Historikerin sucht Zeitzeugen zu NS-Eliteschulen

Pia Prodinger
Historische Dokumente Österreich 1939-1945: Briefe, Tagebücher, Fotos, Schulklasse
© Mit KI (Gemini) generiert

Eine Forscherin der Universität Graz bittet um Mithilfe bei der Aufarbeitung der NS-Eliteschulen Napola in Österreich. Gesucht werden ehemalige Schüler oder Angehörige mit Dokumenten aus der Zeit zwischen 1939 und 1945, so der ORF.

Nadjeschda Stoffers von der Universität Graz forscht gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung zur Napola in Traiskirchen. Die Historikerin möchte herausfinden, wie der Alltag in dieser nationalsozialistischen Erziehungseinrichtung aussah.

Die Wissenschaftlerin ruft Personen auf, die selbst eine solche Schule auf dem Gebiet der damaligen „Ostmark“ besucht haben oder in deren Familien entsprechende Materialien vorhanden sind. Besonders interessiert ist sie an Briefen, Tagebüchern, Fotografien, Schulaufsätzen oder anderen Gegenständen. Auch Menschen, die über ihre Schulzeit berichten möchten, können sich per E-Mail an die Forscherin wenden.

Fragen zum Internatsalltag

Stoffers untersucht die Sichtweise der ehemaligen Schülerinnen und Schüler. Sie will wissen, wie diese die Aufnahmeprüfung und das Leben im Internat wahrgenommen haben. Auch die Bedeutung von Konzepten wie Kameradschaft sowie die nationalsozialistische Erziehung in diesen Einrichtungen stehen im Fokus ihrer Arbeit.

Neun Standorte in Österreich

Zwischen 1939 und 1945 existierten auf dem heutigen österreichischen Staatsgebiet neun Napolas. Die Abkürzung steht für Nationalpolitische Lehranstalt, auch als NPEA bekannt. In diesen Einrichtungen sollten Kinder ab zehn Jahren zur künftigen Elite des Nationalsozialismus herangezogen werden.

Die Schulen befanden sich in Wien (Theresianum und Breitensee), Niederösterreich (Göttweig und Traiskirchen), der Steiermark (Seckau und Vorau), Kärnten (St. Paul im Lavanttal) und Oberösterreich (Lambach). Zwei weitere Standorte lagen in St. Veit an der Save und Mokritz im heutigen Slowenien.

Die erste Napola für Mädchen im gesamten Deutschen Reich wurde in Wien in der Boerhaavegasse eröffnet, später jedoch nach Hubertendorf und Türnitz in Niederösterreich verlegt.

Strenge Auswahlkriterien und geregelter Tagesablauf

Die als „Ausleseschulen“ bezeichneten Einrichtungen wurden im Deutschen Reich bereits im April 1933 gegründet. Aufgenommen wurden ausschließlich Kinder, die den rassistischen Vorgaben des Regimes entsprachen und eine mehrtägige Prüfung absolvierten.

Der Tagesablauf war strikt organisiert: Appell, Sport, Unterricht, vormilitärische Übungen, Studierstunden und Arbeitseinsätze prägten den Schulalltag. Die Ausbildung war auf acht Jahre ausgelegt – in der „Ostmark“ bestand dieser Schultyp jedoch nur sechs Jahre bis zum Kriegsende.

Im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten gab es insgesamt mehr als 40 Standorte dieser NS-Eliteschulen.

Quelle: https://steiermark.orf.at/stories/3361867/

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