KI an Schulen: Studie zeigt Dilemma bei Unter-14-Jährigen

Pia ProdingerPia Prodinger
KI-Studie burgenländische Schulen: Grafik mit roten Kreis und schwarzen Punkten
© ph-burgenland.at

Eine neue Studie der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland dokumentiert, welche Herausforderungen Schulleitungen beim Einsatz Künstlicher Intelligenz sehen. Im Zentrum steht ein rechtliches Problem: Gerade in jenem Alter, in dem Grundlagen gelegt werden sollten, ist KI-Nutzung stark eingeschränkt.

Die Private Pädagogische Hochschule Burgenland hat zum Schulstart 2026 mit „phpublico FOKUS“ ein neues Publikationsformat ins Leben gerufen. Die erste Ausgabe beschäftigt sich mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz an Schulen, einem Thema, das aktuell viele Bildungseinrichtungen vor neue Herausforderungen stellt.

Im Zentrum steht eine Untersuchung von Thomas Leitgeb und Michael Leitgeb. Die beiden Autoren gingen der Frage nach, welche Herausforderungen, Fragestellungen und Lösungsansätze Schulleiterinnen und Schulleiter sowie Schulqualitätsmanagerinnen und Schulqualitätsmanager im Burgenland im Zusammenhang mit KI sehen.

Führungskräfte aus Schulen befragt

Für die Studie wurden 40 Führungskräfte burgenländischer Allgemeinbildender Höherer Schulen (AHS) und Berufsbildender Mittlerer und Höherer Schulen (BMHS) sowie Vertreterinnen und Vertreter der Bildungsdirektion einbezogen. Im Rahmen eines World-Cafés diskutierten sie an sechs Thementischen die Bereiche Recht und Datenschutz, Altersangemessenheit, angeleiteter Einsatz, Transparenz, Kritikfähigkeit sowie Leistungsbeurteilung.

Über drei Gesprächsrunden hinweg sammelten die Forschenden 18 zentrale Fragestellungen, 22 Praxisbeispiele aus dem Schulalltag und 34 Vorschläge für mögliche Richtlinien. Ergänzt werden die Ergebnisse durch eine Literaturübersicht sowie eine Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen, darunter der EU AI Act, die Datenschutz-Grundverordnung und das österreichische Schulrecht.

Die Autoren weisen darauf hin, dass es sich bei den Ergebnissen um explorative Praxishypothesen einer ersten Erhebung auf Leitungsebene handelt. Gleichzeitig benennen sie offen die Grenzen der Untersuchung, etwa das Fehlen der Perspektiven von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern.

Datenschutz erschwert Einsatz in der Unterstufe

Als zentrales Ergebnis der Studie wird das sogenannte „Unterstufen-Dilemma“ hervorgehoben. Nach österreichischem Datenschutzrecht liegt das Alter für die eigenständige Nutzung digitaler Dienste bei 14 Jahren. Viele kommerzielle KI-Anwendungen setzen zudem ein Mindestalter von 13 oder 18 Jahren voraus.

Dadurch ist der Einsatz von KI gerade in jener Altersgruppe eingeschränkt, in der nach Einschätzung der befragten Führungskräfte grundlegende Kompetenzen im Umgang mit der Technologie vermittelt werden sollten. Die Autoren beschreiben dies als ein spezifisch österreichisches Problem.

Fokus auf Mündlichkeit und Arbeitsprozess

Die Untersuchung zeigt zudem mehrere wiederkehrende Entwicklungen. So verlagern Schulen Leistungsüberprüfungen zunehmend auf mündliche Formate und stärken etwa die Defensio im Rahmen der Vorwissenschaftlichen Arbeit. Mündliche Leistungen gelten als weniger leicht durch KI ersetzbar.

Zugleich rückt der Arbeitsprozess stärker in den Mittelpunkt der Beurteilung. Anstelle des fertigen Produkts soll vermehrt die Entstehung von Arbeiten bewertet werden, etwa mithilfe von Dokumentationsinstrumenten wie einem KI-Logbuch.

Darüber hinaus sprechen sich die befragten Führungskräfte mehrheitlich für klare zentrale Vorgaben aus, beispielsweise in Form einer bundesweiten Freigabeliste für KI-Tools. Die konkrete Umsetzung soll jedoch weiterhin in der Verantwortung der einzelnen Schulen liegen.

Die Studie bringt diese Erkenntnisse auch mit dem sogenannten „Matura-Dilemma“ in Zusammenhang. Während Schülerinnen und Schüler im Unterricht zunehmend mit KI-Unterstützung arbeiten, ist deren Einsatz bei der Reifeprüfung nicht vorgesehen. Die Autoren sehen darin ein systemisches Abstimmungsproblem, das über den Handlungsspielraum einzelner Schulen hinausgeht.

Empfehlungen für Bildungspolitik und Schulen

Die Publikation versteht sich als Ausgangspunkt für weitere Forschung und Diskussionen. Aufbauend auf den erhobenen Praxiserfahrungen formulieren die Autoren Handlungsempfehlungen für Schulleitungen, Lehrkräfte und die Bildungspolitik. Dabei geht es unter anderem um eine zentrale Freigabeliste für KI-Anwendungen, modulare Fortbildungsangebote für Lehrkräfte sowie die stärkere Verankerung von KI-Kompetenzen im Unterricht.

Die Bildungsdirektion Burgenland kündigte an, in den kommenden Wochen Empfehlungen für KI-Leitlinien an den burgenländischen Schulen vorzustellen.

Die Publikation erscheint frei zugänglich im Open Access. „phpublico FOKUS“ ist ein neues Format der Fachzeitschrift „phpublico“ der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland und beleuchtet künftig aktuelle bildungswissenschaftliche Themen aus Forschungs- und Praxisperspektive.

Quelle: https://www.ph-burgenland.at/home/news-detail?tx_news_pi1[action]=detail&tx_news_pi1[controller]=News&tx_news_pi1[news]=605&cHash=65a3dffa79ee993cc372d0dade934ebd

Worüber spricht Eisenstadt morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.