Igel-Studie: 80 überfahrene Tiere in drei Monaten

Seit März dokumentieren Bürgerinnen und Bürger in Niederösterreich überfahrene Wildtiere. Die Zwischenbilanz zeigt: Igel sind besonders gefährdet. Mit Sommerbeginn wird ein weiterer Anstieg erwartet.
In Niederösterreich haben freiwillige Helferinnen und Helfer seit März 2026 mehr als 17.000 Kilometer auf 740 Strecken aufgezeichnet. Dabei wurden knapp 380 überfahrene Tiere dokumentiert – darunter 80 Igel. Die Meldungen zu getöteten Igeln liegen bereits über den Werten der Vorjahre.
Das Projektteam wertet dies als ersten Erfolg der Studie. Mit Beginn des Sommers, wenn der heurige Nachwuchs mobiler wird, rechnen die Forschenden mit einem weiteren Anstieg der Zahlen. Die gesammelten Daten sollen helfen, gefährliche Straßenabschnitte zu identifizieren und zeitliche Muster zu erkennen. Sie bilden die Basis für Forschung, Bewusstseinsbildung und konkrete Schutzmaßnahmen.
Schwerpunkt im südlichen Niederösterreich
Derzeit konzentrieren sich die Streckenaufzeichnungen auf den südlichen Teil Niederösterreichs, wo vergleichsweise mehr Wege dokumentiert wurden als im restlichen Bundesland. Erfasst werden sowohl Funde überfahrener Igel als auch Wegstrecken ohne Nachweise. Beide Informationsarten sind zentral, um Risikozonen belastbar zu bestimmen.
Die Studie „Achtung Igel!“ ist Teil des Citizen Science-Projekts Roadkill der BOKU University und dem Museum Niederösterreich Haus für Natur. Sie setzt gezielt auf die Mitwirkung der Bevölkerung. Bürgerinnen und Bürger dokumentieren Wege, die sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto zurücklegen, mittels Roadkill-App für iOS und Android. Die gesammelten Daten werden von Expertinnen und Experten des Projekts ausgewertet.
Straßen als tödliche Barrieren
Straßen verbinden Lebensräume für Menschen. Für viele Tiere sind sie jedoch Barrieren und tödliche Gefahren. Jährlich werden Tausende Wirbeltiere auf Österreichs Straßen überfahren. Während es für einige Arten bereits Daten gibt, fehlen sie für viele andere – darunter geschützte Arten wie der Igel. Genau hier setzt die aktuelle Studie an.
Straßen sind für viele Wildtiere eine tödliche Gefahr – besonders für Igel, die bei Bedrohung nicht flüchten, sondern sich einrollen. Tierschutz Austria setzt sich seit vielen Jahren für verletzte, geschwächte und verwaiste Wildtiere ein. Im Tierschutzhaus Vösendorf werden sie fachkundig versorgt, gepflegt und – wenn möglich – wieder ausgewildert.
Sichere Lebensräume schaffen
Mit Initiativen wie der Igel-Straße und der Garten-Vignette macht Tierschutz Austria sichtbar, wie wichtig sichere Lebensräume direkt vor der eigenen Haustür sind. Naturnahe Gärten, Durchgänge in Zäunen, Rückzugsorte und verbundene Grünflächen helfen Igeln und anderen Wildtieren, Nahrung zu finden, sich zu verstecken und sicherer durch Siedlungsräume zu kommen.
Im Rahmen der Kooperation mit dem Citizen-Science-Projekt Roadkill übernimmt Tierschutz Austria eine ergänzende praktische Rolle: Während überfahrene Tiere über die Roadkill-App dokumentiert werden und damit wichtige Daten für Forschung und Schutzmaßnahmen liefern, können lebend aufgefundene, verletzte oder verunfallte Tiere ins Tierschutzhaus Vösendorf gebracht werden. So verbindet die Zusammenarbeit wissenschaftliches Monitoring mit konkreter Hilfe für jene Tiere, die einen Unfall überlebt haben.
Nähere Informationen zur Studie finden sich unter roadkill.at/achtung-igel.html.
Quelle: OTS
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