Hainburg wird Hochschulstandort mit zwei Universitäten

Mathias FischerMathias Fischer
Männer stehen vor Gebäude in Wien, einer mit Brille, der andere mit Namensschild.
© Stadtgemeinde Hainburg a.d.Donau

In Hainburg entsteht Österreichs erster Multi-University-Campus. Die Stadtgemeinde und Projektentwickler KA Real Estate stellten die Pläne für den Europacampus vor, der rund 500 Studienplätze und 100 Forschungsplätze bringen soll.

Die Stadtgemeinde Hainburg und Projektentwickler Eduard Halmschlager von KA Real Estate haben am Mittwoch bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung das Konzept für den Europacampus präsentiert. Rund 20 Fachleute erläuterten anhand von Visualisierungen und Plänen die Details des Vorhabens und beantworteten Fragen zu Lehrinhalten, Architektur, Grünraumgestaltung und Verkehrskonzept.

Bürgermeister Johannes Gumprecht bezeichnete das Projekt als echten Gewinn für die Stadt. Mit zwei renommierten Hochschulen werde Hainburg zu einem Forschungs- und Innovations-Hub. Die Belebung des ehemaligen Kasernen-Areals schaffe einen massiven Mehrwert für die nachhaltige Weiterentwicklung der Gemeinde und stärke den Wirtschaftsstandort.

Projektentwickler Halmschlager betonte, dass gerade kleine Städte von Bildung und Forschung massiv profitieren könnten. Das ehemalige Areal der Marc-Aurel-Kaserne werde künftig für alle geöffnet. Neben dem Hör- und Lehrsaalzentrum sei ein neues Viertel mit gemischter Nutzung geplant, das private Arbeitsplätze in Laboren, einen begrünten Boulevard und Gastronomie in den historischen Kasernengebäuden umfasse.

Zwei Hochschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten

Die University of Applied Sciences St. Pölten wird internationale Bachelor- und Masterstudiengänge für rund 500 Studierende in den Bereichen Grüne Technologien und Smart Innovation anbieten. Franz Fidler, Head of Faculty Engineering and Business der Hochschule und Projektleiter des Europacampus, verwies auf die Einbindung in die Expertise der E³UDRES²-Allianz.

Die Technische Universität Wien wird mit den Fakultäten Technische Chemie, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen sowie Informatik rund 100 Forschungsplätze schaffen. Die Schwerpunkte liegen auf nachhaltiger Energiespeicherung, grüner Chemie, Wasserstofftechnologie und KI in der Umwelttechnik. Herbert Kreuzeder, Leiter PR und Marketing der TU Wien, erklärte, der Standort biete ideale Konditionen für hochspezialisierte Labore und Messgeräte. Die Nähe zu Wien, Bratislava und anderen europäischen Städten passe perfekt zur internationalen Ausrichtung der Universität.

Architektur mit Rücksicht auf historisches Stadtbild

Das Architekturbüro der Hainburger Architektin Olivia Stein präsentierte exklusive Einblicke in die Entwürfe und 3D-Modelle. Architektin Leonie Armeanu erläuterte, dass die Gebäude höhenmäßig gestaffelt und kleinteilig gegliedert werden. Die Sichtachsen zwischen Altstadt und Schlossberg bleiben erhalten. Helle, rötliche, bräunliche und graugrüne Farbtöne mit Bezug zu Stadtmauer und heimischem Kalkstein sollen sich harmonisch ins historische Stadtbild einfügen.

Das Areal, auf dem bis in die späten 1960er-Jahre noch das „Neue Schloss“ stand und das seitdem als Baulücke brach liegt, soll so neues Leben erhalten.

Klimafitte Bepflanzung und Grünraumkonzept

Edith Nowak vom Ingenieurbüro land.und.wasser der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal stellte das Grünraumkonzept vor. Der durchgrünte Campus punkte mit standortheimischen und klimafitten Bepflanzungen. Blühflächen, Kräuterrasen, Bäume, Sträucher, Stauden sowie Fassaden- und Dachbegrünung würden zur Nachhaltigkeit beitragen und einen angenehmen Aufenthaltsraum schaffen. Das oberirdisch autofreie Areal biete schattige Räume im Grünen und Plätze zum Verweilen. Eine Vielzahl an Bäumen trage zur Kühlung an heißen Sommertagen bei.

Das Bundesdenkmalamt, das das Projekt seit mehr als sechs Jahren begleitet und die archäologischen Untersuchungen durchführte, äußerte sich positiv. DDr. Schicht, Landeskonservator Niederösterreich und Leiter des BDA, beurteilte die vorgestellten Widmungen und die geplante Öffnung für ein breites Publikum positiv, weil dadurch die am Gelände befindlichen Baudenkmale besser zugänglich würden.

Mobilitätskonzept und Verkehrsfragen

Neben Bürgermeister Gumprecht und den Stadträten waren auch die Leiterin des Bauamtes Michaela Edlinger und der örtliche Raumplaner Armin Haderer vor Ort, um Fragen zur Ortsentwicklung und zum Verkehr zu beantworten. Das Thema Verkehr war vielen Bürgern ein besonderes Anliegen.

Der oberirdisch autofreie Campus wird mit einem „Mobility Hub“ an der Hummelstraße ausgestattet, der eine Tiefgarage, Fahrrad-Stellplätze und öffentliche E-Ladestellen umfasst. Das Projekt zeichne sich durch kurze Wege zu Stadtzentrum, Bahnhöfen, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und Naturraum aus, ebenso durch die gute öffentliche Anbindung über die S7 und den Busverkehr Richtung Wien und Bratislava.

Die Stadtgemeinde bereitet aktuell gemeinsam mit den Fachexperten von Drees & Sommer Österreich die Erstellung eines gesamtheitlichen Mobilitätskonzeptes vor. Mithilfe von fachlich qualifizierten Verkehrsplanern sollen Knotenpunkte wie die Hummelstraße neue Lösungen bekommen. Dabei geht es um ein integriertes Gesamtkonzept inklusive Parkraumbewirtschaftung, öffentlichen Angeboten wie Bus-, Fahrrad- und Fußgängerwegen und weiteren Maßnahmen.

Grünraum-Schutz gestärkt

Bürgermeister Gumprecht betonte, dass es mit dem vorliegenden Projekt gelinge, naturnahe Räume zu erhalten, den Bestand zu sichern und gleichzeitig das leerstehende Kasernenareal mit einer neuen Nutzung zu öffnen. Das Natura2000-Gebiet bleibe nicht nur unberührt, sondern der Grünraum-Schutz sei sogar gestärkt worden.

Im Zuge der Umwidmung des Areals wurden große Teile des Grundstückes von „Bauland Sondergebiet – Kaserne“ auf „Grünraum-Park“ rückgewidmet. Der Exerzierplatz, weiterhin Privatbesitz des Eigentümers KA Real Estate, ist unverändert als Grünraum-Sportfläche gewidmet.

Mehr als 200 Hainburgerinnen und Hainburger nahmen die Gelegenheit zum Austausch wahr. Die Informationsveranstaltung zeigte das große Interesse der Bevölkerung am Europacampus und bot Gelegenheit, zentrale Fragen zu Bildung, Stadtentwicklung, Grünraum und Mobilität direkt mit den Projektverantwortlichen zu besprechen.

Quelle: https://www.hainburg-donau.gv.at/Erster_Multi-University-Campus_Oesterreichs_Reges_Interesse_an_Europacampus_Hainburg

Drei Frauen betrachten eine Präsentation über Grünraum-Planung in einem Ausstellungsraum.
© Stadtgemeinde Hainburg a.d.Donau
Architektur-Vortrag mit Diskussion über Europacampus in Wien
© Stadtgemeinde Hainburg a.d.Donau

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