Industrieller Kapsch übernimmt Autozulieferer in Ebergassing

Mathias FischerMathias Fischer
© Amar Preciado / Pexels (Symbolbild)

Ein Autozulieferbetrieb in Ebergassing (Bezirk Bruck an der Leitha) hat einen neuen Eigentümer. Industrieller Kari Kapsch hat das Unternehmen übernommen und sichert damit 215 Arbeitsplätze, so der ORF.

Am Montag war die Erleichterung bei den Beschäftigten am Standort in Ebergassing groß. Nach Monaten der Ungewissheit haben sie wieder eine berufliche Perspektive. Die vergangenen Jahre waren für das Unternehmen von Turbulenzen geprägt.

Kari Kapsch zeigt sich trotz der schwierigen Lage der europäischen Autoindustrie zuversichtlich. „Jeder Wandel bringt sehr viele Chancen mit sich. Und es kommen auch viele Produzenten außerhalb Europas nun immer mehr nach Europa, um ihre Werke ebenfalls hier zu errichten. Das sind auch für uns sehr spannende und neue Kunden“, so der Industrielle.

Belegschaft spricht von „Wunder“

Belegschaftsvertreter Michael Sumpich, seit über 30 Jahren im Betrieb tätig, zeigt sich erleichtert: „Für uns ist das eigentlich wie ein Wunder gekommen, so oft, wie man uns schon sterben hat lassen hat. Wir sind immer wieder aufgestanden. Ich muss ehrlich sagen, das ist das Größte und Beste, was für die Leute passieren hat können.“

Der Betrieb, der vor mehr als 170 Jahren als Teppichweberei startete, wandelte sich über die Jahrzehnte unter verschiedenen Eigentümern zu einem Zulieferer für die Automobilindustrie. In der Hochphase arbeiteten 800 Mitarbeiter am Standort.

Vor rund einem Jahr waren noch gut 300 Menschen beschäftigt. Das Werk produziert textile Innenverkleidungen für Fahrzeuge großer Autohersteller, insbesondere aus Deutschland. Langfristige Lieferverträge für Ersatzteile mit Laufzeiten von mehr als 15 Jahren sichern die Auftragslage.

Betrugsvorwürfe gegen früheren Eigentümer

Das Vertrauen vieler Lieferanten in den früheren Eigentümer Neptune Industries rund um den indisch-amerikanischen Geschäftsmann Patrick James war nachhaltig beschädigt. Die US-Justiz warf ihm milliardenschweren Betrug vor. Im Jänner erhob der Staatsanwalt für den südlichen Bezirk von New York Anklage.

Nach einem monatelangen Insolvenzverfahren, das im Konkurs endete, wurde Mitte August bekannt, dass Kari Kapsch den Industriebetrieb kaufen will. Das Unternehmen trägt ab sofort den Namen Kaitec. Seither wurden zahlreiche Verträge mit Beschäftigten und Lieferanten neu ausgehandelt. Ende Oktober erfolgte das Closing der Übernahme.

Umsatzziel von 250 Millionen Euro

Der bisherige Geschäftsführer Stefan Kunz, der gemeinsam mit Kapsch den Betrieb weiterführt, blickt optimistisch in die Zukunft. Für heuer rechnet er mit einem Umsatz von 71 Millionen Euro. „Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf dem Premium-Kundensegment, hier besonders für Gepäckraumverkleidungen, obere Säulenverkleidungen und Bodenbelegungen“, erklärt Kunz.

Gleichzeitig sollen neue Geschäftsfelder wie Nutzfahrzeuge oder die Bahnindustrie erschlossen werden. Kapsch und Kunz hoffen, den Umsatz trotz schwieriger Branchenlage wieder auf bis zu 250 Millionen Euro pro Jahr steigern zu können. „Wachstum ist das klare Postulat“, so die Zielsetzung.

Quelle: https://noe.orf.at/stories/3377837/

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