Junge Menschen fordern echte Mitsprache in Niederösterreich

Mathias FischerMathias Fischer
Digital vernetzte Menschen vor der Kulisse des Sonnenuntergangs und einer Karte Österreichs mit Statistiken.
© Mit KI (Gemini) generiert

Bei einem Zukunftsgespräch in Krems diskutierten Jugendvertreter, Wissenschafter und Bildungsexperten über politische Beteiligung, digitale Medien und Demokratievertrauen der jungen Generation. Die Veranstaltung war Teil der Initiative „Mein Land denkt an morgen“.

Wie entstehen politische Meinungen in Zeiten von sozialen Medien und künstlicher Intelligenz? Was brauchen junge Menschen, um Vertrauen in die Demokratie zu entwickeln? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das dritte Zukunftsgespräch der Initiative „Mein Land denkt an morgen“ am Donnerstagabend in Krems. Unter dem Titel „Wer wollen wir morgen sein? Junge Stimmen, digitale Räume und lebendige Demokratie“ tauschten sich Vertreter aus Jugend, Wissenschaft und Bildung mit den Teilnehmern aus.

Die Zukunftsgespräche bilden das Kernstück der Zukunftsinitiative des Landes Niederösterreich. Sie verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Perspektiven der Bürger und praktischen Erfahrungen, um eine Basis für die Arbeit an zentralen Zukunftsfragen zu schaffen.

Demokratie ja, Vertrauen in Politik eingeschränkt

Die Politikwissenschafterin Dr. Katrin Praprotnik präsentierte aktuelle Ergebnisse aus dem Demokratieradar und einer Befragung niederösterreichischer Schüler. Die Daten zeigen: 83 Prozent der bis 29-Jährigen stimmen der Aussage sehr oder eher zu, dass Demokratie trotz ihrer Probleme besser ist als jede andere Regierungsform. 69 Prozent beurteilen ihr Funktionieren in Österreich als sehr oder eher gut.

Allerdings ist das Vertrauen in die Politik deutlich verhaltener. „Die junge Generation steht der Demokratie grundsätzlich positiv gegenüber. Zustimmung zur Demokratie bedeutet aber nicht automatisch Vertrauen in Politik oder aktive Beteiligung“, erklärte Praprotnik. Entscheidend sei, jungen Menschen nachvollziehbare Information, konkrete Möglichkeiten zur Mitgestaltung und das Gefühl zu geben, dass ihre Beteiligung tatsächlich etwas bewirken kann.

Bundesschulsprecherin: „Wir wollen mitreden“

Hannah Scheidl, Bundesschulsprecherin, brachte die Perspektive junger Menschen direkt auf die Bühne. Im Mittelpunkt standen ihre Erwartungen an Schule, Ausbildung und Politik sowie die Frage nach echter Mitsprache. „Junge Menschen wollen nicht nur gefragt werden, wenn es ausdrücklich um Jugendthemen geht. Wir wollen bei jenen Entscheidungen mitreden, die unseren Alltag und unsere Zukunft betreffen“, sagte Scheidl. Entscheidend sei, dass Mitsprache ernst gemeint ist und junge Menschen merken, dass ihre Stimme gehört wird und tatsächlich etwas verändern kann.

Die Schülerbefragung zeigt auch konkrete Vorstellungen von der Zukunft: 76 Prozent geben an, später auf jeden Fall oder eher heiraten zu wollen. Eine klare Mehrheit kann sich auch eigene Kinder vorstellen.

KI-Kompetenz als demokratische Schlüsselqualifikation

Julia Eisner, AI Expert & Academic Collaboration Lead bei der AI Factory Austria, beleuchtete, wie politische Meinungen unter den Bedingungen von Social Media und künstlicher Intelligenz entstehen. „Digitale Räume sind längst ein zentraler Ort, an dem sich junge Menschen informieren, austauschen und Meinungen bilden“, sagte Eisner. Künstliche Intelligenz könne dabei enorme Chancen eröffnen, gleichzeitig müsse man verstehen, wie Algorithmen Informationen auswählen und beeinflussen. Medien- und KI-Kompetenz würden deshalb zu einer demokratischen Schlüsselkompetenz.

Beteiligung auf Augenhöhe gefordert

Michael Stadlmann, Co-Founder des Innovation Circle und ehemaliger europäischer Jugenddelegierter, brachte Erfahrungen aus Jugendbeteiligung und generationenübergreifenden Dialogformaten ein. „Junge Menschen engagieren sich dann, wenn Beteiligung niederschwellig ist und sie sehen, dass daraus tatsächlich etwas entsteht“, betonte Stadlmann. Es brauche Räume, in denen junge und erfahrene Stimmen auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch kommen.

Niederösterreich hat als einziges Bundesland die Funktion von Jugendgemeinderätinnen und Jugendgemeinderäten in allen 573 Gemeinden gesetzlich verankert. Mit 285 NÖ Jugend-Partnergemeinden werden darüber hinaus konkrete Beteiligungsmöglichkeiten vor Ort gestärkt. Gleichzeitig setzt das Land mit seiner KI-Strategie und dem Schwerpunkt „digiBILDUNG“ auf die digitalen Kompetenzen junger Menschen.

Friedrich Faulhammer, Leiter der Zukunftsinitiative „Mein Land denkt an morgen“, moderierte den Abend. „Wer über die Zukunft Niederösterreichs spricht, muss vor allem jenen zuhören, die diese Zukunft am längsten erleben werden“, sagte Faulhammer. Es gehe nicht darum, Zukunft für junge Menschen zu entwerfen, sondern sie gemeinsam mit ihnen zu gestalten.

Das dritte Zukunftsgespräch in Krems war Teil einer Reihe von insgesamt fünf Zukunftsgesprächen, die heuer in den Regionen Niederösterreichs stattfinden. Die Ergebnisse aus der Diskussion, den Publikumsrückmeldungen und den wissenschaftlichen Analysen fließen in die weitere Arbeit der Initiative ein. Ziel ist es, zentrale Zukunftsfragen gemeinsam zu diskutieren und daraus konkrete Ableitungen für Politik, Verwaltung und Gesellschaft zu entwickeln.

Quelle: OTS

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