Inklusion an Schulen: Große Unterschiede in Bundesländern

Mona HopfingerMona Hopfinger
Wohnortlotterie mit Österreich-Karten, inklusive Bildung und Sonderschulen
© Mit KI (Gemini) generiert

Drei Organisationen zeigen in einer Analyse strukturelle Lücken im österreichischen Schulsystem auf. Ob Kinder mit Behinderung gemeinsam mit anderen lernen, hängt stark vom Wohnort ab – die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind massiv.

Lebenshilfe, Inklusion Österreich und Diakonie haben die Situation der inklusiven Bildung in den neun Bundesländern verglichen. Die Ergebnisse zeigen: Österreich ist weit davon entfernt, das Versprechen der UN-Behindertenrechtskonvention einzulösen. Die drei Organisationen betonen, dass inklusive Bildung die bessere Bildung für alle Kinder sei – und dort funktioniere, wo Ressourcen, Unterstützung und Haltung zusammenpassen.

Wohnort entscheidet über gemeinsames Lernen

31.411 Kinder und Jugendliche hatten im Schuljahr 2024/25 einen sonderpädagogischen Förderbedarf. 36,6 Prozent und damit mehr als ein Drittel besuchten eine Sonderschule. Je nach Bundesland unterscheidet sich stark, wie viele Kinder gemeinsam mit anderen unterrichtet werden: zwischen 84 und 43 Prozent. Die Autor:innen der Analyse sprechen von einer „Wohnortlotterie”.
Die Untersuchung stellte mehrere Punkte nebeneinander. Verglichen wurden der Anteil der Schüler:innen mit Förderbedarf in inklusiven Klassen und die Regelung der Schulassistenz. Auch die Verteilung der Mittel auf Sonderschulen und inklusive Bildung und die Zahl der Suspendierungen spielten eine Rolle. Als Quellen dienten Daten von Statistik Austria und den neun Bildungsdirektionen sowie Erfahrungsberichte von Familien, Expert:innen und Lehrkräften.

Erschwerter Berufseinstieg

Wo Jugendliche zur Schule gehen, macht für ihre Zukunft einen großen Unterschied. In Österreich hat zwei Jahre nach dem Ende der Sonderschule mehr als die Hälfte der Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf keinen Platz in Bildung, Arbeit oder Unterstützungsangeboten. Kommen Jugendliche mit demselben Förderstatus aus Regelschulen, trifft das nur auf etwas mehr als ein Viertel zu.
Auch Daten aus Deutschland zeigen das. Zwei Jahre nach der 9. Klasse machen nur gut ein Viertel der früheren Förderschüler:innen eine reguläre Berufsausbildung. Bei den Jugendlichen aus Regelschulen ist es knapp die Hälfte. Die Organisationen verlangen, dass man die Bildungs- und Berufswege junger Menschen mit Behinderungen systematischer erfasst.

Gravierende Datenlücken erschweren Reformen

Die Analyse deckt erhebliche Daten- und Transparenzlücken auf. Die von Statistik Austria und den Bundesländern veröffentlichten Daten seien oft widersprüchlich und schwer vergleichbar. Die Organisationen kritisieren, dass zentrale Informationen zur Steuerung des Systems so schwer zu bekommen und wenig brauchbar seien. Wer inklusive Bildung gestalten wolle, brauche verlässliche Daten.

Inklusion gelingt bei guten Rahmenbedingungen

Trotz vieler belastender Fallgeschichten von betroffenen Kindern und Familien zeigt der Bericht auch positive Beispiele. Überall dort, wo die Rahmenbedingungen gut sind, gelinge Inklusion – und zwar nicht nur für Kinder mit Behinderungen, sondern für alle. In Klassen, in denen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf überwiegend inklusiv lernen, profitieren alle von vielfältigen Lerngruppen, gemeinsamer Verantwortung und einem Unterricht, der Vielfalt als Chance versteht.

Forderungen an Politik und Verwaltung

Die drei Organisationen wollen ein Bildungssystem, in dem alle gemeinsam lernen, ohne eigene Sonderschulen. Sie verlangen, dass man Geld und Personal klar zu den inklusiven Regelschulen verlagert. Außerdem fordern sie einheitliche Standards für ganz Österreich und bessere Daten. Die Politik soll sich eindeutig zur inklusiven Bildung bekennen. Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sollen auch nach der Pflichtschule gemeinsam mit anderen lernen können.

Ziel müsse sein, dass jedes Kind entsprechend seinem Unterstützungsbedarf wohnortnah inklusiv lernen könne – ohne Aussonderung aufgrund einer Behinderung, so die Vertreter:innen von Lebenshilfe, Inklusion Österreich und Diakonie Österreich.

Quelle: https://www.diakonie.at/news-stories/pressemitteilung/inklusive-schule-wirkt

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