Hitze ab 30 Grad belastet Psyche massiv

Hohe Temperaturen setzen nicht nur dem Körper zu: Ab 30 Grad steigen Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und Gereiztheit deutlich an. Bei anhaltender Hitze droht ein Teufelskreis aus fehlender Erholung und wachsender Belastung, so Psychologen.
Wenn die Temperaturen über mehrere Tage oder Wochen hinweg hochbleiben, findet der Körper nachts weniger Erholung. Die Belastung wächst, gleichzeitig sinkt die Fähigkeit, mit Stress umzugehen. Depressive Symptome nehmen bei vielen Menschen zu.
Eine Untersuchung der Gesundheit Österreich GmbH aus dem Hitzesommer 2024 zeigt das Ausmaß: Fast die Hälfte der Befragten hatte während Hitzeperioden weniger Energie. Über ein Drittel fühlte sich weniger belastbar.
Norman Schmid, Psychologe und Leiter des Berufsverbandes österreichischer Psychologinnen und Psychologen in Niederösterreich, erklärt: „Uns kostet das Kompensieren der Hitze sehr viel Substanz, sehr viel psychische und körperliche Energie, die dann nicht für andere Aktivitäten zur Verfügung steht.“ Wer dennoch beruflich oder familiär gefordert sei, erlebe eine Doppel- oder Dreifachbelastung.
Angststörungen und Depressionen verschärfen sich
Besonders problematisch wird anhaltende Hitze für Menschen, die bereits unter Angststörungen oder Depressionen leiden. Die hohen Temperaturen können bestehende Probleme verstärken. Schmid beschreibt: „Das, was vielleicht vorher unterschwellig da war, wird durch die Hitze emporgehoben, überschreitet eine kritische Schwelle, wird erst ausgelöst.“
Wegen fehlender Regeneration könnten sich Probleme, die Menschen sonst noch unter Kontrolle hätten, in einer Erkrankung oder Störung ausdrücken. Nicht alle Betroffenen würden selbst merken, dass etwas nicht stimmt. „Die Depression kann sich etwa vielfältig äußern. Bei Männern ist sie häufig mit Ärger und grantig sein verbunden“, so der Experte.
Wichtig sei es, andere darauf hinzuweisen, darüber zu sprechen und gemeinsam zu überlegen, was man tun könne, um zu entschleunigen und zu regenerieren. Halten die Probleme über einen längeren Zeitraum an, sei professionelle Hilfe sinnvoll.
Bei hohen Temperaturen nehmen generell mehr Menschen stationäre Hilfe in Anspruch. Im Schnitt steigen die Krankenhausaufenthalte im Sommer um sieben Prozent.
Körper kühl halten, Stress vermeiden
Wer den Körper kühl hält, kann die psychische Belastung durch Hitze besser abfedern. Fachleute empfehlen, ausreichend zu trinken, Schatten zu suchen, auf Alkohol zu verzichten und Stress möglichst zu reduzieren.
Schmid rät: „Keine zusätzlichen Anforderungen, noch mehr auf den Schlaf zu achten, noch ein bisschen früher schlafen gehen, aufpassen, dass man sich nicht zu viel aufputscht.“
Auch Imaginationsübungen könnten helfen. Dabei versuche man, sich Kühle in die Gedanken und Gefühle zu holen. „Das kann die Reise an einen kühlen Bergsee sein, den ich visualisiere und wo mein Körper dann reagiert“, so der Psychologe.