Jede fünfte Person in Österreich armutsgefährdet

Mathias FischerMathias Fischer
Frau mit Einkaufsliste im Supermarkt mit gefülltem Einkaufswagen
© stokkete, stock.adobe.com

Rund 20 Prozent der Bevölkerung in Österreich sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet – Tendenz steigend. Anlässlich des Internationalen Tags für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober warnt die Arbeiterkammer vor den gesundheitlichen Folgen und fordert eine Stärkung des Sozialstaats.

Etwa jede fünfte Person in Österreich war im Jahr 2025 laut Statistik Austria armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Die Zahlen steigen seit 2018 kontinuierlich an. Im Burgenland liegt die Quote bei elf Prozent. Der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober rückt diese Problematik in den Fokus.

„Um diesem Trend entgegenzuwirken braucht es umfassende Maßnahmen, damit gefährdete Personen nicht weiter abrutschen: Der Sozialstaat muss gestärkt und darf nicht kaputtgespart werden“, fordert AK-Präsident Gerhard Michalitsch.

Armut bedeutet mehr als finanzielle Not

Betroffene leiden nicht nur unter Geldmangel. Oft fehlen die Mittel für gesundes Essen, soziale Teilhabe oder das Beheizen der Wohnung. 19 Prozent der armuts- oder ausgrenzungsgefährdeten Personen müssen in feuchten und von Schimmel befallenen Wohnungen leben, fast jede fünfte in einem überbelegten Wohnraum.

„Es ist leider häufig – trotz des Sozialstaats – schwierig, sich aus der Armutsspirale zu befreien. Daher muss der Sozialstaat gestärkt und nicht durch die Hintertür ausgehöhlt werden“, erklärt AK-Expertin Mag.a Brigitte Ohr-Kapral.

Kranke Menschen besonders gefährdet

Die mit Abstand vulnerabelste Gruppe sind kranke Menschen. Bei schwerer Erkrankung und Pflegebedürftigkeit droht trotz Unterstützungsangeboten komplette Armut. Das Krankengeld ersetzt niemals das Gehalt. Auch das Pflegegeld deckt in vielen Bereichen den Pflegebedarf finanziell nicht ab, so die Expertin.

Elf Prozent der armutsgefährdeten Menschen bezeichneten ihren eigenen Gesundheitszustand als „schlecht“ bis „sehr schlecht“. In der Gruppe der Personen mit hohem Einkommen sind es nur ein Prozent.

Geschlechterspezifische Unterschiede

Laut Statistik Austria galten 16 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer als armutsgefährdet. Besonders hart trifft es Alleinerziehende, Pensionistinnen und Pensionisten mit geringer Pension, arbeitslose Menschen, Schlechtverdienende und Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen – die sogenannten „Working Poor“, die trotz Erwerbstätigkeit nicht von ihrem Gehalt leben können.

Kritik an Kürzungen im Sozialstaat

Michalitsch kritisiert Einsparungen beim Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) und Kürzungen bei anderen Beiträgen scharf. Jede Senkung der Lohnnebenkosten, also der Sozialstaatsbeiträge, aus denen Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld und Schulbücher finanziert werden, sorge indirekt für mehr Armut.

„Alle ‚Lohnnebenkostensenkungen', die nicht zur Gänze gegenfinanziert werden, werden mit allgemeinen Steuermitteln aufgefüllt – mit dem Steuergeld der Beschäftigten“, so der AK-Präsident. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden erneut extra beschnitten, während nur die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber entlastet würden.

Quelle: https://bgld.arbeiterkammer.at/service/presse/Wenn-das-Geld-nicht-reicht.html

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