Hanna Köttl erhält Danubius Young Scientist Award

Mathias FischerMathias Fischer
Frau mit rotem Haar und IMC-Logo-Schild vor Glasfassade
© imc.ac.at

Die Forschungsprofessorin am IMC Krems wurde für ihre Arbeiten zu Altersdiskriminierung, digitaler Teilhabe und altersgerechter Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand in Bulgarien statt.

Hanna Köttl vom IMC Krems ist mit dem Danubius Young Scientist Award 2026 geehrt worden. Als österreichische Preisträgerin wurde sie am 5. November in Ruse, Bulgarien, im Rahmen der Jahreskonferenz der Danube Rectors' Conference (DRC) ausgezeichnet. Der Preis würdigt ihre wissenschaftlichen Leistungen zu Ageism, digitaler Teilhabe und gerechter Gesundheitsversorgung.

Vergeben wird die Auszeichnung vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) in Kooperation mit dem Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM). In jedem der 14 teilnehmenden Länder wird eine herausragende Nachwuchswissenschaftlerin oder ein herausragender Nachwuchswissenschaftler geehrt. Die Auszeichnung unterstreicht die internationale Bedeutung von Köttls Forschung an der Schnittstelle von Gesundheitswissenschaften, Digitalisierung und gesellschaftlicher Teilhabe.

Altersdiskriminierung im Gesundheitswesen bekämpfen

Köttl ist Forschungsprofessorin für altersinklusive und gerechte Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen (EQUIP-AI) und leitet den Master-Studiengang Angewandte Gesundheitswissenschaften. Ihre Forschung konzentriert sich darauf, wie Ageism – Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung aufgrund des Alters – erkannt und abgebaut werden kann. Solche Vorurteile beeinflussen, wie Fähigkeiten, Bedürfnisse und Behandlungsmöglichkeiten von Menschen unterschiedlichen Alters wahrgenommen werden.

Altersbezogene Vorurteile können dazu führen, dass ältere Menschen bei medizinischen Entscheidungen benachteiligt werden oder keinen gleichberechtigten Zugang zu Behandlungen erhalten. Ausgangspunkt für ihr Engagement waren Erfahrungen als Ergotherapeutin in der Akutgeriatrie, Neurologie und Psychiatrie. Dort erlebte sie, wie ältere Menschen von bestimmten Behandlungen ausgeschlossen wurden, obwohl sie davon profitiert hätten.

Köttl untersucht Ageism auf individueller, gesellschaftlicher, institutioneller und technologischer Ebene. Im Mittelpunkt stehen verinnerlichte Altersbilder, strukturelle Ungleichheiten und die Frage, wie Gesundheitsversorgung und digitale Technologien gerechter gestaltet werden können.

Digitale Teilhabe und verinnerlichte Altersbilder

Ihre Promotion absolvierte Köttl im europäischen Horizon-2020-Marie-Skłodowska-Curie-Netzwerk „EuroAgeism“. Darin untersuchte sie, wie gesellschaftliche Altersbilder und internalisierter Ageism die Nutzung digitaler Technologien im höheren Lebensalter beeinflussen. Ihre Forschung zeigt, dass die Nichtnutzung digitaler Gesundheits- und Alltagstechnologien häufig nicht auf individuelle Defizite zurückzuführen ist, sondern auf soziale, kulturelle und strukturelle Barrieren.

KI-Systeme übernehmen gesellschaftliche Vorurteile

Mit ihrer seit September 2025 bestehenden Forschungsprofessur EQUIP-AI am IMC Krems widmet sich Köttl den Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen. KI-Systeme lernen aus vorhandenen Daten und können dadurch gesellschaftliche Vorurteile und bestehende Ungleichheiten übernehmen. Da ältere Menschen in digitalen Datenbeständen häufig unterrepräsentiert sind, besteht die Gefahr, dass ihre Bedürfnisse bei der Entwicklung neuer Technologien zu wenig berücksichtigt werden.

„KI ist nie neutral, sie lernt aus Daten der Vergangenheit und übernimmt damit auch deren Vorurteile und Stereotype, wenn nicht gegengesteuert wird“, betont Köttl. Ageism kann nicht nur durch unausgewogene Datensätze in KI-Systeme einfließen. Auch in Forschungs-, Entwicklungs- und Designprozessen werden ältere Menschen häufig unzureichend einbezogen. Köttls Forschung betrachtet daher sowohl mögliche Verzerrungen in KI-generierten Ergebnissen als auch die sozialen, institutionellen und ethischen Bedingungen der Technologieentwicklung.

Im von Köttl geleiteten Forschungsprojekt „AgeIsm“ wurde untersucht, wie altersbezogene Annahmen klinische Entscheidungsprozesse beeinflussen. Anhand empirischer Studien mit Studierenden der Physio- und Ergotherapie wurde zudem erforscht, ob der reflektierte Einsatz großer Sprachmodelle zu gerechteren klinischen Entscheidungen beitragen kann. Die Erkenntnisse bilden eine Grundlage für die Entwicklung von Lehrinhalten zum verantwortungsvollen und altersinklusiven Einsatz von KI in der Ausbildung von Gesundheitsberufen.

KI-Lösung für informell Pflegende

Ein weiterer Schwerpunkt ist das von Köttl geleitete internationale Projekt „CROB – Collaborative Research on Occupational Balance“, das Gesundheit, Lebensqualität und Betätigungsbalance informell Pflegender von Menschen nach einem Schlaganfall untersucht. Darauf aufbauend entwickelt Köttl in einem neuen, von der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich geförderten Projekt gemeinsam mit älteren informell Pflegenden und weiteren Akteurinnen und Akteuren eine KI-basierte Lösung, die den Zugang zu regionalen Unterstützungsangeboten erleichtern soll.

Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen und bislang unterrepräsentierte Gruppen werden von Beginn an in die Bedarfsanalyse, das Co-Design und die Erprobung des KI-Prototyps einbezogen. So können unterschiedliche digitale Kompetenzen, soziale Lebenslagen und mögliche Zugangsbarrieren bereits bei der Entwicklung berücksichtigt werden. Die partizipative Entwicklung ist ein wesentliches Merkmal von Köttls Forschungsansatz: Digitale Lösungen sollen nicht nur für Menschen, sondern gemeinsam mit ihnen entstehen.

Altersgerechte Gesundheitsversorgung im Fokus

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der fortschreitenden Digitalisierung gewinnt eine altersgerechte Gesundheitsversorgung zunehmend an Bedeutung. Im Einklang mit der UN-Dekade für Gesundes Altern (2021–2030) der Weltgesundheitsorganisation setzt sich Köttl dafür ein, stereotype Altersbilder aufzubrechen und die Vielfalt des Alterns stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Neben ihrer empirischen Forschung bringt sie ihre Expertise auch in die internationale Zusammenarbeit sowie in den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis ein. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse zu Altern, Digitalisierung und fundamentalen Rechten in konkrete Empfehlungen für Gesundheitsversorgung und Technologieentwicklung zu übersetzen.

Der Danubius Young Scientist Award 2026 würdigt ihr wissenschaftliches Engagement und unterstreicht die internationale Relevanz ihrer Forschung für eine diskriminierungsfreie und zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung.

Quelle: https://www.imc.ac.at/ueber-uns/medien-presse/news/detail/danubius-young-scientist-award-2026-fuer-hanna-koettl

Worüber spricht Krems an der Donau morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.