KI entschlüsselt mittelalterliche Handschriften in Klosterneuburg

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Künstliche Intelligenz wird im Stift Klosterneuburg eingesetzt, um die Ornamentik mittelalterlicher Handschriften zu erforschen. Gleichzeitig warnt die IG Autorinnen Autoren vor möglichen Urheberrechtsverletzungen durch einen Vertrag der Österreichischen Nationalbibliothek mit Google.

Das Stift Klosterneuburg nutzt Künstliche Intelligenz, um die Verzierungen mittelalterlicher Handschriften zu analysieren. Im Forschungsprojekt "PeuAFleu", das gemeinsam mit der University of Applied Sciences St. Pölten durchgeführt wird, untersuchen Wissenschaftler die Buchornamente auf ihre Urheber und mögliche Verbindungen zu anderen Kunstzentren. Bis Februar sollen erste Ergebnisse vorliegen, wie die Kathpress berichtet.

Im Mittelpunkt der Forschung stehen die sogenannten Fleuronnée-Ornamente, die mit der Feder ausgeführt wurden. Die entwickelten Analysemethoden könnten künftig auch auf andere mittelalterliche Handschriftensammlungen angewendet werden.

Kritik an ÖNB wegen Google-Kooperation

Die IG Autorinnen Autoren äußert sich deutlich kritischer zum Einsatz von KI im Buchbereich. Geschäftsführer Gerhard Ruiss warnte in einem Offenen Brief davor, dass die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) in einem Vertrag mit Google dem Silicon-Valley-Konzern KI-Verwertungsrechte eingeräumt haben könnte. Dass es sich dabei nur um Bücher handle, die nicht mehr urheberrechtlich geschützt seien, spiele keine große Rolle, so Ruiss. Betroffen seien grundsätzlich die Bestände bis zum Jahr 1956 und damit viele bedeutende freigewordene Werke, die per Ablieferungspflicht an die Nationalbibliothek abgeliefert werden mussten.

Die IG fordert die ÖNB und die Republik als deren Eigentümerin auf, den gesamten Vertrag mit Google öffentlich zugänglich zu machen. „Sollten Schadensbegrenzungen möglich sein, so erwarten wir uns umgehend diesbezügliche Maßnahmen“, heißt es in dem Schreiben. Auch der Antiquariatshandel müsse entsprechende Verkäufe an Tech-Giganten einstellen. Die IG zeige sich fassungslos darüber, mit welcher Bereitwilligkeit der Antiquariatshandel Bücher an KI-Verwertungsunternehmen liefere, deren Inhalte urheberrechtlich geschützt seien.

Nationalbibliothek verteidigt Digitalisierungsprojekt

Die Österreichische Nationalbibliothek wies am Mittwoch die Befürchtungen zurück. Man führe seit über 20 Jahren großangelegte Digitalisierungsinitiativen durch und habe mittlerweile rund 3,8 Millionen Objekte digitalisiert und kostenfrei zugänglich gemacht. Seit 2011 arbeite man dabei auch – in Form einer nicht exklusiven Zusammenarbeit – mit Google zusammen.

Die Auswahl der zu digitalisierenden, urheberrechtsfreien Werke treffe die ÖNB unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben sowie ihrer eigenen Qualitätsstandards. Google habe nicht die alleinigen Nutzungsrechte an den Daten, betont die Bibliothek. Die Digitalisate würden auch kostenfrei auf den ÖNB-Portalen veröffentlicht und dem Kulturpool sowie der europäischen Kulturplattform Europeana zur Verfügung gestellt.

Die Nationalbibliothek habe Google zu keinem Zeitpunkt explizit KI-Verwertungsrechte eingeräumt, eine Nutzung zu diesen Zwecken aber auch nicht ausgeschlossen. Die 2010 getroffene Vereinbarung mit Google verpflichte die ÖNB zur Vertraulichkeit.

Quelle: APA

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