Hitze belastet Körper und Psyche massiv

Mathias FischerMathias Fischer
Hitze: Thermometer zeigt über 40 Grad, Kalender 31 Tage, ausgetrocknete Erde
© Mit KI (Gemini) generiert

Hohe Temperaturen sind weit mehr als nur unangenehm. Expertinnen und Experten der Uni Graz warnen vor körperlichem und psychischem Stress durch Hitze. Im Extremfall droht ein lebensgefährlicher Hitzschlag.

Wenn die Temperaturen steigen, läuft der menschliche Organismus auf Hochtouren. Schwitzen, Müdigkeit und ein beschleunigter Puls sind die sichtbaren Zeichen dafür, dass der Körper versucht, seine Temperatur konstant zu halten. Forschende der Universität Graz betonen, dass Hitze nicht nur lästig ist, sondern einen erheblichen körperlichen und psychischen Stressfaktor darstellt. Versagt die Wärmeregulation, können Kreislaufprobleme, Hitzeerschöpfung oder ein Hitzschlag die Folge sein.

Wie stark eine bestimmte Temperatur belastet, variiert individuell. Neben der Lufttemperatur sind Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Wind, körperliche Aktivität, Kleidung und die Dauer der Hitzeeinwirkung entscheidend. Auch Gesundheitszustand, Alter und Gewöhnung an hohe Temperaturen spielen eine Rolle. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft Hitzestress als eine der größten wetterbedingten Gesundheitsgefahren ein. Bestehende Herz-Kreislauf-, Nieren-, Atemwegs- und Stoffwechselerkrankungen könnten sich verschärfen, ebenso psychische Erkrankungen.

Wie der Körper auf Hitze reagiert

Bei steigenden Außentemperaturen erweitern sich die Blutgefäße in der Haut. Dadurch gelangt mehr warmes Blut aus dem Körperinneren an die Oberfläche, wo Wärme an die Umgebung abgegeben werden kann. Gleichzeitig setzt die Schweißproduktion ein. Wenn der Schweiß verdunstet, entzieht er dem Körper Wärme. Dieser Mechanismus funktioniert bei trockener Luft am besten. Bei hoher Luftfeuchtigkeit verdunstet der Schweiß schlechter, der Körper schwitzt dann stark, ohne sich ausreichend abzukühlen.

Das Herz-Kreislauf-System muss währenddessen Mehrarbeit leisten. Weil mehr Blut zur Haut fließt, schlägt das Herz schneller, um die Organe weiterhin zu versorgen. Gesunde Menschen bewältigen diese Anpassung in der Regel, dennoch bleibt Hitze eine Belastung, besonders bei körperlicher Arbeit oder Sport. „Hitze kann man als Stressor sehen, psychologisch, aber auch physiologisch“, erklärte Gesundheitspsychologin Katja Čeplak von der Universität Graz gegenüber der APA. Wie Lärm oder andere Umweltbelastungen zwinge sie den Körper zu ständiger Gegenregulation.

Durch die Klimakrise nimmt diese Belastung weiter zu. Der Weltklimarat IPCC hält fest, dass heiße Extreme einschließlich Hitzewellen seit den 1950er-Jahren weltweit häufiger und intensiver geworden sind. Auch in Österreich ist der Trend deutlich: Laut Geosphere Austria hat die Zahl der Hitzetage mit mindestens 30 Grad in allen Landeshauptstädten zugenommen. In Eisenstadt dauerten Hitzewellen von 1961 bis 1990 im Schnitt 7,0 Tage, 2024 wurden in der burgenländischen Landeshauptstadt und in Wien Rekorde von 31 Tage dauernden Hitzeperioden verzeichnet. Die längste Hitzewelle in Wien dauerte im Schnitt der Jahre 2020 bis 2025 16,0 Tage, vor 1990 waren es 6,3 Tage.

Flüssigkeits- und Salzverlust belasten den Kreislauf

Durch das Schwitzen verliert der Körper Flüssigkeit und Salze. Werden diese Verluste nicht ausgeglichen, nimmt das Blutvolumen ab. Der Kreislauf wird zusätzlich belastet, Herz und Nieren werden schlechter versorgt. Mögliche Folgen sind Durst, trockener Mund, Kopfschmerzen, Schwäche, Schwindel und Konzentrationsprobleme. Bei starker Belastung können Muskelkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen und ausgeprägte Erschöpfung auftreten. Fachleute sprechen dann unter anderem von Hitzeerschöpfung.

Nicht alle Menschen können oder sollen jedoch pauschal große Mengen trinken. Personen mit Herz- oder Nierenerkrankungen sollten ihre geeignete Flüssigkeitsmenge mit dem Arzt abklären. Auch Medikamente dürfen bei Hitze nicht selbstständig abgesetzt oder anders dosiert werden. Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt, mögliche Anpassungen mit behandelnden Ärzten zu besprechen.

Ältere Menschen besonders gefährdet

„Bei älteren Personen und Personen mit mehreren chronischen Erkrankungen sind die Prozesse zur körpereigenen Kühlung nicht mehr so selbstverständlich“, sagte Čeplak. Die Haut verändert sich, die Schweißproduktion kann abnehmen und der Körper passt sich langsamer an plötzliche Temperaturanstiege an. Auch das Durstgefühl ist im Alter mitunter schwächer ausgeprägt. Hinzu kommt, dass ältere Menschen häufiger chronische Erkrankungen haben und mehrere Medikamente einnehmen. Das kann die Reaktion auf Hitze beeinträchtigen. Weil Hitze insbesondere das Herz-Kreislauf-System belastet, können sich bei vorbelasteten Menschen bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschärfen. Auch die Nieren sind betroffen. Sie regulieren den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers. Bei Flüssigkeitsmangel versucht der Organismus, Wasser zurückzuhalten.

Das Gehirn reagiert ebenfalls empfindlich auf Überhitzung und Flüssigkeitsmangel. Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit nehmen ab. Menschen machen häufiger Fehler und fühlen sich erschöpft. Dadurch steigt beispielsweise bei körperlicher Arbeit oder im Straßenverkehr auch das Unfallrisiko. Die WHO weist darauf hin, dass Hitze sowohl Erkrankungen verschärfen als auch die Gefahr von Unfällen erhöhen kann.

Auswirkungen auf die Psyche

Hohe Temperaturen können auch müde, gereizt und antriebslos machen. Der Gesundheitspsychologe Andreas Schwerdtfeger von der Universität Graz verwies im APA-Gespräch auf „Konzentrationsprobleme und Erschöpfung“. Die Energie und Vitalität nähmen ab, weil die Anpassung an die Hitze für den Körper anstrengend sei.

Zusätzlich kann schlechter Schlaf die Belastung verstärken: Kühlen Wohnungen während der Nacht nicht ausreichend ab, fehlt dem Körper eine wichtige Erholungsphase. Auch psychische Erkrankungen können sich bei Hitze verschärfen. Manche psychotropen Medikamente beeinflussen zusätzlich die Temperaturregulation oder den Flüssigkeitshaushalt. Die WHO zählt Menschen mit psychischen Erkrankungen daher zu jenen Gruppen, die bei extremer Hitze besonders gefährdet sein können.

Individuelle Unterschiede und Warnsignale

Wann Hitze als unangenehm empfunden wird, ist von Mensch zu Mensch verschieden. „Es gibt riesige interindividuelle Unterschiede, wie Personen auf Hitze reagieren“, betonte Schwerdtfeger. Manche Menschen fühlten sich bereits bei 25 Grad stark belastet, andere kämen subjektiv auch bei deutlich höheren Temperaturen noch vergleichsweise gut zurecht. Das persönliche Wohlbefinden ist allerdings nicht automatisch ein verlässlicher Hinweis darauf, ob eine Situation gesundheitlich ungefährlich ist. Gerade ältere oder kognitiv beeinträchtigte Menschen nehmen hohe Temperaturen und ihre körperliche Belastung mitunter nur eingeschränkt wahr. Zu den möglichen Warnzeichen gehören starkes Schwitzen, Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, Übelkeit und Kreislaufprobleme.

Ein Hitzschlag entsteht, wenn die Temperaturregulation zusammenbricht und der Körper gefährlich überhitzt. Mögliche Anzeichen sind eine sehr hohe Körpertemperatur, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfälle. Die WHO spricht von einer Erkrankung mit hoher Sterblichkeit, wenn sie nicht rasch behandelt wird. Bei Verdacht sollte sofort die Rettung gerufen werden. Die betroffene Person muss laut österreichischem Gesundheitsportal möglichst schnell aus der Hitze gebracht und etwa mit feuchten Tüchern gekühlt werden.

Viele hitzebedingte Erkrankungen lassen sich verhindern. Dazu gehört, starke körperliche Belastung in die kühleren Morgen- oder Abendstunden zu verlegen, ausreichend zu trinken, Räume früh zu lüften und tagsüber zu beschatten.

Quelle: APA

Worüber spricht Burgenland morgen?

Bald verfügbar: Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.