Hattmannsdorfer fordert Nachbesserungen beim EU-Autopaket

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer verlangt Änderungen am EU-Automotive-Package. Bei einem Round Table mit der heimischen Autoindustrie sprach er sich für echte Technologieoffenheit, faire Wettbewerbsbedingungen und mehr europäische Wertschöpfung aus.
Wolfgang Hattmannsdorfer hat Vertreter der österreichischen Automobil- und Zulieferindustrie zu einem Gespräch geladen. Thema waren die wirtschaftlichen Entwicklungen im Automotive-Sektor sowie die Position des Ministers zum EU-Automotive-Package, das derzeit in Brüssel verhandelt wird. Für Österreich geht es um viel: Die heimische Fahrzeug- und Zulieferindustrie umfasst rund 900 Unternehmen mit mehr als 190.000 Beschäftigten und einer Exportquote von 87 Prozent.
Der internationale Druck wächst: Die weltweite Pkw-Produktion stieg 2025 laut aktuellem ACEA-Marktbericht um 4,2 Prozent auf 78,7 Millionen Fahrzeuge – der Anteil der EU liegt aber nur noch bei 14,6 Prozent.
Technologieoffenheit und erneuerbare Kraftstoffe
Der Wirtschaftsminister betont, dass echte Technologieoffenheit bedeute, Klimaziele zu erreichen, ohne einzelne Technologien politisch auszuschließen. Deshalb müssten erneuerbare Kraftstoffe gleichwertig anerkannt werden. Die vorgesehene 90+10-Regelung sei ein erster Schritt, reiche aber nicht aus. „Europa muss Investitionen in grüne Vorprodukte und erneuerbare Kraftstoffe belohnen, statt Unternehmen mit Strafzahlungen zu belasten“, so Hattmannsdorfer.
Grüner Stahl, Aluminium und erneuerbare Kraftstoffe müssten bereits innerhalb der 90 Prozent anrechenbar sein. Ein mit erneuerbaren Kraftstoffen betriebener Verbrenner dürfe nicht schlechtergestellt werden als andere emissionsarme Technologien.
Schutz vor unfairer Konkurrenz aus China
Hattmannsdorfer fordert, die europäische Auto- und Zulieferindustrie vor Dumpingpreisen, staatlichen Subventionen und Wettbewerbsverzerrungen zu schützen. Es könne nicht sein, dass batterieelektrische Fahrzeuge aus China von Ausgleichszöllen erfasst werden, Plug-in-Hybride aber durch eine Regelungslücke davon ausgenommen sind.
Deshalb brauche es eine konsequente Nachschärfung der Anti-Dumping- und Anti-Subventionsinstrumente auf europäischer Ebene. „Wer die Transformation der Autoindustrie ernst meint, muss Investitionen in Europa erleichtern – durch bessere Finanzierung, steuerliche Entlastungen und faire Wettbewerbsbedingungen“, erklärt der Minister.
Made in Europe bei Batteriekomponenten
Europa dürfe bei der Transformation der Mobilität nicht in neue Abhängigkeiten geraten. Deshalb brauche es klare Made-in-Europe-Vorgaben bei zentralen Batteriekomponenten – von Vorprodukten über Zellfertigung bis hin zu kritischen Materialien. Gleichzeitig müssten Investitionen in europäische Batterieproduktion, neue Antriebe und industrielle Wertschöpfung durch bessere Finanzierungsmöglichkeiten und steuerliche Erleichterungen unterstützt werden.
Hattmannsdorfer betont: „Unser Ziel ist klar: Wertschöpfung, Know-how und Arbeitsplätze müssen in Europa bleiben.“
Innovation und Halbleiter als Basis
Die Zukunft der Autoindustrie entscheide sich nicht nur beim Antrieb, sondern auch bei Software, Chips, Sensorik, Automatisierung und digitaler Produktion. Europa müsse bei diesen Schlüsseltechnologien unabhängiger und stärker werden. Deshalb brauche es gezielte Investitionen in Innovation, digitale Infrastruktur und Halbleiterkompetenz.
Unterstützung aus der Industrie
Andreas Gaggl, Geschäftsführer des Fachverbandes der Fahrzeugindustrie, zeigt sich erfreut: „Für die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes Österreich ist es erfreulich, dass das Wirtschaftsministerium das Automotive Package samt der darin enthaltenen Technologieoffenheit, Flexibilisierung der Zielvorgaben, Anerkennung von Carbon Neutral Fuel-Fahrzeugen und Anrechenbarkeit nachhaltiger Vorprodukte und Treibstoffe unterstützt.“
Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, sieht den Gipfel als wichtiges Signal: „Der heutige Gipfel ist ein wichtiges Signal, dass die Bundesregierung die Herausforderungen der Automobil- und Zuliefer-Industrie ernst nimmt.“ Europas Industrie brauche einen Kurs, der Wettbewerbsfähigkeit, Technologieoffenheit und Klimaschutz verbinde.
Aktuelle Produktionszahlen
Für das erste Quartal 2026 stellt die Statistik Austria für die Branche Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen folgendes fest: Die abgesetzte Produktion lag im Jänner bei 1,342 Milliarden Euro und -11,9 Prozent, im Februar bei 1,508 Milliarden Euro und +15,1 Prozent, im März bei 1,583 Milliarden Euro und +15,0 Prozent. Zusammengerechnet ergibt das rechnerisch rund 4,43 Milliarden Euro im ersten Quartal 2026 und etwa +5,3 Prozent nominell gegenüber dem ersten Quartal 2025.
Die Automobil- und Zulieferindustrie beschäftigt inklusive vor- und nachgelagerter Wirtschaftsbereiche rund 368.000 Menschen. Besondere Bedeutung hat die Branche für die Steiermark, Oberösterreich, Niederösterreich und Vorarlberg.
Quelle: OTS
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