Kärnten: Forderung nach Wohnungssicherung gegen Armut

Pia Prodinger
Junge Frau im Gespräch mit Mann in Brille, im Büro, Lachen
© Andreas Jakwert

Steigende Mieten und Energiekosten bringen immer mehr Menschen in Kärnten in Bedrängnis. Ein Armutsexperte fordert nun den Aufbau einer flächendeckenden Wohnungssicherungsstelle im Bundesland – bevor Betroffene ihre vier Wände verlieren.

Christian Eile, Armutsexperte und Bereichsleiter für Menschen in Not, verlangt angesichts steigender Wohnkosten eine umfassende Wohnungssicherungs- und Delogierungspräventionsstelle in Kärnten. Besonders Alleinerziehende, Familien, ältere Menschen und Personen mit niedrigen Einkommen geraten durch hohe Mieten, Energiekosten und knappe Einkommen unter Druck.

„Eine Wohnung ist mehr als vier Wände. Sie bedeutet Sicherheit, Stabilität und ist die Grundlage für den Arbeitsalltag, das Familienleben und die eigene Existenz. Wer die Miete nicht mehr bezahlen kann, verliert genau diese Sicherheit“, erklärt Eile.

Acht Prozent der Haushalte stark belastet

Aktuelle Daten der Statistik Austria zeigen das Ausmaß der Belastung: Acht Prozent der Haushalte müssen mehr als 40 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Wohnkosten aufwenden.

„Für Familien, Kinder, ältere Menschen oder Personen mit geringem Einkommen kann der Verlust der Wohnung die gesamte Lebenssituation destabilisieren. Wir sehen das täglich in unserer Sozialberatung“, sagt Eile.

Hilfe muss früher ansetzen

Der Fokus müsse auf Prävention liegen, betont der Experte. Unterstützung dürfe nicht erst dann einsetzen, wenn Menschen bereits wohnungslos seien. Kärnten zähle weiterhin zu jenen Bundesländern, in denen es kein ausreichend flächendeckendes Angebot an Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit gebe.

„Das Land Kärnten muss hier seinen Auftrag erfüllen. Es braucht eine ausreichend finanzierte Wohnungssicherungs- beziehungsweise Delogierungspräventionsstelle, die Menschen unterstützt, bevor es zu spät ist“, so Eile. „Wer Menschen erst hilft, wenn sie ihre Wohnung verloren haben, handelt zu spät.“

Prävention günstiger als Folgekosten

Wohnungslosigkeit verursache nicht nur menschliches Leid, sondern ziehe auch hohe Folgekosten nach sich. Wer bei Menschen spare, die bereits am Existenzminimum leben, bewirke langfristig höhere gesellschaftliche Folgekosten – beim Wohnen, bei Gesundheit und sozialem Zusammenhalt.

„Es ist wesentlich günstiger und wirksamer, Wohnungslosigkeit zu verhindern, als ihre Folgen später zu bewältigen“, betont Eile. „Wer heute in Wohnungssicherung investiert, verhindert morgen höhere Kosten in der Sozialhilfe, im Gesundheitssystem und in der Krisenhilfe.“

Fünf-Punkte-Forderung an die Politik

Die Forderungen umfassen konkret:

  • Aufbau und Finanzierung einer flächendeckenden Wohnungssicherungsstelle
  • Professionelle Delogierungsprävention in allen Regionen Kärntens
  • Rechtzeitige Unterstützung bei Mietrückständen und drohendem Wohnungsverlust
  • Bessere Vernetzung von Sozialberatung, Wohnbeihilfe, Gemeinden, Vermieterinnen und Vermietern sowie bestehenden Hilfsangeboten
  • Ein klares politisches Bekenntnis, Wohnungslosigkeit zu verhindern, bevor sie entsteht

„Wer bei Prävention spart, zahlt am Ende doppelt“, so Eile abschließend. „Kärnten braucht jetzt eine Struktur, die Wohnungsverlust verhindert – nicht irgendwann, sondern bevor Menschen alles verlieren.“

Quelle: https://www.caritas-kaernten.at/ueberuns/news/detail/news/100344-wohnen-ist-zum-armutsrisiko-geworden

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