Kaiseradler-Reviere in Österreich um zehn Prozent gestiegen

In Österreich wurden heuer 68 Reviere des weltweit bedrohten Kaiseradlers gezählt – ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings fiel der Bruterfolg so gering aus wie seit 15 Jahren nicht mehr, wie Birdlife am Dienstag mitteilte.
Die Population des Kaiseradlers (Aquila heliaca) wächst in Österreich weiter. Im Jahr 2026 wurden insgesamt 68 Reviere registriert, was einem Anstieg von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. In 56 dieser Reviere kam es zu Brutversuchen. „Der Kaiseradler breitet sich weiterhin in Österreich aus und besiedelt zunehmend geeignete Lebensräume“, erklärte Birdlife-Greifvogelexperte Matthias Schmidt in einer Aussendung.
Wetterextreme drücken auf den Bruterfolg
Trotz der positiven Bestandsentwicklung fiel der Bruterfolg so gering aus wie seit 15 Jahren nicht mehr. Nach Angaben von Birdlife waren dafür nicht die hohen Temperaturen verantwortlich, sondern regionale und kurzfristige Schlechtwetterphasen. Vor allem die extremen Wetterereignisse Mitte Mai dürften bei mehreren Brutpaaren zum Verlust frisch geschlüpfter Jungvögel geführt haben. Bereits wenige Tage mit starkem Regen und niedrigen Temperaturen können in dieser empfindlichen Entwicklungsphase tödliche Folgen haben.
Besonders betroffen waren Brutpaare im westlichen Weinviertel sowie im Raum Tullnerfeld. Deutlich besser verlief die Brutsaison hingegen im Nordburgenland und im südlichen Wiener Becken. Dort wurden auch die meisten Bruten mit drei erfolgreich flügge gewordenen Jungvögeln verzeichnet.
Internationale Zusammenarbeit zeigt Wirkung
Die Wiederansiedlung des Kaiseradlers wird laut Birdlife durch intensive Schutzmaßnahmen und eine enge Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen in den Nachbarländern unterstützt. Als Beispiel dafür wird die Kaiseradlerdame „Theodora“ genannt. Sie wurde 2022 im österreichisch-ungarischen Grenzgebiet im Rahmen eines gemeinsamen Projekts von Birdlife Österreich und Birdlife Ungarn (MME) beringt und mit einem Sender ausgestattet.
Vier Jahre später zog „Theodora“ erstmals gemeinsam mit ihrem Partner im Wiener Becken erfolgreich zwei Jungvögel auf. Auch das Männchen war 2022 im Zuge eines Artenschutzprojekts in der Slowakei mit einem Sender versehen worden. Die GPS-Daten dokumentieren Wanderungen des Paares über Polen bis an die Ostsee, in die Slowakei und schließlich nach Niederösterreich.
„Ein Sinnbild dieser partnerschaftlichen und engen Zusammenarbeit ist der Bruterfolg der Kaiseradlerdame ,Theodora'“, sagte Schmidt. Ihre Geschichte verdeutliche die Bedeutung grenzüberschreitender Schutzmaßnahmen für den langfristigen Erhalt der Art. Die Beringung des Vogels wurde 2022 zudem für eine ARTE-Dokumentation über den Kaiseradler und dessen illegale Verfolgung begleitet.
Rückkehr einer einst verschwundenen Art
Der Kaiseradler galt in Österreich lange Zeit als ausgestorben und kehrte erst vor wenigen Jahrzehnten zurück. Mittlerweile stellt Österreich das westlichste Verbreitungsgebiet der Art dar. Die Vögel kommen vom Nordburgenland über das Weinviertel bis ins östliche Waldviertel vor und bevorzugen weitläufige, störungsarme Landschaften mit ausreichend Beute.
Für die Bestandserhebung arbeitet Birdlife Österreich mit zahlreichen Greifvogelbeobachterinnen und Greifvogelbeobachtern zusammen. Die Horste werden meist auf größeren Bäumen mit freier Anflugmöglichkeit errichtet, sowohl in Wäldern als auch auf Einzelbäumen oder Baumreihen in landwirtschaftlich geprägten Gebieten.
Quelle: APA
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