Kärntner Industrie: Beschäftigungsaussichten verschlechtern sich

Die Industriebetriebe in Kärnten halten sich zwar stabil, doch die Beschäftigungsaussichten verschlechtern sich massiv. Mehr als ein Viertel der Unternehmen rechnet mit Personalabbau.
In einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zeigt sich die Kärntner Industrie weitgehend stabil. Doch rückläufige Auftragseingänge, vorsichtigere Prognosen und vor allem deutlich schlechtere Beschäftigungserwartungen lassen eine konjunkturelle Erholung weiter auf sich warten.
An der Konjunkturumfrage der IV Kärnten für das dritte Quartal 2026 nahmen 55 Unternehmen mit insgesamt rund 19.000 Beschäftigten teil. 42 Prozent bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 40 Prozent durchschnittlich und 18 Prozent als schlecht. Für die nächsten sechs Monate erwarten nur noch 34 Prozent eine gute Geschäftslage, 47 Prozent eine durchschnittliche und 19 Prozent eine schlechte.
„Die Kärntner Industrie zeigt zwar weiterhin Widerstandskraft, der Blick nach vorne fällt jedoch zunehmend vorsichtig aus. Von einer nachhaltigen Erholung kann keine Rede sein“, sagt Timo Springer, Präsident der Industriellenvereinigung Kärnten.
Auftragslage schwächt sich ab
Auch bei den Aufträgen wird es schwächer. 43 Prozent der Industriebetriebe sagen, ihr Auftragsbestand sei derzeit gut. Im zweiten Quartal waren es noch 48 Prozent. Bei den Aufträgen aus dem Ausland ging der positive Anteil von 53 auf 46 Prozent zurück. Trotzdem erwarten 34 Prozent der Unternehmen für die nächsten drei Monate eine steigende Produktion. 58 Prozent gehen davon aus, dass sie gleich bleibt.
„Die Produktionserwartungen sind noch stabil. Bei den Aufträgen und im Export fehlt jedoch die notwendige Dynamik. Das zeigt, wie fragil die konjunkturelle Lage der Kärntner Industrie weiterhin ist“, erklärt Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der IV Kärnten.
Beschäftigung als deutlichstes Warnsignal
Bei der Beschäftigung sieht es besonders schlecht aus. Nur drei Prozent der Unternehmen wollen in den nächsten drei Monaten mehr Personal einstellen. 71 Prozent erwarten, dass die Zahl der Beschäftigten gleich bleibt. 26 Prozent rechnen damit, dass sie sinkt. Im zweiten Quartal war das anders: Damals erwarteten neun Prozent mehr Beschäftigte und 14 Prozent weniger.
„Die Beschäftigungsaussichten sind das deutlichste Warnsignal dieser Umfrage. Wenn bereits mehr als ein Viertel der Betriebe mit einem Rückgang rechnet, braucht es rasch bessere Rahmenbedingungen, um Arbeitsplätze und Wertschöpfung am Standort zu sichern“, betont Mischensky.
Ertragslage bleibt angespannt
Auch bei den Erträgen wird es nicht klar besser. Derzeit sagen 36 Prozent der Unternehmen, ihre Ertragslage sei gut. 45 Prozent nennen sie durchschnittlich, 19 Prozent schlecht. Für die nächsten sechs Monate erwarten 32 Prozent eine gute, 54 Prozent eine durchschnittliche und 14 Prozent eine schlechte Ertragslage. Außerdem rechnen 41 Prozent der Betriebe damit, dass ihre Verkaufspreise in den nächsten drei Monaten steigen. Das zeigt: Die hohen Kosten können die Unternehmen weiterhin nicht ganz selbst tragen.
Kritik an steigenden Netztarifen
„Schwächere Aufträge, zurückhaltende Beschäftigungspläne und geringe Ertragsspielräume lassen keinen Platz für zusätzliche Belastungen. Die Unternehmen brauchen wieder bessere Voraussetzungen für Investitionen und Wachstum“, sagt Springer. Die Netztarife sollen 2027 steigen. Das wurde gerade angekündigt. Deshalb sei das ein sehr schlechtes Zeichen. Die IV Kärnten verlangt, dass die Netze in ganz Österreich gemeinsam geplant werden. Die Kosten sollen fair verteilt werden, und die Tarife sollen einheitlicher werden. Außerdem brauche es geringere Lohnnebenkosten und weniger Bürokratie. Verfahren sollen schneller gehen. Und Unternehmen müssten sich auf Anreize für Investitionen verlassen können. „Nur wenn die Standortfaktoren passen, können die Unternehmen wieder mehr investieren, Innovationen vorantreiben und damit qualifizierte Arbeitsplätze langfristig in Kärnten sichern“, erklärt Springer.
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