Interreligiöses Lernen: Symposion zeigt neue Wege für Schulen

Pia ProdingerPia Prodinger
Vier Personen bei einer Veranstaltung in Wien, drei halten Dokumente in der Hand.
© Private Pädagogische Hochschule Burgenland

Beim IRtB-Symposion der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland stand heuer das interreligiöse Begegnungslernen im Mittelpunkt. Expertinnen und Experten zeigten, wie Schülerinnen und Schüler durch Gastfreundschaft und Austausch verschiedene Religionen kennenlernen können.

Das Institut für Religionspädagogik und transformative Bildung (IRtB) der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland widmete sein diesjähriges Symposion dem Thema „Sharing Worldviews. Interreligiöses Begegnungslernen (IRBL) in der Schule“. Die Tagung diente zugleich als gemeinsamer Start ins Schuljahr und würdigte das Miteinander zwischen der Hochschule, dem Schulamt der Diözese Eisenstadt und den Religionspädagoginnen und Religionspädagogen. Institutsleiterin Doris Ziniel begrüßte dabei den neuen Schulamtsdirektor Johannes Moravitz mit seinem Team.

Gastfreundschaft als Grundlage für Begegnung

Wissenschaftliche Basis der Veranstaltung bildete das Konzept „Sharing Worldviews“ von Katja Böhme, ehemaliger Professorin an der PH Heidelberg. Das Modell setzt auf Gastfreundschaft als Fundament für interreligiöse Begegnungen und verbindet politische, interkulturelle sowie sozialethische Aspekte. Gast und Gastgeberin oder Gastgeber treten einander auf Augenhöhe gegenüber, präsentieren ihre eigene Perspektive und schaffen Raum für das Gegenüber. Dadurch können Gemeinsamkeiten erkannt und der konstruktive Umgang mit Unterschieden trainiert werden.

Das Konzept umfasst vier Phasen: Vorbereitung, Präsentation des Eigenen, Austausch und abschließende Reflexion in der eigenen Gruppe.

Praxisberichte aus Deutschland und Österreich

Cordula Dörfer setzt das Konzept seit 2019 am Gymnasium Bammental bei Heidelberg um. Sie schilderte ihre Erfahrungen und betonte, dass erfolgreiches Begegnungslernen vor allem Leidenschaft der organisierenden Lehrkräfte voraussetzt. Hinter der Umsetzung stehe viel Vorbereitung – didaktisch, inhaltlich, logistisch und organisatorisch. Der Aufwand werde jedoch belohnt: mit neugierigen Schülerinnen und Schülern, die Interesse an verschiedenen Religionen und Weltsichten zeigen und gemeinsam nach Gemeinsamkeiten suchen.

Michaela Maas, Grundschullehrerin, Schulseelsorgerin und Beauftragte für die Schulpastoral, demonstrierte per Online-Zuschaltung anhand der Unterrichtseinheit „Vorbilder“, dass interreligiöses Begegnungslernen bereits ab der 4. Klasse Volksschule möglich ist. Dabei würden Wissen über Religionen und unterschiedliche Perspektiven ebenso gefördert wie Empathie, Respekt, Differenzkompetenz und Vorurteilsbewusstsein.

Gottesdienst und Aussendung neuer Religionslehrkräfte

Der erste Tag endete mit einem Gottesdienst mit Bischof Ägidius Zsifkovics. Dabei wurden die neu mit der Missio beauftragten Religionslehrerinnen und Religionslehrer für ihren Dienst ausgesandt und Lehrende in die Pension verabschiedet. Musikalisch gestaltete der Chor mehr:stimmig die Feier, inhaltlich das Team des IRtB.

Islamische Perspektive und Ausweitung auf nichtreligiöse Fächer

Am zweiten Tag reflektierte Fatima Cavis von der KPH Wien die Beiträge aus islamisch-religionspädagogischer Sicht. Sie unterstrich, dass es wichtig sei, das Konzept auf nichtreligiöse Fächer wie Ethik und Philosophie auszuweiten, um wechselseitiges Verständnis auch zwischen religiösen und areligiösen Menschen zu fördern. „Diese Tagung hat eindeutig gezeigt, dass interreligiöses Begegnungslernen weit mehr ist als ein didaktisches Format – es ist Ausdruck einer inneren Haltung aus Überzeugung, Aufrichtigkeit und Bereitschaft zur Selbstöffnung“, so ihr Fazit.

Alfred Garcia Sobreira-Majer, Professor an der KPH Wien, berichtete über mehrjährige Erfahrungen mit interreligiösem Austausch in der Religionslehrerinnen- und Religionslehrer-Ausbildung. Muslimische und christliche Studierende luden sich gegenseitig nach dem Modell der Gastfreundschaft ein. Dabei standen sowohl fachlicher Austausch als auch persönliches Miteinander im Mittelpunkt. Er betonte die Wichtigkeit des IRBL für die Ausbildung von Religionslehrkräften aller Konfessionen.

Pilotprojekt startet im Burgenland

Das Team des IRtB lud die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, eigene Projekte zu initiieren. Mit dem Pilotprojekt „Wir alle. Sharing Worldviews in der Schule“ kommt das Modell des IRBL im Schuljahr 2026/27 auch in vier burgenländische Pilotschulen. Wesentliches Element dabei ist eine Bank, die Begegnung ermöglicht.

Martina Schmidt stellte zudem die europäische Plattform eTwinning vor, die Austausch und gemeinsame Projekte von Lehrkräften in ganz Europa ermöglicht und nützliches Handwerkszeug für die Umsetzung von Begegnungslernen an Schulen bietet.

Die Religionspädagoginnen und Religionspädagogen nehmen viele Impulse, konkrete Ideen und neue Begegnungsmöglichkeiten mit ins neue Schuljahr. Interreligiöses Begegnungslernen eröffne Räume für Austausch, Verständnis und gemeinsames Lernen und damit wichtige Perspektiven für die Schule der Zukunft.

Quelle: https://www.ph-burgenland.at/home/news-detail?tx_news_pi1[action]=detail&tx_news_pi1[controller]=News&tx_news_pi1[news]=603&cHash=cabb3a5f72a29d714488953162de4020

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