Holzinger läutet Biennale-Finale mit Glocken-Prozession ein

Mona HopfingerMona Hopfinger
© Nicole Marianna Wytyczak

Die österreichische Künstlerin Florentina Holzinger beendet ihre siebenmonatige Performance im Österreich-Pavillon der Venedig-Biennale mit einer Abschluss-Étude. Eine monumentale Glocke aus der Lagune wird in einer Zeremonie durch Venedig getragen.

Nach sieben Monaten „SEAWORLD VENICE“ im Österreich-Pavillon der Venedig-Biennale steht die finale Performance von Florentina Holzinger bevor. Die Abschlussveranstaltung trägt den Titel „CLOSING ÉTUDE“ – eine Anspielung auf technisch anspruchsvolle Musikstücke, die Musiker an ihre Grenzen bringen sollen.

Im Zentrum der Arbeit steht eine riesige Glocke, die aus der Lagune von Venedig geborgen wurde. Sie läutete im Mai zur Eröffnung der Installation, wobei Holzinger selbst nackt als menschlicher Klöppel fungierte. Seither schlägt die Glocke stündlich über dem Pavillon und markiert den Lauf der Zeit.

Installation aus menschlichen Abfällen und Lagunenmüll

Die Performance-Installation verbindet körperliche Präsenz mit provokanten Materialien. Holzinger verarbeitet menschliche Ausscheidungen und Abfall aus der Lagune, der bei Hochwasser angespült wird. Besucher wurden aufgefordert, mobile Toiletten vor Ort zu nutzen – der Urin wurde gefiltert und in einem Tauchbecken gesammelt.

Die Künstlerin bezeichnet die Glocke als „grotesken Altar“ für die andauernde venezianische Apokalypse. Die Installation folgt ihrer körperorientierten Philosophie und thematisiert Verfall und Vergänglichkeit.

Zeremonieller Umzug zur Scuola Grande della Misericordia

Für „CLOSING ÉTUDE“ wird die Glocke in einer feierlichen Prozession vom Pavillon zur Scuola Grande della Misericordia im Stadtteil Cannaregio transportiert. Das historische Gebäude wurde im Mittelalter als Zunft gegründet und nach einer architektonischen Restaurierung 2015 als Ausstellungsraum wiedereröffnet.

Die hohen Decken, der weitläufige Innenraum und Fresken, die der Schule von Paolo Veronese zugeschrieben werden, bilden den Rahmen für die Abschlussperformance. Holzinger beschreibt „CLOSING ÉTUDE“ als „ein letztes Abendmahl“ und spielt damit auf christliche Ikonografie an.

Quelle: https://ropac.net/news/3195-florentina-holzinger-closing-etude

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