Jugendhaus Altmünster: Was junge Menschen brauchen

Mona HopfingerMona Hopfinger
Menschen und Symbole des Lebenswegs: Haus, Schlüssel, Wäschekorb, Kalender, Waage, Brücke, Sonne
© Mit KI (Gemini) generiert

Anlässlich des Internationalen Tags der Jugend am 12. August spricht Jo Hoffelner, pädagogischer Leiter des Jugendhauses im SOS-Kinderdorf Altmünster, über die Bedürfnisse junger Menschen. Derzeit leben zwölf Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren in der Einrichtung.

Der Internationale Tag der Jugend macht seit 1999 jährlich am 12. August auf die Anliegen junger Menschen aufmerksam. SOS-Kinderdorf nutzt diesen Anlass, um zu beleuchten, was Jugendliche beschäftigt und wie Erwachsene sie dabei unterstützen können, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.

Jo Hoffelner ist seit fast 15 Jahren im Jugendhaus im SOS-Kinderdorf Altmünster tätig und leitet die Einrichtung seit rund vier Jahren. In dieser Zeit hat er etwa 80 Jugendliche begleitet. Aktuell wohnen zwölf junge Menschen zwischen 13 und 18 Jahren im Jugendhaus.

Stabile Bindungen als Fundament

Viele Jugendliche, die von SOS-Kinderdorf betreut werden, haben belastende Erfahrungen gemacht. Manche konnten nicht auf stabile Beziehungen zählen, die für ein gutes Aufwachsen notwendig sind.

„Kinder und Jugendliche brauchen tragfähige Beziehungen. Bei uns leben viele Jugendliche, die in ihrer Herkunftsfamilie bisher keine stabile Bindung erleben konnten. Umso wichtiger ist es für uns Pädagog*innen, ihnen eine solche anzubieten“, erklärt Hoffelner.

Vertrauen entwickelt sich nicht über Nacht. Es erfordert Zeit, Verlässlichkeit und Erwachsene, die zuhören und auch in schwierigen Situationen ansprechbar bleiben.

Psychische Belastungen nehmen zu

In seiner täglichen Arbeit beobachtet Hoffelner, dass Depressionen bei Jugendlichen eine immer größere Rolle spielen. Die Ursachen sind vielfältig: Belastungen in der Familie, Druck in der Schule oder fehlende Unterstützungsangebote.

Besonders problematisch wird es, wenn Jugendliche vom Unterricht suspendiert werden und dadurch zunehmend den Anschluss verlieren. Schulverweigerung ist auch im Jugendhaus ein bekanntes Problem. Die Pädagoginnen und Pädagogen begegnen ihr, indem sie gemeinsam mit den Jugendlichen eine Tagesstruktur aufrechterhalten – etwa beim gemeinsamen Kochen oder bei Spaziergängen, die Raum für Gespräche bieten.

Grenzen setzen durch Dialog

Ein respektvolles Zusammenleben erfordert klare Grenzen. Entscheidend ist für Hoffelner, wie diese vermittelt werden. „Dein Freiraum endet da, wo der Freiraum deiner Mitbewohner*in beginnt“, beschreibt er einen wichtigen Grundsatz.

Statt ausschließlich auf Verbote zu setzen, suchen die Pädagoginnen und Pädagogen das Gespräch. „Ein wertschätzendes Gespräch ist auf lange Sicht meist erfolgreicher als ein reines Verbot“, sagt Hoffelner. „Wenn es Verbote gibt, dann werden diese den Jugendlichen auch nachvollziehbar erklärt beziehungsweise wird gemeinsam an einer Strategie gearbeitet. Wir arbeiten stets deeskalierend.“

Jugendliche sollen lernen, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, jene anderer Menschen zu respektieren und Konflikte zunehmend selbstständig zu lösen.

Bewusster Umgang mit Social Media

Smartphone, YouTube, TikTok und andere soziale Medien sind auch im Jugendhaus alltäglich. Die Pädagoginnen und Pädagogen arbeiten gemeinsam mit den Jugendlichen daran, diese Medien bewusst zu nutzen. Apps, die nachweislich süchtig machen – wie TikTok –, sind jedoch verboten.
Wenn nächtliche Handynutzung den Schlaf und damit Schule oder Alltag beeinträchtigt, werden gemeinsam Regeln vereinbart. „Meist kommen die Jugendlichen selbst drauf, dass es ihnen mit weniger Konsum besser geht", sagt Hoffelner.

Auch Cybermobbing und der Druck, online Anerkennung zu bekommen, beschäftigen Jugendliche. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es für die Jugendlichen besonders wichtig ist, dass sie im realen Leben viel Aufmerksamkeit und auch Lob bekommen. Dann suchen sie es weniger stark im Internet“, sagt Hoffelner.

Das Jugendhaus unterstützt die Jugendlichen gezielt beim Aufbau und der Pflege sozialer Kontakte. Ein bewährter Fixpunkt ist das jährliche Sommertreffen mit ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern.

Vorbereitung auf ein selbstständiges Leben

Ein zentrales Ziel der pädagogischen Arbeit ist es, Jugendliche auf ein möglichst selbstständiges Leben vorzubereiten. Für junge Menschen, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen konnten, ist der Schritt ins Erwachsenenleben besonders schwer.
Während die meisten Österreicherinnen und Österreicher mit etwa 25 Jahren von zuhause ausziehen, müssen sogenannte Care Leaver – also Jugendliche, die in Fremdbetreuung aufgewachsen sind – spätestens mit 21 Jahren, meist schon mit 18, auf eigenen Beinen stehen.
Im Jugendhaus lernen sie deshalb viele praktische Dinge: kochen, Wäsche waschen, mit Geld umgehen, Behördenwege erledigen oder einen Job suchen.
Darüber hinaus gibt es Probewohnungen inner- und außerhalb des SOS-Kinderdorfs, wo junge Menschen selbstständiges Wohnen ausprobieren können. Pädagogische Fachkräfte stehen dabei je nach Bedarf zur Seite.

Perspektiven für die Zukunft entwickeln

Auch die Frage nach dem Berufswunsch beschäftigt viele Jugendliche. Hoffelner beobachtet, dass es manchen schwerfällt, konkrete Vorstellungen für ihre Zukunft zu entwickeln – persönliche Belastungen und schwierige Erfahrungen machen das noch schwerer.
Deshalb ist es wichtig, gemeinsam Perspektiven zu erarbeiten, Interessen und Stärken zu entdecken und Ziele zu finden, die den Jugendlichen selbst wichtig sind. Dabei geht es nicht nur um Ausbildung und Beruf, sondern auch darum, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen.
Gleichzeitig gibt es im Jugendhaus klare Regeln: Gewalt und Drogen sind verboten. Bei Konflikten setzen die Pädagoginnen und Pädagogen auf Vorbeugung, Deeskalation und gemeinsame Lösungen.

Kontakt bleibt oft bestehen

Die Arbeit im Jugendhaus ist anspruchsvoll und verantwortungsvoll – zugleich zeigt sich für Hoffelner immer wieder, welche Wirkung langfristige und verlässliche Begleitung entfalten kann.

„Wenn man sieht, dass man ein kleines Stück dazu beigetragen hat, dass ein junger Erwachsener in ein gutes Leben gefunden hat, eine stabile Beziehung führt oder einen erfüllenden Job gefunden hat, dann weiß man, wofür man die Arbeit hier macht“, sagt er.

Dass viele ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner den Kontakt aufrechterhalten, erfüllt Hoffelner mit besonderer Freude – manche suchen ein offenes Ohr, andere kommen einfach vorbei, weil ihnen die Beziehung etwas bedeutet.
Darin könnte eine der zentralen Aufgaben pädagogischer Begleitung liegen: Jugendliche auf ihrem eigenen Weg zu stärken und ihnen zu vermitteln, dass Selbstständigkeit nicht bedeutet, alles im Alleingang meistern zu müssen.

Quelle: https://www.sos-kinderdorf.at/aktuelles/tag-der-jugend-26

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