Hohenems zeigt, wie Stadtentwicklung Wirtschaft belebt

Die Vorarlberger Stadt Hohenems hat ihre Innenstadt durch konsequente Quartiersentwicklung wiederbelebt. Das RathausQuartier mit einem Investitionsvolumen von 55 Millionen Euro vereint Wohnen, Arbeiten und Kultur an einem Ort.
Im Rahmen der Regionenwoche besuchten Landtagsvizepräsidentin Monika Vonier, die Abgeordneten Hanno Lecher und Clemens Ender sowie Stadtrat Thomas Fussenegger die Stadt Hohenems. Gastgeber war Markus Schadenbauer von der Schadenbauer Projekt- und Quartierentwicklung. Auf dem Programm standen eine Projektvorstellung, ein Rundgang durch den Stadtkern mit Fokus auf das neue RathausQuartier sowie ein Besuch bei Sicheres Vorarlberg.
Drei Prinzipien für lebendige Quartiere
Schadenbauers Ansatz basiert auf der Überzeugung, dass die Strukturen der gebauten Umwelt darüber mitentscheiden, ob soziale und wirtschaftliche Synergien entstehen. Ziel ist es, den genius loci zu stärken – also das, was einen Ort unverwechselbar macht.
Drei Prinzipien stehen dabei im Zentrum: Sanieren vor Neubauen, um denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten und Ressourcen zu schonen. Mischung statt Monokultur, wobei unterschiedliche Wohnungstypen und öffentlich nutzbare Erdgeschosszonen einen Ort erlebbar und lebendig machen. Und gezielte Ansiedlung ausgewählter regionaler Handels- und Dienstleistungsbetriebe, damit ein Quartier funktioniert.
Von der Durchzugsstraße zum belebten Zentrum
Vor rund 20 Jahren standen in der Hohenemser Innenstadt zahlreiche Gebäude leer, durch die Marktstraße rollten täglich Tausende Autos. Mit der Verkehrsberuhigung kam die Wende. In die Erdgeschosse zogen kleine Läden ein, die meist von ihren Eigentümerinnen und Eigentümern selbst geführt werden.
Dahinter steht eine konsequente Zentrumsstrategie, die Stadt, private Investoren und Denkmalschutz über viele Jahre gemeinsam verfolgt haben. Die Revitalisierung der Altstadt wurde unter anderem mit dem Österreichischen Bauherr:innenpreis 2023 und dem Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit 2024 ausgezeichnet.
RathausQuartier als neues Herzstück
Besonders im Fokus stand das neue RathausQuartier am nördlichen Eingang zur Innenstadt. Auf dem rund 9.800 Quadratmeter großen Areal rund um die denkmalgeschützte Villa Iwan und Franziska Rosenthal ist ein Ensemble entstanden, das den historischen Stadtkern weiterschreibt. Entwickelt hat es die ARGE Schadenbauer – STC Development gemeinsam mit der Stadt. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 55 Millionen Euro.
Das Quartier besteht aus vier Teilen: Das neue Rathaus hat sechs Geschosse in Holzhybridbauweise, wurde von Berktold Weber Architekten geplant und mit dem Vorarlberger Holzbaupreis ausgezeichnet. Alle Abteilungen der Stadtverwaltung sind hier unter einem Dach, bisher waren sie auf bis zu vier Gebäude verteilt.
Die Villa Rosenthal wurde sorgfältig saniert und ist heute Sitz des Literaturhauses Vorarlberg. In 77 Wohnungen leben über 200 Menschen, geplant von renommierten Vorarlberger Architekturbüros. Im Erdgeschoss gibt es Geschäfte, Gastronomie und Dienstleister, darüber Büros. Dazu kommen eine Tiefgarage mit 167 Stellplätzen, davon 70 öffentlich, und ein öffentlicher Park.
Prävention als Standortfaktor
Zum Abschluss besuchte die Delegation Sicheres Vorarlberg, das im RathausQuartier seine Büros bezogen hat. Die Organisation kümmert sich landesweit um Unfallprävention. Das Angebot reicht von Kindersicherheitsprogrammen für Familien bis zu kostenlosen Online-Fortbildungen für Trainerinnen und Trainer in Sportvereinen. Allein im Sport passieren in Vorarlberg jedes Jahr rund 12.400 Unfälle.
Jeder vermiedene Unfall bedeutet weniger Leid, weniger Kosten im Gesundheitssystem und weniger Ausfälle in den Betrieben. Belebte, gut gestaltete öffentliche Räume werden stärker genutzt und stärken Sicherheit und Lebensqualität.
Langfristiges Denken zahlt sich aus
Ortskernbelebung gelingt, wenn private Entwickler, Gemeinde, Land und Betriebe an einem Strang ziehen. Hohenems zeigt, dass sich langer Atem auszahlt. Aus Leerstand wurden Adressen, aus einer Durchzugsstraße wurde ein Ort zum Bleiben.
Wer Wohnen, Arbeiten, Verwaltung und Kultur an einem Ort bündelt, schafft Frequenz – und Frequenz ist die Grundlage für jeden Betrieb im Zentrum. Gleichzeitig wächst die Stadt nach innen statt an den Rändern.
Quelle: https://www.wirtschaftsbund-vbg.at/2026/10/13/hohenems-wo-stadtentwicklung-wirtschaftspolitik-ist
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