Hitzewellen beeinflussen Schnecken noch lange danach

Mona HopfingerMona Hopfinger
Lymnaea stagnalis und Hitzewellen: Wachstum und Reproduktion im Süßwasser bei 25°C
© Mit KI (Gemini) generiert

Forschende mit österreichischer Beteiligung haben untersucht, wie sich Hitzestress langfristig auf die Spitzschlammschnecke auswirkt. Die Studie zeigt: Ob die Tiere nach extremer Hitze gut zurechtkommen, hängt stark von ihrer Umgebung ab.

Die langfristigen Folgen von Hitzewellen auf Lebewesen sind noch nicht ausreichend erforscht. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung aus Österreich hat nun im Fachjournal "Royal Society Open Science" untersucht, wie die Spitzschlammschnecke nach starkem Hitzestress in unterschiedlichen Lebensräumen zurechtkommt. Das Ergebnis: Schnecken, die während der Hitze viele Nachkommen produzierten, waren danach besser angepasst. Jene, die stark ins eigene Wachstum investierten, hatten es später schwerer.

Hitzestress als evolutionärer Faktor

Neben steigenden Durchschnittstemperaturen können auch kurze, extreme Ereignisse wie Hitzewellen die Entwicklung von Arten beeinflussen. Kurzfristiger Hitzestress wird dann zu einem evolutionären Faktor, wenn die Bedingungen an die Grenzen dessen stoßen, worauf eine Spezies langfristig genetisch eingestellt ist. Das schreiben Forschende aus Finnland, der Schweiz und Österreich in ihrer Arbeit.

Experimente mit Spitzschlammschnecken

Das Team um Otto Seppälä vom Forschungsinstitut für Limnologie in Mondsee (Oberösterreich), das zur Universität Innsbruck gehört, hat die Reaktionen der Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis) untersucht. Aus früheren Studien war bekannt, dass die in Mittel- und Nordeuropa verbreiteten Tiere auf höhere Temperaturen oft mit verstärktem Wachstum und mehr Nachkommen reagieren. Das kann kurzfristig vorteilhaft sein, längerfristig aber problematisch werden.

Die Forschenden setzten die bis zu sieben Zentimeter großen Schnecken im Labor zehn Tage lang Temperaturen um 25 Grad Celsius aus. Anschließend beobachteten sie die Tiere 60 Tage lang in Umgebungen mit unterschiedlich hohen Anforderungen an ihr Immunsystem.

Umweltbedingungen entscheiden über Erfolg

Die Umweltbedingungen nach der Hitzewelle hatten großen Einfluss darauf, wie sich die Reaktionen der Tiere während des Hitzestresses später auswirkten. In Umgebungen mit vielen Krankheitserregern zeigten jene Schnecken mehr evolutionäre Fitness, die ihre Reproduktion zuvor am stärksten gesteigert hatten. Unter weniger schwierigen Bedingungen hatten hingegen jene Individuen langfristig Vorteile, die in der Hitze nicht übermäßig viele Nachkommen produzierten.

Schnecken, die während der Hitze stark ins eigene Wachstum investierten, hatten es danach schwerer. Dieser Effekt trat allerdings nur in der Gruppe auf, die stark mit Erregern konfrontiert war.

Blick über das Extremereignis hinaus nötig

Die Studie zeigt, dass verschiedene Umgebungsbedingungen berücksichtigt werden müssen, um abzuschätzen, wie der Klimawandel evolutionäre Entwicklungen beeinflusst. Es reiche nicht aus, nur die direkten Reaktionen während oder kurz nach Extremereignissen zu untersuchen. Vielmehr müssten die länger andauernden Effekte in verschiedenen Umwelten genauer betrachtet werden, so die Forschenden.

Quelle: APA

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