Hitzewellen haben sich achtfach verstärkt

Die Auswirkungen des Klimawandels wie Hitze haben sich in ihrer „Gesamtextremität“ von 2022 bis 2025 im Vergleich zum Mittel von 1961 bis 1990 um das Achtfache verstärkt. Das berichtete der Geophysiker und Klimaforscher Gottfried Kirchengast am Donnerstag in Graz.
Der Klimaforscher Gottfried Kirchengast vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel in Graz hat gemeinsam mit seinem Team eine neue Methode entwickelt, um Hitzewellen in Österreich zu erfassen und zu bewerten. Die Ergebnisse stellte er am Donnerstag bei einem Pressegespräch mit der steirischen Grünen-Klubobfrau Sandra Krautwaschl vor. Dabei betonte Kirchengast, dass die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels immer deutlicher sichtbar würden.
Für die Analyse wird Österreich in Gebieten unterhalb von 1.500 Metern Seehöhe in 670 Rasterflächen von jeweils 100 Quadratkilometern unterteilt. Überschreiten die Temperaturen während einer Hitzewelle die Marke von 30 Grad Celsius, wird die Intensität mithilfe sogenannter Arealgradtage (AGT) berechnet. Werden etwa in zehn Rasterflächen an zwei Tagen jeweils vier Grad über der 30-Grad-Schwelle gemessen, ergibt das 80 AGT.
Rekordwerte im Jahr 2026
Die erste Hitzewelle des Jahres 2026 zwischen 17. Juni und 2. Juli brachte laut den Berechnungen rund 16.900 Arealgradtage. Die zweite Hitzewelle von 25. Juli bis 17. August erreichte etwa 26.400 AGT.
Zum Vergleich: Die bisherigen „Jahrhundertsommer“ 2003 und 2015 lagen bei knapp 25.000 beziehungsweise 40.000 AGT. Bis zur Wetterumstellung im September summierte sich das Jahr 2026 bereits auf rund 50.000 Arealgradtage und übertraf damit frühere Extremjahre deutlich.
Folgen werden weiter untersucht
Welche Auswirkungen diese außergewöhnliche Hitzebelastung auf Böden, Grundwasserstände, Gletscher oder die Arbeitsproduktivität hat, soll eine umfassende Studie näher beleuchten. Die Ergebnisse werden voraussichtlich im Frühjahr 2027 präsentiert. Dafür werden meteorologische und sozioökonomische Daten aus österreichischen und europäischen Datenbanken ausgewertet.
Zunehmendes Interesse an Klimaforschung
Kirchengast berichtete von wachsendem Interesse an den Forschungsergebnissen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Auch aus der FPÖ gebe es vermehrt Personen, die sich mit den Erkenntnissen auseinandersetzen und informieren möchten.
Der Klimaforscher verwies zudem darauf, dass extreme Wetterereignisse nicht losgelöst von menschlichem Handeln betrachtet werden dürften und plädierte für einen sachlichen Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Grüne pochen auf stärkere Klimavorsorge
Für Sandra Krautwaschl ist es nicht ausreichend, jedes Jahr steigende Summen für die Behebung von Klimaschäden aufzuwenden. Stattdessen müsse der Fokus stärker auf Prävention und Klimaschutz liegen. Positiv bewertete sie Maßnahmen wie die thermische Sanierung von Gebäuden, die gleichzeitig regionale Wertschöpfung sichern könnten.
Darüber hinaus sprach sich die Grünen-Politikerin für einen rascheren Ausbau erneuerbarer Energien und zusätzlicher Speicherkapazitäten aus. Kritik übte sie daran, dass wichtige Landesprogramme zu Windkraft und erneuerbaren Energien bisher noch nicht umgesetzt worden seien.
Milliardenbelastung durch Klimaschäden
Nach Angaben Krautwaschls rechnet das Wegener Center bis zum Jahr 2030 mit klimabedingten Gesamtschäden in Österreich von 3,8 bis 7,6 Milliarden Euro. Allein in der steirischen Landwirtschaft hätten sich die Schäden durch extreme Wetterereignisse heuer bereits auf rund 180 Millionen Euro belaufen.
Mit geplanten Initiativen im Landtag wollen die Grünen künftig überprüfen, welche Förderungen klimaschädliche Aktivitäten begünstigen und wie öffentliche Mittel stärker für Klimaschutzmaßnahmen eingesetzt werden können. Ziel sei mehr Transparenz bei Förderungen und eine konsequentere Ausrichtung auf klimafreundliche Projekte.
Quelle: APA
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