Herz-Kathetereingriffe: Reihenfolge ohne Einfluss auf Ergebnis

Pia ProdingerPia Prodinger
Herzkatheter-Studie: Europa-Karte mit Flaggen, Waage, Lupe und Patientendaten
© Mit KI (Gemini) generiert

Eine europäische Studie mit österreichischer Beteiligung zeigt: Bei Patienten mit verengter Aortenklappe und Herzkranzgefäßen ist es unerheblich, welcher Kathetereingriff zuerst erfolgt. Beide Strategien führen zu vergleichbaren Resultaten.

Wenn sowohl die Aortenklappe als auch die Herzkranzgefäße verengt sind, stellt sich die Frage nach der optimalen Behandlungsabfolge. Eine neue Studie an 48 Herzzentren in sechs europäischen Ländern bringt nun Klarheit: Die Reihenfolge der beiden Kathetereingriffe spielt für das Behandlungsergebnis keine entscheidende Rolle.

Elisabeth Stähli vom Universitätsspital Zürich präsentierte die Ergebnisse vergangene Woche beim Europäischen Kardiologenkongress in München. Sie erklärte, dass etwa die Hälfte der Patienten, die eine neue Aortenklappe per Katheter erhalten, gleichzeitig an einer koronaren Herzkrankheit leiden. Zwischen zehn und 20 Prozent werden zusätzlich mit einer Stent-Implantation behandelt.

In der klinischen Praxis wird üblicherweise zuerst die Aufdehnung der Koronargefäße vorgenommen, bevor später die Aortenklappe ersetzt wird. Allerdings könnte die umgekehrte Abfolge für manche Betroffene Vorteile haben, etwa im Hinblick auf die erforderlichen Medikamente nach der Gefäßbehandlung.

Erste randomisierte Studie zur Behandlungsstrategie

Obwohl diese Konstellation häufig vorkommt, fehlte bisher eine Studie mit zufälliger Gruppenzuteilung. Die Forschenden konzipierten daher die TAVI-PCI-Studie, um diese Lücke zu schließen. Beteiligt waren Zentren in Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und der Schweiz.

Als Co-Autor wirkte der Kardiologe Hannes Alber vom Klinikum Klagenfurt mit. Insgesamt nahmen 986 Patientinnen und Patienten mit einem Durchschnittsalter von 82 Jahren teil, davon waren 34 Prozent Frauen. Die Teilnehmenden wurden per Zufall einer von zwei Gruppen zugeteilt: entweder Aortenklappenersatz gefolgt von Koronargefäß-Eingriff oder umgekehrt. Die Behandlungen erfolgten innerhalb von ein bis 45 Tagen nacheinander.

Komplikationsraten nahezu identisch

Als Beurteilungskriterium dienten Sterblichkeit, nicht-tödlicher Herzinfarkt, neuerliche Eingriffe zur Wiederherstellung der Sauerstoffversorgung des Herzens, erneute Spitalsaufnahmen wegen Herzklappen- oder Herzschwächeproblemen sowie Blutungen innerhalb eines Jahres.

Das Ergebnis: Bei der Strategie mit vorrangigem Aortenklappenersatz traten bei 22,2 Prozent der Kranken die definierten Komplikationen auf. Wurde hingegen zuerst die Aufdehnung der Herzkranzgefäße durchgeführt, lag die Rate bei 24,2 Prozent. Die erste Strategie erwies sich damit als nicht unterlegen, die Resultate waren in allen Patientenuntergruppen ähnlich.

Ein interessanter Nebeneffekt: In der Gruppe mit vorrangigem Klappenersatz unterzogen sich letztlich weniger Betroffene dem nachfolgenden Eingriff an den Herzkranzgefäßen. „Es änderte sich nach der Klappenbehandlung offenbar manchmal die klinische Entscheidungslage, ob eine PCI noch notwendig war“, berichtete Stähli.

Die Studie wurde zeitgleich zur Kongresspräsentation im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Quelle: APA

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