Kaiserfeldgasse in Graz wird bis 2027 umgebaut

Pia ProdingerPia Prodinger
Allee mit Bäumen und geparkten Motorrädern und Fahrrädern in Wien
© Stadt Graz/Fischer, Adobe Stock/Maxim Chuev

Die Kaiserfeldgasse in der Grazer Innenstadt erhält eine umfassende Sanierung. Auf 300 Metern Länge werden Leitungen erneuert, die Lindenallee erhält deutlich mehr Platz und die Oberfläche wird barrierefrei mit Naturstein gestaltet.

Die Kaiserfeldgasse zwischen Neutorgasse und Herrengasse wird umfassend saniert und neugestaltet. Die Arbeiten haben am 1. September 2026 begonnen und sollen bis September 2027 abgeschlossen sein. Das Projekt umfasst eine Fläche von rund 7.000 Quadratmetern. Neben der etwa 300 Meter langen Kaiserfeldgasse werden auch Abschnitte der Raubergasse mit rund 65 Metern sowie der Schmiedgasse mit etwa 60 Metern Länge umgestaltet.

Im Zuge der Bauarbeiten werden Leitungen für Wasser, Strom, Fernwärme und Telekommunikation erneuert. Anschließend wird die gesamte Oberfläche mit Naturstein aus Österreich ausgestattet und barrierefrei gestaltet. Asphaltflächen sollen in diesem Bereich der Grazer Innenstadt künftig der Vergangenheit angehören.

Deutlich mehr Platz für die Lindenallee

Ein Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Verbesserung der Bedingungen für die bestehende Lindenallee. Derzeit befinden sich im Projektgebiet 51 Bäume, von denen fünf ersetzt werden müssen. Zusätzlich werden acht neue Silberlinden gepflanzt. Die Grünflächen wachsen dabei von rund 210 auf etwa 1.150 Quadratmeter an und werden damit mehr als verfünffacht.

Problematisch sind aktuell vor allem die stark versiegelten und zu kleinen Baumscheiben. Dadurch kann Regenwasser nur eingeschränkt versickern, während den Wurzeln zugleich wenig Platz bleibt. Derzeit stehen einzelnen Bäumen lediglich drei bis fünf Quadratmeter offene Fläche zur Verfügung. Nach der Umgestaltung werden es etwa 20 Quadratmeter unversiegelter Boden pro Baum sein.

Die ersten Linden dürften um das Jahr 1900 gepflanzt worden sein. Zwei bis drei Bäume dieser ursprünglichen Generation sind vermutlich noch erhalten. Die größten Exemplare erreichen Höhen von bis zu 19 Metern und Kronendurchmesser von rund zehn Metern.

Schonende Arbeiten im Wurzelbereich

Besondere Aufmerksamkeit gilt während der Bauphase dem Schutz der bestehenden Bäume. So wird unter anderem ein Saugbagger eingesetzt, um Erdmaterial im Bereich der Wurzeln möglichst schonend zu entfernen. Verdichtete Böden werden durch wasserdurchlässiges Substrat ersetzt. Begleitet werden die Arbeiten von einer ökologischen Bauaufsicht, die festlegt, an welchen Stellen und mit welchen Methoden gearbeitet werden darf.

Die Baumstämme sind während der Bauarbeiten durch Holzverschalungen geschützt. Bereits im Vorfeld wurden Zugversuche durchgeführt, um die Stand- und Bruchsicherheit der Bäume zu überprüfen. Die Wurzeln reichen bis in eine Tiefe von etwa 1,5 Metern.

Zusätzlich werden in der Raubergasse sieben Stadtulmen und in der Schmiedgasse fünf Amerikanische Zürgelbäume gesetzt. Vier Bäume dieser Art wachsen dort bereits und gelten als besonders widerstandsfähig gegenüber Hitze und Trockenheit.

Silberlinden als Antwort auf den Klimawandel

Bei den Neupflanzungen setzt die Stadt auf Silberlinden, die besser mit hohen Temperaturen und längeren Trockenperioden zurechtkommen als Sommer- oder Winterlinden. Ihren Namen verdanken sie den silbrig schimmernden Blattunterseiten. Die feinen Härchen auf den Blättern können den Luftstrom bremsen und dadurch den Wasserverlust reduzieren.

Eine gesunde Linde mit einer rund zehn Meter breiten Krone kann täglich bis zu 10.000 Liter Sauerstoff produzieren. Zudem verdunstet sie an heißen Tagen bis zu 200 Liter Wasser und kann ihr Umfeld dadurch um bis zu drei Grad abkühlen. Je nach Standort speichern die Bäume zwischen zehn und 30 Kilogramm Kohlenstoff pro Jahr.

Einheitliches Niveau und mehr Barrierefreiheit

Künftig verläuft die Oberfläche durchgehend auf einer Ebene von Hausfassade zu Hausfassade. Dadurch werden auch die bisherigen Podeste für Gastgärten überflüssig. Zur Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen kommen zwei unterschiedliche Pflasterarten zum Einsatz: In Randbereichen und an Kreuzungen werden großformatige Steinplatten verlegt, während in der Mitte Kleinpflaster vorgesehen ist.

Unter den Bäumen werden Pflanzen gesetzt, die sowohl Trockenheit als auch Schatten vertragen. Vorgesehen sind unter anderem Farne, Gräser, Funkien sowie verschiedene Blumen- und Zwiebelpflanzen. Die bepflanzten Flächen werden etwa ein Jahr lang geschützt, die neu gesetzten Bäume in den ersten drei Jahren regelmäßig bewässert.

Weniger Stellplätze

Die bestehenden Einbahnregelungen und Fahrtrichtungen bleiben auch nach Abschluss der Arbeiten bestehen. Die Kurzparkplätze in der Kaiserfeldgasse wurden bereits mit der Einführung der Begegnungszone im Juli 2024 entfernt. Ladezonen und Behindertenparkplätze bleiben erhalten.

In der Raubergasse sinkt die Zahl der regulären Stellplätze von bisher 22 auf künftig neun. Dafür entstehen sieben neue Baumstandorte sowie zwei tim-Stellplätze. In der Schmiedgasse wird die Zahl der regulären Stellplätze von acht auf zwei reduziert, während die Anzahl der Behindertenparkplätze von einem auf zwei steigt. Ergänzt wird das Angebot durch neue Fahrradabstellanlagen und Stellflächen für einspurige Fahrzeuge.

Umsetzung in drei Etappen

Um die Auswirkungen auf Anrainer, Betriebe und Besucher möglichst gering zu halten, wird das Projekt in drei Bauabschnitte unterteilt. Der erste Abschnitt zwischen Neutorgasse und Raubergasse sowie der südliche Teil der Raubergasse bis zum Joanneumring sollen im Frühjahr 2027 fertiggestellt werden.

Während der gesamten Bauzeit bleiben Hauseingänge sowie Geschäfte und Gastronomiebetriebe erreichbar. Gastgärten müssen in den jeweils betroffenen Bereichen vorübergehend entfernt werden, können nach Abschluss der Arbeiten jedoch wieder aufgebaut werden. Für Fußgänger bleibt die Kaiserfeldgasse durchgehend zugänglich. Radfahrer müssen ihr Fahrrad abschnittsweise schieben oder auf Umleitungen ausweichen.

Herausfordernd sind insbesondere mögliche unerwartete Funde im Untergrund, vor allem bei Leitungsarbeiten. Zudem ist in den bisherigen Gehsteigbereichen besondere Vorsicht erforderlich, da dort Wurzeln der bestehenden Bäume verlaufen können. Erschwert wird das Vorhaben zusätzlich durch die beengten Platzverhältnisse in der Innenstadt.

Für jeden Bauabschnitt werden gemeinsam mit den betroffenen Betrieben individuelle Lösungen für Anlieferungen erarbeitet. Einsatzfahrzeuge können das Gebiet jederzeit erreichen, auch die Müllentsorgung bleibt gesichert. Die Versorgung mit Strom, Wasser und Internet soll grundsätzlich aufrechterhalten werden. Sollte es zu kurzfristigen Unterbrechungen kommen, werden Anrainer und Betriebe rechtzeitig informiert.

Quelle: https://www.graz.at/cms/beitrag/10471755/8145023/Fragen_und_Antworten_zur_Neugestaltung_der.html

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