Kärnten startet Online-Deutschkurse für Zuwanderer

Das Land Kärnten und der Österreichische Integrationsfonds präsentieren eine neue digitale Lernplattform. Neu ankommende Personen sollen damit von Beginn an Deutsch lernen können – mit Selbstlern-Videos und wöchentlichen Online-Kursen.
In Klagenfurt wurde am Freitag ein neues Programm vorgestellt, das Neuankömmlingen in Österreich den Zugang zur deutschen Sprache erleichtern soll. Die Initiative von Land Kärnten und ÖIF setzt auf digitale Angebote: Eine Online-Plattform bietet Selbstlern-Videos mit den wichtigsten 100 Wörtern und Sätzen für den Alltag. Ergänzend finden wöchentlich Live-Onlinekurse mit Trainerinnen und Trainern statt.
Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) betonte bei der Pressekonferenz, dass die Kärntner Hausordnung für Asylwerber auch eine Verpflichtung für das Land bedeute. „Sie hat auch eine zweite Seite. Nämlich die, dass wir das Angebot zur Integration auch anbieten müssen“, erklärte Fellner. Mit dem neuen Lernprogramm werde dieser Verpflichtung nachgekommen. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, so der Landeshauptmann. Ziel sei es, vom ersten Tag an eine Perspektive zu bieten.
Unterschiedliche Voraussetzungen bei Zuwanderern
Der Online-Kurs soll bewusst niederschwellig gestaltet sein, da die nach Österreich kommenden Menschen sehr unterschiedliche Bildungshintergründe mitbringen. Roland Goiser, stellvertretender Direktor des ÖIF, berichtete von den Unterschieden: Ukrainerinnen und Ukrainer würden oft gute schulische und berufliche Qualifikationen mitbringen. Im Asylbereich, vor allem bei Personen aus Syrien und Afghanistan, sei das Niveau niedriger. Jede vierte Person mit neuem Bescheid habe einen Alphabetisierungsbedarf – grundlegende Schreib- und Lesekompetenzen müssten erst aufgebaut oder gefestigt werden.
Unabhängig vom Bildungsniveau gelte jedoch: Erfolgreiches Deutschlernen hänge davon ab, dass die Sprache regelmäßig im Alltag angewandt und gefestigt werde. Dies solle möglichst früh geschehen, weshalb das Angebot des ÖIF sehr vielschichtig sei. Mit den Online-Angeboten können Interessierte rund um die Uhr Deutsch lernen oder üben. Das gemeinsam mit dem Land Kärnten entwickelte Programm vermittelt Wörter und Sätze für verschiedene Alltagssituationen: Begrüßungen, Wegbeschreibungen, Behördengänge oder Einkaufen.
Lernvideos als Vorbereitung auf Deutschkurse
Daniela Berger, Leiterin des Bereichs Sprache beim ÖIF, erläuterte das Konzept: Idealerweise sollten sich Lernende bereits grundlegend verständigen können, bevor der erste Deutschkurs beginnt. Die Lernvideos sollen dazu beitragen – mit ruhigem Lerntempo und vielen Wiederholungen. Im Video werden grundlegende Wörter vorgesprochen, die Lernenden werden zum Nachsprechen animiert.
Die Inhalte aus den Kursen können in wöchentlichen Online-Modulen gemeinsam mit Lehrkräften ausgebaut werden. Diese können bei Bedarf auch Fragen beantworten. Alle Personen in der Grundversorgung erhalten einen QR-Code, der sie direkt zu einem mehrsprachigen Erklärvideo und den ersten Lernmodulen führt. Diese können am Computer, Smartphone oder Tablet absolviert werden. Wer die Grundmodule abschließt, erhält ein Zertifikat.
Zusammenhang mit Kärntner Hausordnung
Auf Nachfrage bestätigte Fellner einen Zusammenhang mit der Kärntner Hausordnung, die ein verpflichtendes Deutschlernen vorsieht. „Es muss ein Integrationswille spürbar sein. In weiterer Folge verpflichten wir uns, diese Angebote zu liefern, die dabei helfen“, sagte der Landeshauptmann. Bei dem vorgestellten Kurs gehe es aber in erster Linie nicht darum, dass jeder den Test zu 100 Prozent schaffe, sondern um die Bereitschaft zur Integration. Es gebe ja unterschiedliche Bildungsniveaus. Wichtig sei, dass man Willen zeige.
Sehe man überhaupt keine Bereitschaft, dann gebe es auch Konsequenzen – wie etwa eine Halbierung des Taschengeldes.
Quelle: APA
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