Kapsch übernimmt insolventen Autozulieferer Eitek

Der Zweig der Unternehmerfamilie Kapsch rund um Kari Kapsch kauft den insolventen Autozulieferer Eitek aus Ebergassing. Die Gläubiger stimmten der Übernahme zu, so der ORF.
Der insolvente Autozulieferer Eitek bekommt einen neuen Eigentümer. Bei einer Gläubigerversammlung am Montag wurde bekannt, dass Kari Kapsch und sein Familienzweig Vermögenswerte der Firma erwerben. Der Übernahmevertrag wurde am Montag unterschrieben und vom Gläubigerausschuss sowie dem Insolvenzgericht bewilligt.
Nach dem Abschluss am 31. Oktober soll der Betrieb in der neu geschaffenen Gesellschaft Kapsch Automotive and Interior Technologies (KAITEC) weitergeführt werden. Kari Kapsch wird gemeinsam mit dem derzeitigen Betriebsleiter Stefan Kunz die Geschäftsführung übernehmen.
Insolvenz seit Mitte Jänner
Das Unternehmen, einer der größten Arbeitgeber der Region, befindet sich seit Mitte Jänner in einem Insolvenzverfahren. Die Verbindlichkeiten belaufen sich laut dem Kreditschutzverband von 1870 (KSV 1870) auf 36 Millionen Euro. Der KSV 1870 warnte, dass sich die Schulden bei einer hypothetischen Schließung drastisch erhöhen würden. Der Umsatz war in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen.
Maßgeblich dazu beigetragen hat der frühere Eigentümer Neptune Industries rund um den indisch-amerikanischen Geschäftsmann Patrick James. Die US-Justiz beschuldigt James des milliardenschweren Betrugs. Im Jänner klagte der Staatsanwalt für den südlichen Bezirk von New York an. Der globale Automobilkonzern von James, First Brands, geriet im September 2025 in Insolvenz.
Diese Belastung wirkte sich auch auf Eitek aus. Das Werk in Ebergassing fertigt textile Innenverkleidungen für Fahrzeuge großer Autohersteller, vorwiegend aus Deutschland. Die Firma verfügt über langfristige Lieferverträge von mehr als 15 Jahren für Ersatzteile. Das Vertrauen in den Eigentümer sei jedoch zerrüttet gewesen. Im April scheiterte ein Sanierungsplan bei den Gläubigern. Aus dem Sanierungsverfahren wurde ein Konkursverfahren.
Zukunft der Mitarbeiter noch unklar
Kapsch begründete die Investitionsentscheidung in einer Aussendung mit der außergewöhnlichen industriellen Kompetenz des Unternehmens. „Dahinter stehen über viele Jahrzehnte gewachsenes Know-how, hohe technologische Kompetenz und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ein exzellentes, krisenerprobtes Management“, wurde er zitiert.
Geplant ist, das bestehende Geschäft auszubauen, neue Kunden zu akquirieren und die vorhandenen Kompetenzen schrittweise für weitere Marktsegmente einzusetzen. Bis Ende Oktober müssten noch zahlreiche Verträge ausverhandelt werden, sagte Kapsch. Ziel sei es, dem Standort eine langfristig tragfähige Zukunftsperspektive zu bieten.
Wie viele der zuletzt 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernommen werden, ist noch nicht geklärt. Laut einer Sprecherin sollen es so viele wie möglich sein.
Angesichts der großen Herausforderungen in der Automobilbranche, die auch zahlreiche Firmen in Niederösterreich belasten, zeigte sich Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) in einer Aussendung erfreut. Investitionsentscheidungen seien alles andere als selbstverständlich. Es sei umso erfreulicher, dass es für den traditionsreichen Standort eine konkrete Zukunftsperspektive gebe. Damit bestehe die Chance, Know-how und Wertschöpfung am Standort zu halten und auf eine neue Grundlage zu stellen.
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