Kärnten stellt vier Millionen Euro für Hitzeschutz bereit

Pia Prodinger
© Mit KI (Gemini) generiert

Das Land Kärnten reagiert auf steigende Temperaturen mit einem Förderpaket für Kindergärten und Schulen. Rund vier Millionen Euro sollen rasch umsetzbare Hitzeschutzmaßnahmen ermöglichen. Landeshauptmann Daniel Fellner fordert zudem eine Vorverlegung der Sommerferien.

Landeshauptmann Daniel Fellner, Landesrätin Marika Lagger-Pöllinger und Landesrat Peter Reichmann präsentierten am Mittwoch ein Hitzeschutzpaket für Kärntens Bildungseinrichtungen. Längere Hitzeperioden würden Kindergärten, Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen vor neue Herausforderungen stellen. Das Land stelle nun trotz Spardruck rund vier Millionen Euro bereit, um rasch wirksame Maßnahmen zu finanzieren.

Im Fokus stehen Beschattung, Bepflanzung und Entsiegelung – je nach den örtlichen Gegebenheiten. Das Förderbudget soll den Gemeinden helfen, bis zu 80 Prozent der Kosten für standortgerechte Lösungen zu übernehmen.

Fellner fordert Vorverlegung der Sommerferien

Fellner erneuerte seine Forderung nach einer früheren Ferienregelung mit Nachdruck. Der Sommer mit extremen Hitzetagen verschiebe sich zunehmend in den Juni. Ende August und Anfang September seien einzelne Hitzetage hingegen die Ausnahme. „Was hält uns davon ab, schon im nächsten Jahr die Sommerferien um zwei Wochen vorzuverlegen?“, stellte der Landeshauptmann die Frage.

Der gestaffelte Ferienbeginn sei für Kärnten eine Benachteiligung. Die Ferien starten heuer erst am 11. Juli und dauern bis 14. September. Kinder und Pädagoginnen sowie Pädagogen würden sich seit Wochen in schwülen Klassenräumen abmühen. Unter diesen Umständen zu lernen sei schlichtweg nicht möglich, so Fellner.

Europaweit beginnen die Sommerferien laut Fellner fast durchgehend im Juni. In Slowenien starten sie am 26. Juni, in Italien am 17. Juni, in der Schweiz am 18. Juni, in Portugal am 12. Juni, in Spanien und Ungarn jeweils am 20. Juni. Der späteste Start erfolge in den Niederlanden und Frankreich am 4. Juli – mit Ausnahme von Deutschland, wo die Sommerferien nur fünf Wochen dauern.

Fellner forderte den Bund auf, rasch zu handeln und sicherzustellen, dass Kärnten bereits im nächsten Jahr früher in die Sommerferien starten könne. Das Bundesland würde gerne als Modellregion fungieren. Die Vorverlegung der Ferien sei aber nur eine der notwendigen Maßnahmen, weitere müssten so rasch wie möglich folgen.

Förderung für Innen- und Außenbereich

Lagger-Pöllinger erläuterte die konkrete Ausgestaltung der Fördermaßnahmen. Hohe Temperaturen würden Kinder und Pädagoginnen sowie Pädagogen körperlich belasten, die Konzentration beeinträchtigen und Ruhephasen erschweren. Das Land übernehme bis zu 80 Prozent der Kosten, um den Gemeinden zu helfen, rasch wirksame und zum jeweiligen Standort passende Lösungen umzusetzen.

Im Mittelpunkt stehen elementare Bildungseinrichtungen und Volksschulen. Damit richtet sich die Förderung zunächst an jene Altersgruppe, die gegenüber Hitze besonders schutzbedürftig ist. Das Programm läuft vom 1. Juli 2026 bis 31. Dezember 2027. Gefördert werden Maßnahmen, deren Umsetzung nicht vor dem 1. Juli 2026 begonnen wurde.

Zu den förderfähigen Maßnahmen im Innenbereich zählen:

  • Deckenventilatoren
  • Rollos, Jalousien und Hitzeschutzfolien
  • Vollklimatisierte Erholungs- und Ruheräume
  • Sogenannte Cooling Rooms
  • Deckenkühlungen in Gängen und Fluren

Deckenventilatoren senken zwar nicht die Raumtemperatur, können aber in Verbindung mit gezieltem Lüften die Luftbewegung und damit das Wohlbefinden deutlich verbessern, hieß es.

Die umfassende thermische Sanierung bleibe langfristig die wirksamste Lösung. Das Land warte aber nicht auf das eine große Bauprojekt, sondern ermögliche jetzt Maßnahmen, die rasch Entlastung bringen. Entscheidend sei, dass nicht nach dem Prinzip „eine Lösung für alle“ gearbeitet werde, sondern jede Einrichtung jene Unterstützung bekomme, die vor Ort tatsächlich wirkt, so Lagger-Pöllinger.

Auch der Außenbereich werde mitgedacht. Gefördert werden unter anderem:

  • Schattenspendende Bäume und Sträucher
  • Sonnensegel und Pergolen
  • Beschattete Freiluftklassenräume
  • Trinkbrunnen
  • Dachbegrünungen
  • Entsiegelung und anschließende Bepflanzung von Flächen

Diese Maßnahmen brauchen teilweise mehr Vorlaufzeit, sollen Bildungsstandorte aber langfristig widerstandsfähiger gegen Hitze machen.

Sanierungen zeigen bereits Wirkung

Über den Kärntner Bildungsbaufonds wurden seit 2002 Volksschulen und seit 2004 Mittelschulen schrittweise saniert. Die Erfahrungen zeigen, dass thermisch sanierte Gebäude während Hitzeperioden deutlich weniger Probleme bereiten.

In den vergangenen Jahren sei bereits viel investiert worden, und diese Investitionen zeigen Wirkung. Jetzt setze man gezielt dort an, wo die Belastung noch besonders groß ist. So verbinde man schnelle Hilfe mit einer langfristigen Sanierungsstrategie, erklärte Lagger-Pöllinger.

Reichmann fordert bundesweiten Hitzeschutzrahmen

Bildungsreferent Reichmann betonte, dass der Anstoß zur Vorverlegung der Sommerferien und die neu geschaffene Förderung zeigen, dass das Land gute Rahmenbedingungen im Bildungsbereich schaffen wolle. „Es ist richtig cool, hier gemeinsam Verantwortung zu übernehmen“, so Reichmann.

Bildungspolitik bedeute heute mehr denn je, auf neue Realitäten rasch und entschlossen zu reagieren. Wer gute Schulen wolle, müsse auch bereit sein, die Rahmenbedingungen kontinuierlich an die Herausforderungen der Zeit anzupassen. Anstatt über Verantwortlichkeiten zu diskutieren, gehe es darum, ins Handeln zu kommen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Wenn speziell Elternvereine in den vergangenen Tagen gefordert haben, dass neben einem Überdenken der Unterrichtszeiten auch bauliche Maßnahmen notwendig sind, dann zeige das Land Kärnten, was bewegt werden kann. Es gelte auch in Zukunft in Gemeinschaft mit dem Bund über weitere Maßnahmen zu sprechen.

Reichmann forderte die Schaffung eines bundesweiten Hitzeschutzrahmens für Schulen. Dieser solle klare Vorgaben aufweisen, ab welchen Temperaturen Schulen Unterrichtszeiten flexibel anpassen, Stunden verkürzen oder alternative Lernformen einsetzen können. Damit hätten Schulleitungen Rechtssicherheit.

Gleichzeitig sollten Schulen mehr Autonomie bei der Tagesgestaltung bekommen. Schulen könnten bei angekündigten Hitzewellen die Möglichkeit erhalten, den Unterricht früher zu beginnen oder projektorientierte beziehungsweise digitale Lernphasen einbauen zu können, ohne komplizierte Genehmigungsverfahren.

Über kurz oder lang werde es Anpassungen der Schulbau-Richtlinien geben müssen. Neue Schulen sollten bundesweit nach klimafitten Standards geplant werden. Passive Kühlung, Beschattung, Grünflächen und energieeffiziente Gebäudetechnik müssen zum Standard werden, damit klimafitte und nachhaltige Bildung gesichert wird, so Reichmann.

Ablauf der Förderung

Bei der Umsetzung arbeiten die Abteilungen 3 und 8 eng zusammen. Für fachliche Beratung können sich Gemeinden an die Klimakoordination der Abteilung 8 wenden. Zusätzlich ist eine Zusammenarbeit mit den KLAR-Manager:innen vorgesehen.

Gemeinden, die Teil einer KLAR-Region sind, können darüber hinaus auf zusätzliche Fördermöglichkeiten zurückgreifen. So wird vorhandenes Fachwissen direkt vor Ort genutzt und die Projekte können möglichst rasch umgesetzt werden.

Das Förderansuchen ist digital bei der Abteilung 3 des Landes einzureichen. Erforderlich sind eine kurze Beschreibung der geplanten Maßnahme sowie eine Kostenschätzung. Die Auszahlung kann einmalig oder in mehreren Tranchen erfolgen und wird nach Vorlage der Kostennachweise abgewickelt.

Quelle: OTS

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