George Kranz im Posthof auf, und am 28. September verwandeln Schlagwerker Christoph Sietzen & Motus Percussion die Trendsporthalle des Sportparks Lissfeld in einen Konzertsaal.
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