Kärnten: 604 Jugendliche suchen Lehrstelle

In Kärnten sind im August 604 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, während 524 Lehrstellen offen sind. Die Arbeiterkammer warnt vor steigender Arbeitslosigkeit, wenn die Lehrlingsausbildung nicht gestärkt wird.
Die aktuellen Zahlen des Arbeitsmarktservice für August zeigen in Kärnten eine angespannte Lage bei den Lehrstellen: 15.652 Menschen sind arbeitslos gemeldet, 2.473 Personen befinden sich in Schulungen. Gleichzeitig suchen 604 Jugendliche einen Ausbildungsplatz, während 524 offene Lehrstellen zur Verfügung stehen.
AK-Präsident Günther Goach betont den Zusammenhang zwischen Ausbildung und künftiger Beschäftigung: „Wenn wir über Arbeitslosigkeit sprechen, müssen wir gleichzeitig über Ausbildung sprechen. Ohne gut ausgebildete Lehrlinge werden die Arbeitslosenzahlen künftig steigen, der Fachkräftemangel wird größer“, so Goach.
Mehr Lehrstellensuchende, weniger Angebote
Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Zahl der Lehrstellensuchenden um 10,2 Prozent gestiegen, während die offenen Lehrstellen um 3,1 Prozent zurückgegangen sind. Die Arbeiterkammer sieht die Lehrlingsausbildung als zentralen Faktor, um dem Fachkräftemangel langfristig zu begegnen und den Wirtschaftsstandort zu stärken.
Goach nennt mehrere Gründe, warum Jugendliche und Betriebe nicht zusammenfinden: „Ein Jugendlicher aus Wolfsberg kann nicht einfach eine Lehre in Spittal beginnen. Fehlende Öffi-Verbindungen, lange Wege und hohe Kosten machen viele Ausbildungsplätze faktisch unerreichbar.“ Hohe Mieten und psychische Belastungen wie Zukunftssorgen erschweren den Berufseinstieg zusätzlich.
Investition in Lehre stärkt Wirtschaftsstandort
AK-Wirtschaftsexperte Jürgen Kopeinig unterstreicht die wirtschaftspolitische Bedeutung der beruflichen Erstausbildung: „Jeder Euro, der in die Lehre investiert wird, stärkt langfristig den Wirtschaftsstandort Kärnten. Wer heute qualifiziert ausbildet, reduziert morgen den Fachkräftemangel, erhöht die Beschäftigungschancen junger Menschen und fördert die regionale Wertschöpfung in allen Teilen Kärntens.“
Eine höhere Verfügbarkeit von Fachkräften steigere die Produktivität der Unternehmen und ermögliche Innovationen. Zudem wirke eine attraktive Lehrlingsausbildung der Abwanderung junger Menschen entgegen und helfe, dem demographischen Wandel zu begegnen.
Forderung nach Ausbildungsfonds
Die AK Kärnten fordert bessere Öffi-Anbindungen, leistbare Starterwohnungen, moderne Lehrpläne und eine zeitgemäße Ausbildungsqualität. Kopeinig betont: „Insbesondere und darüber hinaus braucht es eine konsequente Digitalisierung der Ausbildung, damit Lehrlinge jene Kompetenzen erwerben, die in einer zunehmend technologiegetriebenen Wirtschaft gefragt sind – Stichwort Künstliche Intelligenz.“
Goach fordert zudem einen Ausbildungsfonds: „Um die Lücke zwischen offenen Lehrstellen und Lehrstellensuchenden zu schließen, braucht es klare Verantwortung. Ein Ausbildungsfonds wäre ein gerechter Schritt: Wer keine Lehrlinge ausbildet, soll jene Betriebe finanziell unterstützen, die diese Aufgabe übernehmen und damit die Fachkräfte von morgen sichern.“
Quelle: https://kaernten.arbeiterkammer.at/service/presse/Goach-zum-Kaerntner-Arbeitsmarkt.html
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