Kinderbücher: Männliche Figuren dominieren weiterhin

Mona HopfingerMona Hopfinger
Tierfiguren und Profilansichten auf einem aufgeschlagenen Buch
© Mit KI (Gemini) generiert

Von Winnie Puuh bis Pixi: In den vielen Kinderbüchern erleben hauptsächlich männliche Figuren Abenteuer.

Beliebte Kinderbuchfiguren wie Winnie Puuh, Pixi oder der Wichtel haben eines gemeinsam: Sie sind männlich. In der Welt von Winnie Puuh etwa sind ausschließlich Buben unterwegs – Tigger, Ferkel, Ruh, I-Aah, Rabbit und Christopher Robin. Selbst die Eule ist männlich dargestellt. Als einzige weibliche Figur tritt Kanga auf, die Kanguru-Mama in einer Nebenrolle.

Auch bei Pixi und seinen Freunden – Erich Igel, Hase Langbein, Umbärto Bär, Ricky Waschbär und dem Fuchs – dominieren männliche Charaktere. Zwar gibt es mit Wilma Wildkatze eine Heldin, doch sie bleibt die einzige Frau in der Gruppe. Dieses Muster zieht sich durch viele Geschichten: Eine weibliche Figur darf auftreten, während die Gruppe ansonsten männlich besetzt ist.

Prinzessinnen und Heirat als Muster

Wenn Mädchen im Mittelpunkt stehen, folgen viele Geschichten einem anderen Schema: In klassischen Märchen und deren Verfilmungen durch Disney und Pixar geht es häufig um Prinzessinnen auf dem Weg in eine Ehe. Auch in den Star-Wars-Filmen der 70er- und 80er-Jahre findet sich das Prinzip: In der Gruppe der Abenteurer darf es nur eine Frau geben.

Neuere Produktionen zeigen allerdings Veränderungen. In den Star-Wars-Filmen der 2010er-Jahre steht mit Rey eine weibliche Titelheldin im Zentrum. Auch Roboter BB-8 ist weiblich. Animationsfilme wie „Die Eiskönigin“ rücken Geschwisterliebe in den Vordergrund, „Rapunzel – neu verföhnt“ lässt Paare sich kennenlernen, und „Maleficent“ erzählt die Vorgeschichte der vermeintlich bösen Fee.

Auch moderne Serien bleiben unausgewogen

Feuerwehrmann Sam hat sich weiterentwickelt und zeigt mittlerweile ein gemischtes Rettungsteam mit mehreren Protagonistinnen. Bei der Paw Patrol ist in der Hauptgruppe allerdings nur Skye als weibliche Figur dabei – wieder das Prinzip der einen Frau.

In der Buchreihe um Moritz Moppelpo, das Hasenkind, ist es die Freundin Lene, ein Dachsmädchen, die als erwachsenes Gewissen fungiert und weiß, was zu tun ist. Sie wirkt brav und verantwortungsbewusst – Eigenschaften, die von Mädchen im Alltag oft erwartet werden. Lene ist Moritz' einzige tierische Freundin, alle anderen Tierkinder am Spielplatz sind Buben.

Lichtblicke und neue Heldinnen

Als positive Beispiele werden die Connie-Geschichten und Pippi Langstrumpf genannt. Auch neue Lese-Lerngeschichten wie jene über Prinzessin Phillipina zeigen mutige Heldinnen: Phillipina befreit fliegende Pferde und rettet einen Prinzen vor dem Drachen. Als dessen Eltern sie fragen, ob sie ihren Sohn heiraten wolle, antwortet sie: vielleicht später einmal.

Frauen schreiben und illustrieren zahlreiche Kinderbücher, doch die Titelfiguren sind überwiegend männlich – etwa Moritz Moppelpo, Rabe Socke, Leo Lausemaus, Bobo Siebenschläfer, Pixi und Harry Potter.

KI spiegelt männliche Norm wider

Ein Selbstversuch mit der KI Claude AI zeigt das Problem: Auf die Anfrage, Konzepte für Kindergeschichten mit weiblichen Heldinnen zu entwickeln, schlug die KI eine vierjährige Erfinderin namens Mia vor – umgeben von männlichen Nebenfiguren: dem kleinen Bruder Tom, Opa und Nachbarshund Bruno. Erst nach dem Hinweis, dass mehr weibliche als männliche Figuren vorkommen sollen, korrigierte die KI ihre Vorschläge.

KI-Sprachassistenten basieren auf menschlichen Texten und spiegeln damit die bestehende Kommunikation wider. Die erste Antwort bildet den Durchschnitt ab – und der ist männlich. Dies gelte nicht nur für Literatur, sondern auch für Medizin, Sport und Arbeitsmarkt.

Wunsch nach mehr weiblichen Vorbildern

Geschichten seien ein Grundstein im Zuge des Großwerdens und oft ein moralischer Kompass. Sie zeigten Kindern, woher sie kommen und wohin sie gehen können – von Fantasiereisen über Lebensentwürfe bis zu Berufsbildern. Der Appell lautet: Autorinnen und Autoren sollen beim Vermenschlichen von Tiergestalten auch Frauen und Mädchen vorkommen lassen, auch einmal in der Überzahl.

Kinder sollten durch Geschichten ermutigt werden, sich zuzutrauen, Astronautinnen, Baggerfahrerinnen, Ärztinnen oder Bundeskanzlerinnen zu werden. Dazu brauche es Vorbilder in den Geschichten, die sie begleiten.

Quelle: https://ooe.gruene.at/news/die-norm-im-kinderbuch-ist-mannlich-ein-feministischer-appell-an-die-autorinnen-dieser-welt

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