Insektenzucht könnte Treibhausgase massiv reduzieren

Soldatenfliegen, die sich von Tierdung ernähren, könnten als Proteinquelle für Nutztiere weltweit erheblich zur Entlastung der Umwelt beitragen. Eine internationale Studie mit österreichischer Beteiligung zeigt: Die Technologie könnte Millionen Hektar Agrarfläche einsparen und den Treibhausgasausstoß drastisch senken.
Ein internationales Forschungsteam unter chinesischer Leitung hat das Potenzial der Insektenzucht als Alternative zu herkömmlichen Futtermitteln untersucht. Mit dabei war Shaohui Zhang vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg. Die im Fachjournal „PNAS“ veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass ein weltweiter Einsatz dieser Technologie nicht nur Treibhausgase vermeiden, sondern auch den Verbrauch von Stickstoffdünger deutlich verringern könnte.
Der wachsende Bedarf an tierischen Proteinen hat global zu einer Ausweitung der Viehhaltung geführt. Die damit verbundene Futtermittelproduktion verursacht zahlreiche Umweltprobleme: Naturnahe Flächen werden in Ackerland umgewandelt, Regenwälder weichen Weideflächen, und der Einsatz von stickstoffhaltigem Kunstdünger belastet Böden und Gewässer.
Soldatenfliegen verwerten Tierdung
Die Wissenschafter um Baojing Gu von der Zhejiang University in Hangzhou setzten in ihren Berechnungen auf die Soldatenfliege (Hermetia illucens). Diese Insektenart ernährt sich von Tierdung und wird bereits kommerziell gezüchtet – auch in der EU ist die Verwendung ihrer Larven als Nutztierfutter zugelassen. Die Analyse umfasste Modelle zur globalen Nutztierhaltung, Landnutzung und Handelsströmen in 166 Ländern.
Tierausscheidungen gelten seit jeher als nährstoffreiche Ressource. Während das Konzept, Insekten mit Dung zu füttern, zunächst ungewöhnlich klingen mag, entspricht es dem Prinzip der traditionellen Düngung mit Jauche, auf der Feldfrüchte gedeihen.
Millionen Hektar Agrarfläche könnten frei werden
Laut der Studie könnte ein flächendeckender Einsatz der Insektenzucht jährlich rund 4,2 Millionen Tonnen tierisches Protein erzeugen. Dadurch würden bis zu 45 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche eingespart, die derzeit für die Futtermittelproduktion genutzt werden. Insgesamt könnte die Technologie etwa acht Prozent der jährlichen Futterproduktion für die Viehzucht ersetzen.
Die Umwelteffekte wären erheblich: Die Stickstoffemissionen würden um geschätzte sechs Millionen Tonnen pro Jahr sinken, die Nitratbelastung um elf Prozent. Besonders bedeutsam ist die mögliche Reduktion des Treibhausgasausstoßes um rund 1.300 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente jährlich. Würde der von den Insekten teilweise verwertete Dung anschließend als Dünger auf Feldern ausgebracht, ließen sich zusätzlich 25 Millionen Tonnen synthetischer Dünger einsparen.
Wirtschaftlicher Nutzen übersteigt Investitionen deutlich
Die Forschenden haben auch die ökonomische Seite beleuchtet: Der Aufbau einer globalen Insektenproduktion würde Investitionen von etwa 25 Milliarden Dollar (rund 21,5 Milliarden Euro) erfordern. Dem stünde ein ökonomischer und ökologischer Nutzen von rund 226 Milliarden Dollar (etwa 195 Milliarden Euro) gegenüber.
Besonders in wärmeren Ländern sei die Insektenzucht vielversprechend, da sie dort mit geringem zusätzlichem Energieaufwand betrieben werden könne. Um das Potenzial tatsächlich zu nutzen, seien allerdings koordinierte Anstrengungen erforderlich. Gelinge dies, stünde eine kostengünstige Alternative zur Verfügung, die dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft entspreche und auf die Umweltprobleme der Gegenwart zugeschnitten sei, so die Forschenden.
Quelle: APA
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