Homeoffice fördert Arbeiten trotz Krankheit

Eine Studie der Universität Klagenfurt zeigt: Informelles Arbeiten von zu Hause erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Beschäftigte trotz Krankheit weiterarbeiten. Formale Vereinbarungen können hingegen die Zahl der Präsentismus-Tage senken.
Seit der COVID-19-Pandemie ist das Arbeiten im Homeoffice für viele Beschäftigte zur Normalität geworden. Doch wie wirkt sich diese Arbeitsform auf das Phänomen des Präsentismus aus – also darauf, dass Menschen trotz Krankheit weiterarbeiten? Dieser Frage sind Lena Zöhrer und Heiko Breitsohl vom Institut für Management der Universität Klagenfurt nachgegangen.
Ihre Untersuchung wurde im Fachjournal Social Science & Medicine veröffentlicht. Die Forschenden analysierten gemeinsam mit Nils Backhaus und Sophie-Charlotte Meyer von der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, wie verschiedene Homeoffice-Praktiken mit der Entscheidung zusammenhängen, krank weiterzuarbeiten.
Repräsentative Daten aus Deutschland
Die Grundlage der Analyse bilden repräsentative Daten deutscher Erwerbstätiger aus den Jahren 2019 (rund 5.400 Personen) und 2021 (rund 10.000 Personen). Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Formen des Arbeitens von zu Hause.
„Informelles bzw. zusätzliches Arbeiten von zu Hause steht sowohl mit der Entscheidung, trotz Krankheit zu arbeiten, als auch mit einer höheren Zahl an Präsentismus-Tagen in Zusammenhang“, erklärt Heiko Breitsohl. Anders verhalte es sich bei formalen Regelungen: „Formale Homeoffice-Vereinbarungen hingegen zeigen keinen Zusammenhang mit der Entscheidung, krank zu arbeiten, gehen jedoch mit weniger Präsentismus-Tagen einher“, so Lena Zöhrer.
Erfahrung und Grenzen als Ansatzpunkte
Die Autor:innen weisen darauf hin, dass vorherige Homeoffice-Erfahrung sowie Präferenzen zur Trennung von Arbeit und Privatleben mögliche Ansatzpunkte für gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung im Homeoffice sein könnten.
Für die Praxis empfehlen Zöhrer und Breitsohl: „Die Ergebnisse legen nahe, dass Klarheit und formale Vereinbarungen im Homeoffice-Kontext hilfreich sein können. Für Arbeitgeber:innen erscheint es daher sinnvoll, die Notwendigkeit informellen bzw. zusätzlichen Arbeitens von zu Hause möglichst gering zu halten und in Homeoffice-Vereinbarungen klare Erwartungen zum Umgang mit Arbeit im Krankheitsfall festzulegen.“
Quelle: OTS
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