Hattmannsdorfer: Gas- und Treibstoffversorgung gesichert

Österreichs Energieversorgung ist derzeit stabil. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) informierte am Dienstag nach einem Treffen mit Branchenvertretern über die Lage bei Gas, Öl und Treibstoffen.
Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) zog am Dienstag nach einem Runden Tisch mit Akteuren des Energiemarkts eine positive Zwischenbilanz. Die Versorgung mit Gas, Öl und Treibstoffen sei derzeit gesichert, erklärte der Wirtschaftsminister. Gleichzeitig warnte er: Die stabile Lage dürfe nicht zu Nachlässigkeit führen.
Der Minister verwies auf die Auswirkungen des Iran-Kriegs, der gezeigt habe, wie schnell sich Preise und Lieferketten verändern können. Österreich müsse breiter einkaufen und mehr selbst produzieren, forderte Hattmannsdorfer. Als Beispiel nannte er die heuer gestartete Gasförderung der OMV in Wittau. Zudem solle der Anteil fossiler Energieträger verringert und wo möglich durch Elektrifizierung ersetzt werden.
An dem Treffen nahmen Vertreter von Austrian Airlines, Flughafen Wien, OMV, der Erdöl-Lagergesellschaft, dem Fachverband der Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie, der E-Control, der Austrian Gas Grid Management (AGGM) sowie Fachleute aus dem Energieministerium und der Wissenschaft teil.
Gasspeicher zu 55 Prozent gefüllt
Die heimischen Gasspeicher sind aktuell zu 55,3 Prozent gefüllt, was 55,5 Terawattstunden (TWh) entspricht. Das geht aus der AGSI-Datenbank von Gas Infrastructure Europe (GIE) hervor. Bis zum Winterbeginn soll ein gesamter Jahresbedarf von etwa 75 bis 80 TWh eingelagert werden.
Der Iran-Krieg habe zwar weltweit zu Versorgungsengpässen geführt, Österreich sei jedoch nicht direkt betroffen gewesen. Der Grund: Es werde kein Flüssiggas aus der Golfregion bezogen. Die Gasversorgung sei zu jedem Zeitpunkt gesichert gewesen, betonte der Minister. Österreich beziehe Gas vor allem aus Norwegen, den USA und dem Vereinigten Königreich.
Öl-Importe stärker diversifiziert
Bei Öl sei die Beschaffung in den vergangenen Monaten breiter aufgestellt worden. Der Importanteil aus Kasachstan sei von rund 55 Prozent auf 45 Prozent reduziert worden. Auch aus Saudi-Arabien und dem Irak werde weniger importiert, dafür mehr aus den USA und Guyana.
Bei Diesel importiert Österreich rund 69 Prozent, davon stammen 71 Prozent aus Deutschland. Seit den Höchstwerten Ende März seien die Preise für Benzin um 12 Prozent gesunken, bei Diesel um 22 Prozent – stärker als in vielen anderen EU-Ländern, so Hattmannsdorfer.
Kerosin-Versorgung für Sommerurlaub gesichert
Auch bei Kerosin sei die Lage stabil. Wer im Sommer von Österreich wegfliegen wolle, habe die Garantie, mit dem Flugzeug auch wieder zurückzukommen, versicherte der Wirtschaftsminister. Die Kerosin-Reserven für Sommer und Herbst seien bereits eingekauft.
Die Eigenproduktion von Kerosin sei in Europa um 22 Prozent erhöht worden. Rund 95 Prozent des Kerosin-Bedarfs am Flughafen Wien werden von der OMV-Raffinerie in Schwechat gedeckt.
Krisenmechanismen sollen verschärft werden
Hattmannsdorfer kündigte Verbesserungen bei den Krisenmechanismen an. Der Staat soll künftig früher Informationen zu den Lagerständen bei Öl und Treibstoffen erhalten. Betreiber sollen zudem sofort melden müssen, wenn es bei wichtigen Energieanlagen zu Produktionseinschränkungen kommt.
Der Minister verwies außerdem auf die am Montag beschlossene Verlängerung der strategischen Gasreserve, die ebenfalls zur Versorgungssicherheit beitragen soll.
Rohölpreise wieder auf Vorkriegsniveau
Die Preise etwa beim Rohöl seien mittlerweile wieder auf dem Vorkriegsniveau, sagte der WU-Ökonom Harald Oberhofer. Das sei ökonomisch überraschend, weil die Straße von Hormuz noch nicht wieder voll ausgelastet sei und auch weil Förder- und Produktionsanlagen bei Angriffen beschädigt worden seien.
Der Markt könne sich offenbar relativ schnell anpassen und kompensieren, so Oberhofer. Das dürfte auch den Druck auf die Inflationsrate in den kommenden Monaten reduzieren, sofern sich die Situation stabil entwickle.
Quelle: APA
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