Heimisches Gemüse: Mehrere Betriebe ersetzen Ardo

Mathias FischerMathias Fischer
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Die Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf ist abgefedert: Waldland, Schneiders Gemüseland und weitere Verarbeiter übernehmen künftig die Produktion. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse kann bis zu 2.000 Hektar bewirtschaften.

Mehrere Unternehmen springen ein, nachdem der belgische Konzern Ardo sein Werk in Groß-Enzersdorf schließt. Waldland wurde als Abnehmer gewonnen, Schneiders Gemüseland baut seine Kapazitäten massiv aus und arbeitet ab Frühjahr 2027 mit Iglo zusammen. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) kann künftig rund 2.000 Hektar Anbaufläche bewirtschaften.

Niederösterreichs Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP) und der designierte Landwirtschaftskammer-Präsident Lorenz Mayr sprachen von einem großen Erfolg für die Versorgungssicherheit. „Statt Abhängigkeit von einem einzigen internationalen Konzern steht unsere Gemüseversorgung damit zukünftig auf mehreren Beinen“, hieß es in einer gemeinsamen Aussendung nach langen Verhandlungen. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (beide ÖVP) äußerten sich ebenfalls positiv. Totschnig sah eine Lücke in der rot-weiß-roten Wertschöpfungskette geschlossen, Mikl-Leitner eine starke Lösung für die Versorgung mit heimischem Gemüse. Bauernbund-Präsident Georg Strasser betonte, der Erfolg zeige, was möglich sei, wenn man zusammenhalte.

Schneiders weitet Verarbeitung aus

Eine zentrale Rolle übernimmt Schneiders Gemüseland aus Groß-Enzersdorf. Das Unternehmen, das bereits Spar beliefert, erweitert seine Verarbeitungskapazitäten deutlich und schafft neue Absatzmöglichkeiten für Marchfelder Gemüsebaubetriebe. „Wir entwickeln unsere Verarbeitung weiter und schaffen damit zusätzliche Kapazitäten“, teilte die Familie Schneider mit. Bereits ab dem kommenden Jahr könnten 20 Gemüsesorten in voller Qualität zur Verfügung gestellt werden, so Pernkopf gegenüber der APA.

Die Partnerschaft zwischen Iglo und Schneiders Gemüseland im Bereich Tiefkühlgemüse startet im Frühjahr 2027. Schneiders wird für Iglo Gemüse aus dem Marchfeld verarbeiten, darunter Erbsen, Zuckermais, Karotten und gelbe Karotten, Zucchini, Pastinaken, weiße Speiserüben und Erdäpfel.

Die ETG prüft zudem den Aufbau einer eigenen Blattgemüse- und Innovationen-Verarbeitungslinie. Auf den 2.000 Hektar sollen Sojabohnen und Edamame, Blatt- und Wurzelgemüse, Kräuter wie Dill, Petersilie und Koriander sowie Erdäpfel angebaut werden. ETG-Obmann Robert Kriegl ortete sogar neue Perspektiven für die Betriebe. Beliefert werden Waldland und mehrere Unternehmen, die ihre Verarbeitung ausbauen, aber vorerst nicht genannt werden wollen. Weitere Anbauflächen – für Ardo war zuvor auf 3.300 Hektar produziert worden – dürften von Schneiders Gemüseland direkt über die jeweiligen Bauern akquiriert werden.

Sozialplan-Verhandlung verschoben

Die für Freitag geplante Verhandlungsrunde zum Sozialplan wurde auf nächsten Donnerstag verschoben. Am Montag findet ab 8 Uhr eine Protest- und Solidaritätskundgebung vor dem Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf statt, organisiert von den Gewerkschaften PRO-GE und GPA. Sprechen werden unter anderem die Bundesvorsitzenden Reinhold Binder (PRO-GE) und Barbara Teiber (GPA) sowie Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich und Vorsitzender des ÖGB NÖ.

Gewerkschaft fordert Jobs für Ardo-Beschäftigte

Binder bezeichnete es als erfreulich, dass die Verarbeitung von Marchfeld-Gemüse zu einem gewissen Anteil in Österreich bleibe. Der Aufbau einer industriellen Verarbeitung werde jedoch noch Zeit brauchen, das Ardo-Werk schließe aber bereits im August 2027.

„Genauso stark, wie man sich für die Zukunft der Marchfeldbauern eingesetzt hat, muss man nun an einer Perspektive für die rund 240 Beschäftigten des Ardo-Werks arbeiten“, verlangte Binder. Die PRO-GE fordert nach sechs Verhandlungsrunden eine deutliche Nachbesserung des Angebots und eine Arbeitsstiftung. Jene Unternehmen, die die Tiefkühlproduktion übernehmen, sollten den Beschäftigten Arbeitsplatzangebote machen. Binder appellierte an die Verantwortlichen in Bund und Land, auf die künftigen Verarbeitungsbetriebe einzuwirken und im Bedarfsfall Angebote zur Umqualifizierung zur Verfügung zu stellen. „Heimische Gemüseproduktion braucht heimische Arbeitsplätze“, betonte der Gewerkschaftsvorsitzende.

Ende September hatte die belgische Ardo-Gruppe bekanntgegeben, ihr Werk in Groß-Enzersdorf Ende August 2027 zu schließen. An dem Standort im Bezirk Gänserndorf wird beispielsweise für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar produziert. Von der Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die der Sozialplan erarbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Ardo hat 2025 in Niederösterreich eigenen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die für das Unternehmen produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.

Quelle: APA

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