Hotelprojekt in Gmunden sorgt für hitzige Debatte

In der Stadtgemeinde Gmunden wird über ein geplantes Hotelprojekt der Soravia-Gruppe intensiv diskutiert. Bei der Veranstaltungsreihe „Ein Ort am Wort“ prallten unterschiedliche Positionen aufeinander, so der ORF.
Bürgermeister Stefan Krapf (ÖVP) erklärte, dass die Soravia-Gruppe das Areal 2021 um 15,7 Millionen Euro von der Stadtgemeinde erworben habe. Ein reines Hotelprojekt sei wirtschaftlich nicht umsetzbar, weshalb Wohnbauten im Hintergrund zur Querfinanzierung notwendig seien.
Der Stadtchef räumte Befürchtungen aus, das Seeviertel könnte zu einem elitären Bereich werden. Er betonte, das Areal bleibe öffentlich zugänglich. Das Hotel werde ein öffentliches Restaurant haben, auch Bereiche des Spa sollen nutzbar sein. Sorgen, der öffentliche Seezugang könnte verloren gehen, wies Krapf zurück.
Kritik an Wohnbauten und Projektgröße
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger äußerten dennoch Bedenken. Die Pensionistin Monika Hufnagel sprach sich grundsätzlich für ein Hotel aus, lehnte aber die aktuelle Planung mit großen Wohnhäusern ab. Hufnagel wünscht sich ein kleineres, öffentlicheres Projekt mit mehr Grünflächen – große Wohnhäuser könnten anderswo entstehen. Anrainer sorgen sich zudem um Parkplätze; Baustadtrat Rüdiger Fritz (FPÖ) sichert Parkplätze an verschiedenen Standorten zu.
Tourismusbranche verweist auf fehlende Kapazitäten
Vertreter der Tourismusbranche betonten mehrfach die fehlenden Hotelkapazitäten in Gmunden. Eine Fremdenführerin erklärte, größere Gruppen und Kongresse könnten oft nicht untergebracht werden. Die Ärztin Michaela Schmidt verwies auf Städte in Deutschland, die von Kongresszentren lebten. Gmunden habe dahingehend viel Potenzial, man dürfe nicht alles schlechtreden.
Andreas Murray, Geschäftsführer des Tourismusverbands Traunsee-Almtal, sprach von jährlich zehntausenden verlorenen Nächtigungen wegen fehlender Betten. Stefan Brandlehner, Geschäftsführer des Salzkammergut-Tourismus, fand alle Argumente des Abends interessant. Um die touristische Nachfrage müsse man sich keine Sorgen machen.
Gmunden brauche sogar mehrere größere Hotels, um sein touristisches Potenzial auszuschöpfen, so Karlheinz Eder von der Traunseeschifffahrt. Ohne zusätzliche Betriebe drohe der Stadt langfristig, eine reine Tagesausflugsdestination zu bleiben. „Irgendwie wissen wir nicht so ganz, wer wir sind“, so Eder weiter.
Tourismusexperte und Berater Reinhard Lanner bezeichnete die Diskussion als wichtig und verwies auf vergleichbare Entwicklungen in anderen Regionen. Ein hochwertiges Hotel könne weitere Investitionen anstoßen und bestehende Familienbetriebe stärken – das Projekt müsse aber zur Stadt passen und kritisch begleitet werden.
Zweitwohnsitze und Immobilienentwicklung im Fokus
Für besonders kontroverse Diskussionen sorgte die mögliche Nutzung von Wohnungen als Nebenwohnsitze. Kritiker warnten davor, dass Wohnraum dadurch noch teurer werden könnte, und sprachen von der Gefahr einer „Geisterstadt“. Christian Zier, der in unmittelbarer Nähe zum Projekt wohnt, argumentierte, in Gmunden stünden bereits viele Wohnungen leer. Selten genutzte Zweitwohnsitze wirkten sich zudem auf das allgemeine Angebot in der Stadt aus – „man kann nicht mehr viel einkaufen außer Häferln und Souvenirs“, so Zier.
Philipp Wiatschka von der Bürgerbewegung „Wir für Gmunden“ äußerte sich grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber dem Projekt, kritisierte jedoch die geplante Querfinanzierung durch Wohnungen im Hintergrund. Es handle sich nicht um ein touristisches, sondern um ein Immobilienentwicklungsprojekt, das der Bevölkerung fälschlich als Tourismusprojekt präsentiert werde, so Wiatschka. Er schlug vor, Gmunden zur Vorbehaltsgemeinde zu erklären, um Zweitwohnsitze einzudämmen. Ein weiterer Teilnehmer appellierte an die Stadtgemeinde, das Hotel zu realisieren – aber nicht um jeden Preis.
Franz Dilly aus Gmunden zweifelte an der langfristigen Tragfähigkeit eines Hotelprojekts, das über zusätzliche Wohnungen finanziert wird. Nötig seien Unternehmer, die das Risiko selbst tragen – davon gebe es in der Region genug. Zudem stellte er die Frage, wozu Hotelgäste überhaupt eine Bootsgarage benötigten.
Klimaschutz und Bodenversiegelung
Christian Auer vom Forum für Klimaschutz in Gmunden warnte vor zusätzlicher Bodenversiegelung und plädierte für mehr Grünflächen und Bäume – Boden sei schließlich wichtig für Wasserspeicherung und Stadtkühlung.
Andere stuften die Auswirkungen des Projekts hingegen als überschaubar ein: Im Verhältnis zum gesamten Seegebiet falle die Fläche zu klein aus, hieß es.
Eine endgültige Entscheidung über das Projekt ist weiterhin ausstehend. Die Diskussion machte jedoch deutlich, wie stark das geplante Seeviertel die Stadt beschäftigt und polarisiert – zwischen Hoffnung auf touristischen Aufschwung und Sorge um Lebensqualität und Wohnraum.
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