IV und TU Austria fordern bessere Rahmenbedingungen

Die Industriellenvereinigung und die TU Austria präsentieren gemeinsame Vorschläge für ein wettbewerbsfähiges Hochschulsystem. Im Fokus stehen mehr MINT-Talente, Exzellenz an Universitäten und schnellerer Transfer von Forschung in die Wirtschaft.
Die Industriellenvereinigung (IV) und die TU Austria haben gemeinsame Lösungsansätze für ein leistungsfähiges Hochschulsystem vorgelegt. Drei zentrale Ziele werden dabei verfolgt: MINT-Talente gewinnen und halten, Exzellenz und Profilbildung der Universitäten stärken sowie Forschung durch Kooperation schneller in industrielle Wertschöpfung übersetzen.
IV-Präsident Georg Knill betont die Bedeutung enger Zusammenarbeit: „Im globalen Wettlauf um Schlüsseltechnologien müssen wir unsere Potenziale voll ausschöpfen. Unsere Unternehmen suchen weltweit nach exzellenten Forschungspartnern und finden sie bereits an Österreichs Hochschulen.“ Diese Stärke müsse durch engere Kooperation zwischen Universitäten und Industrie ausgebaut werden.
TU Austria-Präsident Horst Bischof ergänzt: „Damit Forschung schneller zu Innovation und Wertschöpfung wird, brauchen wir starke Partner in der Wirtschaft sowie politisches Commitment und finanzielle Planungssicherheit.“
Fachkräftemangel verschärft sich
Der demografische Wandel verschärft den Fachkräftemangel. In der Industrie fehlen derzeit rund 40.000 Technikerinnen und Techniker. Drei Viertel der Industriebetriebe klagen über Engpässe bei Hochqualifizierten, vor allem in Technik, Produktion und IT. Bis 2030 werden in Schlüsseltechnologien zehntausende zusätzliche MINT-Jobs entstehen.
Zugleich sind nur 64 Prozent aller Studien prüfungsaktiv, und bei technischen Studien liegt die Abbruchsquote bei etwa 52 Prozent.
Gefordert werden eine durchgängige MINT-Offensive vom Kindergarten bis in die Forschungslabore, frühzeitige und individuelle Studienberatung, verbindliche MINT-Praxistage und eine höhere Mindeststudienleistung. Die technischen Universitäten sollen ihre Curricula in strategischem Austausch mit Arbeitgebern enger an Zukunftskompetenzen koppeln und mehr Industriepraktika ermöglichen.
Internationale Talente als Schlüsselfaktor
Rund ein Viertel der Studierenden in Österreich stammt aus dem Ausland, in technischen Master- und Doktoratsprogrammen liegt der Anteil oft deutlich darüber. Für Georg Knill liegt darin die schnellste Lösung gegen den Fachkräftemangel: „Die schnellste Antwort auf den Fachkräftemangel sind internationale Talente, die bereits bei uns studieren. Wer hier ausgebildet wird, soll hier auch arbeiten und Wertschöpfung schaffen können.“ Nötig seien dafür eine rasche Anerkennung internationaler Ausbildungen, klare Zugänge zum Arbeitsmarkt und echte Bleibeanreize.
TU Austria schafft Milliarden-Wertschöpfung
Eine aktuelle Studie des Economica Instituts mit Zahlen des Jahres 2025 zeigt die volkswirtschaftliche Bedeutung der TU Austria-Universitäten: Der jährliche totale Wertschöpfungseffekt beträgt 1,86 Milliarden Euro. Bezieht man Investitionen und Beteiligungen mit ein, erhöht sich die Wertschöpfung auf 2 Milliarden Euro.
Wenn die TU Austria einen Euro an Wertschöpfung erzeugt, entstehen in der übrigen Wirtschaft noch einmal 36 Cent dazu. Rund 26.000 Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt mit den TU Austria-Universitäten zusammen. Dadurch werden über 1 Milliarde Euro an Löhnen und Gehältern bezahlt. Das Aufkommen an Steuern und Abgaben beträgt 619 Millionen Euro.
Die Unternehmensbeteiligungen der TU Austria bringen insgesamt 430 Millionen Euro Wertschöpfung. 2019 waren es 180 Millionen Euro. In diesen Beteiligungen arbeiten 5.235 Menschen, 2019 waren es 989.
Studienautor Christian Helmenstein vom Economica Institut betont: „In besonderer Weise hat sich zwischen 2019 und 2025 zudem der standortpolitisch relevante Wertschöpfungs- und Beschäftigungsbeitrag ihres Beteiligungsportfolios vervielfacht.“
Scale-up-Lücke schließen
Die Universitäten sind der Motor der akademischen Patentanmeldungen: 74 Prozent aller Anmeldungen zwischen 2000 und 2025 stammen von ihnen. Bei der Kommerzialisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse hinkt Österreich allerdings noch hinterher.
IV und TU Austria wollen die Scale-up-Lücke schließen und ihre Kooperationen mit Industrieleitbetrieben massiv forcieren. Zwischen Forschungserfolg, Ausgründung und internationalem Wachstum fehle es an kapital- und strukturstarken Brücken.
Horst Bischof verweist auf bestehende Initiativen: „Über die Transfergesellschaft Innovation Hub Graz werden akademische Spitzen-Spin-offs investor-ready gemacht, über die Beteiligung der TU Austria-Universitäten an der Fondsgesellschaft Noctua Science Ventures GmbH erhalten universitäre Start-ups Zugang zu privatem Kapital.“ Die bestehenden Kooperationen mit Leitbetrieben sollen ausgebaut werden.
Zentral sei der in der Industriestrategie 2035 angekündigte Dachfonds für Start-ups und Scale-ups, der rasch und nach internationalem Vorbild umgesetzt werden müsse. Für schnelleren Technologietransfer brauche es klare, investorenfreundliche Verwertungs- und IP-Regeln, einfachen Zugang zu universitärer Infrastruktur für Unternehmen sowie One-Stop-Shops für die Industrie.
Forderungen an die Politik
In Europa soll die Bundesregierung ein ehrgeiziges Horizon Europe unterstützen, das für sich allein steht. Es soll ein klar getrenntes Budget haben. Außerdem soll die Säule 2, in der Forschende zusammenarbeiten, stärker werden.
Bischof erklärt: „Die Hochschulstrategie 2040 und ein ambitioniertes, eigenständiges europäisches Forschungsrahmenprogramm müssen uns dabei den Rahmen geben, damit wir Exzellenz, Talente und Transfer auf die nächste Stufe heben können.“
Knill abschließend: „Österreich hat das Potenzial, in den Schlüsseltechnologien vorne mitzuspielen. Jetzt braucht es das politische Commitment, um Österreichs Innovationskraft langfristig abzusichern.“
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