KI soll Ärzte bei Eierstockkrebs-Behandlung unterstützen

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Danube Private University startet ein EU-Forschungsprojekt, das untersucht, wie Künstliche Intelligenz medizinische Daten bei Eierstockkrebs zusammenführen und Ärztinnen und Ärzte bei komplexen Entscheidungen unterstützen kann. Das Projekt läuft bis 2030.

Die Danube Private University (DPU) koordiniert ein neues europäisches Forschungsprojekt zu Eierstockkrebs. Gemeinsam mit Partnern aus sechs Ländern wird untersucht, wie Künstliche Intelligenz dabei helfen kann, komplexe medizinische Informationen zusammenzuführen und medizinische Teams bei schwierigen Entscheidungen zu unterstützen. Die Forschungsgruppe Medical Image Analysis & Artificial Intelligence (MIAAI) der DPU, die im Technologie- und Forschungszentrum in Wiener Neustadt angesiedelt ist, bringt ihre Expertise in medizinischer Bildanalyse, Radiomics und Künstlicher Intelligenz ein.

KI-Systeme sollen verschiedene Datenquellen auswerten

Bei der Behandlung von Eierstockkrebs müssen Medizinerinnen und Mediziner zahlreiche Informationen gleichzeitig berücksichtigen – von medizinischen Bildern über Gewebeproben bis hin zu genetischen Daten und Angaben zum Krankheitsverlauf. Das Projekt IMPACT-OC untersucht, wie KI diese unterschiedlichen Daten gemeinsam auswerten und nachvollziehbar aufbereiten kann.

Die Forschenden entwickeln mehrere spezialisierte KI-Systeme, sogenannte KI-Agenten. Diese sollen unterschiedliche Informationsquellen analysieren – etwa Bilddaten, Gewebeproben, genetische Informationen oder klinische Befunde. Ein übergeordnetes System soll die Ergebnisse anschließend zusammenführen und mit medizinischen Leitlinien abgleichen. Dabei soll auch sichtbar bleiben, wie eine Einschätzung zustande kommt und wie sicher das System dabei ist.

„Die Koordination des hochkompetitiven IMPACT-OC-Projekts ist ein großer Erfolg für die DPU und ein wichtiger Meilenstein für mich persönlich“, sagt Ioannis Lazarou, MSc, PhD, Koordinator für EU-Forschungsprojekte an der DPU. Das Projekt bestätige die strategische Ausrichtung, internationale Konsortien zu führen und generative KI in praxisnahe klinische Anwendungen zu überführen.

Drei zentrale Anwendungsbereiche im Fokus

Das Projekt konzentriert sich auf drei zentrale Fragestellungen. Bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs soll untersucht werden, wie KI bei der Entscheidung unterstützen kann, ob zunächst eine Operation oder eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein könnte.

Ein weiterer Bereich ist die Erkennung eines möglichen erblichen Krebsrisikos. Die Forschenden untersuchen, ob sich aus Routine-Ultraschalluntersuchungen Hinweise darauf ableiten lassen, dass eine Frau möglicherweise ein erhöhtes, vererbbares Risiko für Eierstockkrebs hat. Die KI soll damit eine genetische Beratung unterstützen, diese aber nicht ersetzen.

Außerdem soll KI dabei helfen, Veränderungen und Knoten im Eierstockbereich genauer einzuschätzen. Ziel ist unter anderem, unnötige weitere Untersuchungen oder Eingriffe möglichst zu vermeiden.

Digitaler Zwilling für Simulationen

Ein besonderer Bestandteil des Projekts ist der sogenannte „digitale Zwilling“. Dabei werden relevante Informationen über eine Patientin und ihren bisherigen Krankheitsverlauf in einem digitalen Modell zusammengeführt. So sollen verschiedene „Was-wäre-wenn“-Szenarien untersucht werden können: Wie könnte sich ein Krankheitsverlauf unter unterschiedlichen Voraussetzungen entwickeln?

Noch handelt es sich ausschließlich um Forschung. Die entwickelten Methoden werden zunächst anhand vorhandener beziehungsweise zeitlich verschobener, de-identifizierter Daten getestet. In den Pilotstudien läuft die KI im sogenannten „Schattenmodus“: Sie analysiert Fälle im Hintergrund, ihre Ergebnisse werden den behandelnden Ärztinnen und Ärzten nicht angezeigt und haben keinen Einfluss auf die Versorgung.

Patientinnenorganisationen eingebunden

Neben Kliniken und Forschungseinrichtungen sind auch Patientinnenorganisationen in das Projekt eingebunden. Sie sollen dazu beitragen, dass die Entwicklung der neuen Technologien an den Bedürfnissen und Anliegen von Patientinnen ausgerichtet bleibt.

„Es freut mich sehr, dass unsere langjährige internationale Zusammenarbeit nun in ein federführendes Projekt zum Ovarialkarzinom mündet“, sagt Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Ramona Woitek, PhD, Projektkoordinatorin und Leiterin der MIAAI-Forschungsgruppe. Als tödlichste Krebserkrankung des weiblichen Beckens brauche es neue Ansätze: Mit KI-basierten Agenten wolle man Diagnostik und Therapie gezielter und wirksamer machen. Die aktive Einbindung von Patientinnenvertreterinnen sei dabei ein zentraler Erfolgsfaktor.

Zehn Organisationen aus fünf Ländern beteiligt

Das IMPACT-OC-Konsortium bringt zehn Organisationen aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien und dem Vereinigten Königreich zusammen. Die DPU übernimmt die Koordination und ist unter anderem für die Entwicklung von KI-Methoden zur medizinischen Bildanalyse sowie als Sponsor der klinischen Studien verantwortlich.

Robert Wagner, MA, Direktor der DPU, betont: „Dass die DPU ein internationales Horizon-Europe-Projekt dieser Größenordnung koordiniert, ist ein bedeutender Meilenstein für unsere Forschungsentwicklung.“ IMPACT-OC zeige, dass man mit der Verbindung von Medizin, Künstlicher Intelligenz und internationaler Zusammenarbeit Forschung auf europäischem Spitzenniveau vorantreiben könne – mit dem klaren Ziel, wissenschaftlichen Fortschritt in einen konkreten Nutzen für Patientinnen zu übersetzen.

Das Projekt IMPACT-OC – Interpretable Multimodal Predictive Agents and Digital Twins for Ovarian Cancer – läuft seit 1. Oktober 2026 bis zum 30. September 2030. Die Europäische Union stellt dafür insgesamt knapp vier Millionen Euro zur Verfügung.

Von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen des Autors bzw. der Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für den Innovationsrat und für KMU (EISMEA) wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können dafür verantwortlich gemacht werden.

Quelle: OTS

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