KI führt selbstständig Cyberangriffe aus

Künstliche Intelligenz kann mittlerweile eigenständig Schwachstellen in IT-Systemen aufspüren und ausnutzen. Eine Expertin der FH Wiener Neustadt warnt vor sinkenden Einstiegshürden für Cyberkriminelle und fordert mehr Aufklärung.
Autonome KI-Systeme sind zunehmend in der Lage, IT-Schwachstellen zu identifizieren und Angriffe selbstständig durchzuführen. Aktuelle Vorfälle zeigen, dass dies derzeit hauptsächlich unter kontrollierten Bedingungen geschieht – doch die Entwicklung verdeutlicht das Potenzial automatisierter Cyberangriffe.
Einstiegshürden sinken dramatisch
Jennifer-Marieclaire Sturlese, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Sicherheit an der FH Wiener Neustadt, sieht eine der größten Veränderungen in der niedrigeren Eintrittsbarriere. „Früher musste man sich selbst einigermaßen gut auskennen oder jemanden kennen, der dieses Wissen hat. Heute kann KI als beratender Sparringpartner und zunehmend auch als ausführendes Werkzeug eingesetzt werden“, erklärt die Expertin. Besonders bei Jugendlichen sei daher frühzeitige Aufklärung wichtig.
Auch Phishing-Angriffe werden durch KI deutlich effizienter: Gefälschte E-Mails und Nachrichten lassen sich schneller und zielgerichteter erstellen. Täuschend echte Bilder, Stimmen oder Videos erhöhen die Glaubwürdigkeit von Betrugsversuchen. Nicht nur große Organisationen, sondern auch Privatpersonen können zur Zielscheibe werden.
„Kleindelikte haben sich zunehmend in die digitale Sphäre verlagert. Eine große Herausforderung ist es daher, Menschen jeden Alters und Bildungsstands für diese Gefahren zu sensibilisieren“, so Sturlese.
Menschliche Fehler bleiben größte Schwachstelle
Technische Schutzmaßnahmen allein reichen laut der Cybersecurity-Expertin nicht aus. Selbst gut abgesicherte Systeme können durch menschliche Fehler angreifbar werden. Unachtsamkeit, Zeitdruck oder alltägliche Routinen erleichtern es Cyberkriminellen oft, vorhandene Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen.
Unternehmen und Privatpersonen sollten grundlegende Sicherheitsmaßnahmen beachten: Bildschirme sperren, starke und einzigartige Passwörter verwenden, Multi-Faktor-Authentifizierung aktivieren, Software aktuell halten und mit E-Mails, Links und Informationen kritisch umgehen. Gerade bei immer überzeugenderen KI-generierten Inhalten gilt: nicht vorschnell dem ersten Eindruck vertrauen.
Zeitdruck für Ermittler steigt
Durch Künstliche Intelligenz steigt auch das Tempo von Cyberangriffen und damit der Zeitdruck für Ermittlerinnen und Ermittler. „Wenn ein Cyberangriff gemeldet wird, muss sofort gehandelt werden. Jede Minute kann entscheidend sein“, betont Sturlese. Umso wichtiger sind Fachkräfte, die KI-Angriffe direkt vor Ort rasch einschätzen und eindämmen sowie digitale Beweise nachvollziehbar sichern können.
Der Lehrgang Cyber Crime Investigation der FH Wiener Neustadt bereitet Fachkräfte auf diese neuen Anforderungen vor. Vermittelt wird unter anderem, wie aktuelle Cyberbedrohungen erkannt und eingeschätzt, Informationen über mögliche Angriffe ausgewertet und Künstliche Intelligenz zur Abwehr eingesetzt werden kann.
„Gerade bei KI muss nachvollziehbar sein, warum ein System zu einer bestimmten Einschätzung kommt. Der Mensch muss letztlich die Kontrolle behalten“, betont Sturlese abschließend.
KI ist damit nicht nur ein Werkzeug für Cyberkriminelle, sondern kann auch zur Abwehr von Angriffen eingesetzt werden. Umso wichtiger sind gut ausgebildete Fachkräfte, die beide Seiten verstehen und wissen, dass digitale Sicherheit nicht allein eine Frage der Technik, sondern auch des menschlichen Verhaltens ist.
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