Kalesnikava erhält Ehrenprofessur nach Lagerhaft

Die belarussische Oppositionelle Maria Kalesnikava hat ihre Ehrenprofessur der Universität Mozarteum persönlich entgegengenommen. Die Verleihung erfolgte bereits vor vier Jahren, doch die Flötistin saß fünf Jahre in Lagerhaft und wurde erst im Dezember freigelassen, so der ORF.
Die Universität Mozarteum hatte Maria Kalesnikava bereits vor vier Jahren zur Ehrenprofessorin ernannt. Nun konnte die belarussische Oppositionelle die Urkunde erstmals persönlich in Empfang nehmen. Von der Auszeichnung erfuhr sie durch einen Brief ihrer Schwester, wie sie erklärte: „Durch einen Brief meiner Schwester habe ich von der Ehrenprofessur erfahren. Es war die letzte Nachricht, die ich erhalten habe. Danach kamen keine Briefe mehr.“
Das Schreiben habe sie mit ihrer Familie, der Musik und den Menschen außerhalb der Gefängnismauern verbunden. Es habe sie daran erinnert, dass man an sie dachte und sie noch immer zu dieser Welt gehörte, so Kalesnikava.
Fünf Jahre Haft nach Massenprotesten
Die Flötistin war eine zentrale Figur der belarussischen Opposition gegen Diktator Alexander Lukaschenko. Nach dessen Scheinwahl im Jahr 2020 gründete die damals 40-Jährige eine neue Partei. Sicherheitskräfte schlugen die friedlichen Massenproteste gewaltsam nieder, Kalesnikava wurde in Isolationshaft gesteckt. Fünf Jahre lang saß sie insgesamt in Lagerhaft, ehe sie im Dezember auf freien Fuß kam.
Engagement für politische Gefangene
Die Universität setzt sich seit der Verhaftung für in Belarus verschleppte und verschwundene Frauen ein. Professor Kai Ohrem betonte, die Arbeit sei noch nicht getan. Mehr als tausend Gefangene befänden sich weiterhin in Haft. Bei den Verhandlungen zur Freilassung gebe es derzeit keine Fortschritte. Es sei wichtig, am Thema dranzubleiben, so Ohrem.
Erste Ehrenprofessorin des Mozarteums
Maria Kalesnikava ist die erste Ehrenprofessorin überhaupt an der Universität, wie Rektorin Constanze Wimmer ergänzte. Die Ehrenprofessur sei mit Kalesnikava verknüpft. Künstler sollten sich laut seiner Aussage ins gesellschaftliche Geschehen einmischen und Stellung beziehen.
Die Ehrenprofessorin wird künftig viel in Salzburg sein, dort unterrichten und ihre Dissertation schreiben. Gemeinsam mit der Universität Mozarteum will sie weiter für freie Wahlen und die Rechte von Frauen in Belarus kämpfen.
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