Herzinfarkt: Ein-Stunden-Test so sicher wie bisheriges Verfahren

Mona HopfingerMona Hopfinger
© Mit KI (Gemini) generiert

Internationale Studien mit Wiener Beteiligung belegen: Bei Verdacht auf Herzinfarkt reicht eine erneute Blutuntersuchung nach einer Stunde. Das ist ebenso sicher wie die bisher übliche Kontrolle nach drei Stunden.

In der Notfallmedizin ist es entscheidend, bei akuten Brustschmerzen rasch zwischen einem lebensbedrohlichen Herzinfarkt und harmloseren Ursachen zu unterscheiden. Dafür sind üblicherweise mehrere Blutabnahmen nötig. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universitätsklinik für Notfallmedizin der MedUni Wien hat nun in einer großen randomisiert-kontrollierten Studie nachgewiesen: Ein Diagnoseverfahren, bei dem die zweite Blutabnahme bereits nach einer Stunde erfolgt, ist genauso sicher wie das etablierte Drei-Stunden-Verfahren.

An der Studie nahmen mehr als 67.000 Patienten aus 19 Krankenhäusern in zehn Ländern teil. Eine anschließende Metaanalyse mit individuellen Daten von über 110.000 Personen bestätigte die Ergebnisse. Beide Arbeiten erschienen im Fachjournal The Lancet.

Brustschmerz: Häufig harmlos, selten lebensbedrohlich

Akute Brustschmerzen zählen zu den häufigsten Gründen für einen Besuch in der Notaufnahme. Bei den meisten Betroffenen stecken weniger bedrohliche Ursachen dahinter, etwa Probleme des Bewegungsapparats. In rund fünf Prozent der Fälle liegt jedoch eine akut gefährliche Diagnose vor – am häufigsten ein Herzinfarkt.

Schnell und sicher zwischen diesen Gruppen zu unterscheiden, ist eine zentrale Herausforderung. Neben klinischer Erfahrung und dem Gespräch mit den Betroffenen spielt die Untersuchung von Biomarkern, insbesondere hochsensitiven Troponinen, eine entscheidende Rolle. Meist müssen diese Marker mehrfach gemessen werden, um anhand des Verlaufs Rückschlüsse auf mögliche Herzmuskelschäden zu ziehen.

Studie bestätigt Sicherheit des verkürzten Verfahrens

In der PRESC1SE-MI-Studie, einer der größten randomisierten Studien der kardiovaskulären Medizin, wurde unter realen Bedingungen geprüft, wie sicher das 0/1-Stunden-Verfahren im Vergleich zum bisherigen 0/3-Stunden-Verfahren ist. Dabei wird die Konzentration von bestimmten Herzmarker im Blut entweder nach einer oder nach drei Stunden erneut gemessen.

Für den kombinierten Endpunkt aus Tod oder erneutem Herzinfarkt innerhalb von 30 Tagen zeigte sich: Der 0/1-Stunden-Algorithmus weist ein mindestens gleichwertiges Sicherheitsprofil auf wie der 0/3-Stunden-Algorithmus.

Allerdings führte der deutlich schnellere diagnostische Ablauf nicht automatisch zu schnelleren Entlassungen aus der Notfallabteilung. Die Metaanalyse individueller Daten von mehr als 110.000 Patienten aus 46 Krankenhäusern bestätigte die Sicherheit des verkürzten Verfahrens. Zugleich wurde deutlich: Vor allem organisatorische Unterschiede zwischen den Zentren beeinflussen die Zeit bis zur Entlassung erheblich. Die Abläufe in den Notfallabteilungen sind damit ebenso entscheidend wie die medizinische Diagnostik selbst.

Evidenzbasierte Diagnosepfade im Fokus

Die beiden Arbeiten sind die jüngsten Ergebnisse der laufenden Forschung an der Universitätsklinik für Notfallmedizin der MedUni Wien. Ziel ist es, Patienten und Behandler bei der schnellen und sicheren Diagnose potenziell lebensbedrohlicher Situationen zu unterstützen.

„Im Interesse der Patienten, Behandler und auch des Gesundheitssystems als Ganzes benötigen wir evidenzbasierte Diagnosepfade, die sowohl rasch als auch sicher sind“, so Dominik Roth, Studienleiter der beiden Arbeiten und Leiter des Forschungsbereichs Clinical Pathways & Health Services Research an der Universitätsklinik für Notfallmedizin der MedUni Wien. Im Rahmen laufender Projekte arbeite man daran, diese Pfade noch besser zu personalisieren, um eine wirklich individuelle Entscheidungsfindung gemeinsam mit den Patienten zu ermöglichen.

Quelle: https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/2026/news-im-november-2026/akuter-herzinfarkt-rascher-diagnosealgorithmus-genauso-sicher-wie-laengerer-untersuchungspfad

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