Hubschrauber im Lungau gestohlen und nach Kroatien geflogen

Nach dem Diebstahl eines Helikopters vom Flugplatz Mauterndorf in der Nacht auf Montag ermitteln die Behörden auf Hochtouren. Die Maschine vom Typ Robinson R44 wurde laut Polizei nach Kroatien geflogen und verließ Österreich kurz nach 2 Uhr.
Das Landeskriminalamt Salzburg fahndet gemeinsam mit der Austro Control, dem Bundesheer und ausländischen Behörden nach einem gestohlenen Hubschrauber. Die Maschine des Typs Robinson R44 mit dem Kennzeichen OE-XHK wurde in der Nacht auf Montag vom Flugplatz Mauterndorf im Lungau entwendet. Der Helikopter gehört einem Pongauer Gastronom und wurde von der Firma des ehemaligen Skisprungstars Thomas Morgenstern betrieben.
„Es wird intensiv ermittelt. Im Rahmen unserer Möglichkeiten schöpfen wir alles aus, sodass die Ermittlungen zum Erfolg führen“, erklärte eine Sprecherin der Landespolizeidirektion Salzburg am Dienstagvormittag gegenüber der APA. Bisher wurde weder der Helikopter gefunden noch wurden Täter festgenommen.
Flucht über Steiermark und Kärnten nach Kroatien
Der gestohlene Hubschrauber hat das Bundesgebiet kurz nach 2 Uhr verlassen, bestätigte die Polizei. Die Maschine sei in Kroatien geortet worden. Medienberichten zufolge soll der Helikopter am Montag um 4.20 Uhr über der Insel Pag gesichtet worden sein. Die Polizei bestätigte diese Angaben nicht. Der genaue Ort werde aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekanntgegeben, sagte die Polizeisprecherin am Dienstag. Es handle sich um hochsensible Daten der Flugraumüberwachung.
Auch die konkretisierte Tatzeit wird nicht öffentlich gemacht. Laut Medienberichten soll der Hubschrauber um 1.50 Uhr gestohlen worden sein. Ein Mitglied des Flugvereins hatte Startgeräusche gehört und den Piloten nicht erreichen können. Als er nachschaute, entdeckte er am Hangar Einbruchsspuren und alarmierte die Polizei.
Professionell geplanter Coup mit doppelter Treibstoffmenge
Die unbekannten Täter brachen bisherigen Ermittlungen zufolge über die Hintertüre ein und transportierten den Hubschrauber mit einem Rangierwagen aus dem Hangar. Bei der Tankstelle des Flugplatzes entnahmen sie die doppelte Menge des für den Hubschrauber vorgesehenen Treibstoffs. „Es wurden 365 Liter getankt, der Tank des Hubschraubers hat Platz für 170 Liter“, sagte der Eigentümer des Helikopters, Manuel Aster, Gastronom und Inhaber von Aster's Mountainclub in Wagrain. Eine Videoüberwachung gebe es dort nicht, bestätigte die Polizei.
„Die Täter müssen Professionelle gewesen sein, die das genau geplant haben“, erklärte Aster. „Es wurden ein Ortungssystem ausgebaut, der Absturzsender entfernt und der Transponder ausgeschaltet.“ Die Maschine sei nicht nachflugtauglich, und vom Flugplatz Mauterndorf aus dürfe man in der Nacht nicht fliegen. Mit dem vollgetankten Helikopter kann man bei durchschnittlichen Bedingungen circa zweieinhalb Stunden fliegen, sagte ein Sprecher von Thomas Morgenstern am Dienstag zur APA.
Die Firma von Morgenstern bietet mit dem Hubschrauber vom Flugplatz Mauterndorf Rundflüge an. Die Diebe haben wohl die mondhelle Nacht mit klarem Himmel gezielt für den Coup gewählt.
„Wie kann ein Helikopter durch halb Europa fliegen?“
Informationen darüber, wo sich der Hubschrauber befindet, der im Neuzustand zwischen 700.000 und 800.000 Euro kostet, habe er derzeit nicht, sagte der Pongauer Eigentümer. „Wir wissen gar nichts. Wir wissen auch nicht, wer sich so etwas traut“, so Aster. „Die Maschine ist wie vom Erdboden verschwunden. Das ist wie ein Krimi für uns. Wie kann ein Helikopter durch halb Europa fliegen, und es fällt keinem auf – wo man heutzutage jede Drohne orten kann. Unsere Luftraumüberwachung hat da ein bisschen versagt.“
Das einzige, was er bisher erfahren habe sei, dass der Hubschrauber über die Steiermark und Kärnten geflogen sei und Österreich dann in Richtung Süden verlassen habe.
Radardaten werden ausgewertet
Die Polizei habe der Austro Control um 2.15 Uhr gemeldet, dass der Hubschrauber gestohlen worden sei, sagte der Sprecher von Austro Control, Markus Pohanka, der APA. Die Austro Control könne über Sekundärradaranlagen Flugzeuge orten, wenn der Transponder eingeschaltet ist. Falls er ausgeschaltet ist, habe das Bundesheer die Möglichkeit, Flugzeuge mit Primärradar zu orten.
Derzeit würden gesicherte Radardaten, die vorliegen, untersucht, um herauszufinden, welcher weitere Flugweg mit dem Hubschrauber eingeschlagen wurde, sagte Pohanka. „Sämtliche Flugspuren werden jetzt detailliert ausgewertet. In Zusammenarbeit mit dem Bundesheer und der Polizei werden die Erkenntnisse zusammengetragen. Die Nachforschungen werden von uns unterstützt. Die Suche gestaltet sich schwierig, wenn Ortungssysteme deaktiviert sind.“ Einen solchen Fall habe es in Österreich noch nicht gegeben.
Laut Polizei wurden Spuren gesichert, auch Tatortspuren, die mit Daten auch aus internationalen Datenbanken verglichen werden. „Primär stehen Befragungen im Vordergrund. Wir gehen davon aus, dass die Täter mit dem Flugplatz örtlich vertraut waren. Die Tat war sehr gut geplant“, sagte die Polizeisprecherin. Einvernommen werden auch Personen, die Zugang zum Flugplatz haben.
Quelle: APA
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