Hitze und Niedrigwasser bedrohen Fischbestände

Heimische Fischarten wie Bachforelle, Äsche und Koppe geraten in Salzburgs Gewässern zunehmend unter Druck. Steigen die Wassertemperaturen im Sommer stark an und sinkt der Wasserspiegel, droht den Tieren der Erstickungstod, so der ORF.
Wenn sich Bäche, Flüsse und Seen in Salzburg im Sommer stark erwärmen, wird die Lage für zahlreiche heimische Fischarten kritisch. Besonders Bachforelle, Äsche und Koppe sind auf kühles und sauerstoffreiches Wasser angewiesen. Halten hohe Temperaturen über längere Zeit an, geraten die Tiere zunehmend unter Stress – für empfindliche Arten kann dies lebensbedrohlich enden.
Besonders problematisch wird die Situation bei Niedrigwasser: Die Gewässer heizen sich dann schneller auf, der Sauerstoffgehalt sinkt, und die Fische finden oft keine kühleren Bereiche mehr zum Rückzug. Im schlimmsten Fall ersticken sie. Stark gefährdet sind auch Jungfische, Eier und Larven. Laut Daniela Latzer, Geschäftsführerin des Landesfischereiverbandes Salzburg, sind Notabfischungen mittlerweile keine Ausnahme mehr.
Rettungsaktionen in trockengefallenen Gewässerabschnitten
Die Anzahl trockengelegter Fluss- und Bachabschnitte nehme seit Jahren zu, erklärt Latzer. Sinkt der Wasserstand am Ufer, ziehen sich Fische normalerweise mit dem Wasser in tiefere Zonen zurück. Fallen jedoch einzelne Uferbereiche trocken, können isolierte Wasserflächen oder Gumpen entstehen. In solchen „Wasserinseln“ bleiben Fische mitunter zurück. Fehlt die Verbindung zum Hauptstrom, können sie nicht mehr ins Fließgewässer zurückwandern.
Das Risiko steigt, dass die Tiere in flachen und sauerstoffarmen Restgewässern verenden. In besonders betroffenen Regionen wie dem Flachgau mussten in der aktuellen Saison bereits Notabfischungen durchgeführt werden, unter anderem im Almbach in Faistenau und in einigen Zuflüssen zum Fuschlsee. „Wir retten die Tiere entweder mit Keschern oder einer elektrischen Abfischungsmethode. Dann setzen wir sie in sauerstoffreichere Gewässer oder in nicht trockengelegte Abschnitte desselben Gewässers um“, erklärte Latzer.
Zu wenig Schatten und Bewuchs an Ufern
Otto Lapuch, Referent für Fließgewässerbewirtschaftung und Bewirtschafter des Almbachs und Brunnbachs in Faistenau, hat heuer im Flachgau und auch im Lungau bereits etliche Zubringerbäche in deutlich zu trockenem und zu warmem Zustand beobachtet. Diese Bäche sind ein besonders wichtiges Habitat zum Ablaichen.
„Unsere Fließgewässer sind in keinem guten Zustand. Es gibt zu wenig Beschattung und zu wenig Uferbewuchs. Dabei würde gerade Schatten an Bächen und Flüssen sehr viel bringen. Wenn Landwirte ihre Wiesen bis direkt an den Bach führen oder Ufergehölze verschwinden, verlieren die Fische auch wichtige Nahrungsquellen – etwa Insekten aus dem Holz und dem Bewuchs am Ufer. Zusätzlich setzen ihnen Klimawandel, Fischotter und Graureiher zu“, so Lapuch. Auch Fischteiche im Lungau, die durch Quellwasser gespeist werden, seien heuer schon teilweise versiegt.
Laichgebiete fallen trocken – Nachwuchs gefährdet
Ganze Laichgebiete fallen mittlerweile trocken, beobachten die Fischer. Das bedroht nicht nur ausgewachsene Tiere, sondern auch künftige Fischgenerationen. Der Hecht beispielsweise legt als „Krautlaicher“ seine Eier bevorzugt in seichten Uferbereichen ab, oft auf Wasserpflanzen und Schilf. In manchen Salzburger Seen haben Fischer heuer bereits beobachtet, dass der Wasserspiegel gesunken ist und die Eier vertrocknet am Schilf kleben, berichtet Latzer.
Durch den geringeren Wasserstand werden auch andere Uferzonen freigelegt, wie etwa seichte Flachwasserbereiche, die für Jungfische Schutz und Nahrung bieten. Ohne diese natürlichen Rückzugsorte ist der Nachwuchs Raubfischen viel stärker ausgeliefert und hat geringere Überlebenschancen.
Land Salzburg richtet Temperaturmessungen neu aus
Der Hydrographische Dienst des Landes Salzburg reagiert auf diese Entwicklungen und richtet derzeit seine Temperaturmessungen neu aus. Bisher wurden die Messstellen vor allem für die Erfassung des Wasserstands gewählt und lieferten nicht immer repräsentative Temperaturdaten, sagte der Leiter des Hydrographischen Landesdienstes, Harald Huemer.
Nun werden gesonderte, besser geeignete Messstandorte und neue Temperatursonden eingesetzt. Damit lasse sich genauer beobachten, wie sich Gewässer entlang ihres Verlaufs erwärmen oder abkühlen – etwa durch Klimawandel, Zuflüsse, Grundwassereinträge oder menschliche Eingriffe. Diese Daten sind auch für die Fischerei und den Schutz aquatischer Lebensräume wichtig. Von den derzeit rund 90 beobachteten Messstationen an Fließgewässern sollen künftig 25 gezielt für die Erfassung der Wassertemperatur ausgestattet sein.
Mehrere Faktoren belasten Gewässer gleichzeitig
Die Erwärmung ist nicht das einzige Problem für Salzburgs Gewässer, sondern wirkt vielmehr wie ein Verstärker bestehender Belastungen. Daten aus dem nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan des Wasserinformationssystems Austria (WISA) zeigen: Viele Fischlebensräume sind durch Querbauwerke, Restwasserstrecken – das sind wasserarme Strecken –, Schwallbetrieb – also rasch wechselnde Wasserstände durch Wasserkraftwerke – und regulierte Ufer stark beeinträchtigt.
Schutzmaßnahmen für Fischbestände
Fachleute sehen mehrere Ansätze, um Fischbestände zu entlasten: mehr Rückhaltebecken bei Hochwasserverbauungen, intakte Auen und Rückzugsräume an den Gewässern. Wichtig ist auch, Bäche und Flüsse nicht zusätzlich zu belasten – etwa durch unerlaubte Wasserentnahmen zum Poolfüllen oder durch Baden in ausgewiesenen Schongebieten. Stand-up-Paddler sollten Schilfzonen meiden.
Auch die Landwirtschaft spiele eine große Rolle, betonte Maxim Teichert vom Bundesamt für Wasserwirtschaft: Weniger Dünger, Pestizide und Sedimenteinträge sowie bewachsene Randstreifen können helfen, Sauerstoffmangel, verschlammte Laichplätze und den Rückgang empfindlicher Arten zu verhindern.
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