Klagenfurt plant Hitzeschutzfonds aus Parkgebühren

Die Landeshauptstadt will mit der Hälfte der Einnahmen aus den Parkgebühren in der Ostbucht einen dauerhaften Fonds für Hitzeschutzmaßnahmen einrichten. Bis 2030 sollen mindestens 1.000 Bäume gepflanzt werden.
Klagenfurt gehört zu jenen österreichischen Städten, die besonders stark von Hitze betroffen sind. Die Anzahl der Hitzetage nimmt zu, Innenhöfe und dicht bebaute Gebiete erhitzen sich stark. Mit der Initiative „Cool Down Klagenfurt“ soll nun ein zweckgebundener Hitzeschutzfonds geschaffen werden, der aus den Erlösen der Parkgebühren finanziert wird.
Im Sommer 2026 wurden in der Landeshauptstadt teilweise Temperaturen zwischen 36 und 38 Grad gemessen. Anfang September lagen die Werte tageweise noch immer über 30 Grad. Besonders ältere Menschen und vulnerable Gruppen leiden unter der Hitze. Die steigenden Temperaturen entwickeln sich damit nicht nur zu einem Umwelt-, sondern auch zu einem Gesundheits- und Infrastrukturproblem.
50 Prozent der Parkgebühren für Klimaschutz
Das Konzept sieht vor, dass 50 Prozent der eingehobenen Parkgebühren aus der Ostbucht für konkrete Hitzeschutz- und Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen verwendet werden. Der Hitzeschutzfonds nutzt bestehende Strukturen wie den stadteigenen Verein Climate Funds Klagenfurt und die IPAK GmbH. Bis 2030 soll sich Klagenfurt zu einer hitzestabilen, klimaresilienten Stadt entwickeln.
Vizebürgermeister Ronald Rabitsch und Vizebürgermeister Patrick Jonke präsentierten als zuständige Referenten die Details des Projekts. „Die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt soll auch an heißen Tagen gewährleitstet sein – das wiederum wirkt sich positiv auf die Innenstadtfrequenz und die lokale Wirtschaft aus“, erklärte Rabitsch.
Jonke betonte: „Mit der Initiative können wir den Spitzentemperaturen entgegentreten und abfedern – zum einen ist es sinnvoll für die Wirtschaft, in erster Linie wollen wir aber die Menschen unterstützen, bis 2030 sollen konkrete Maßnahmen gesetzt werden, um die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu verbessern.“
1.000 neue Bäume und Schwammstadtprinzip
Zu den geplanten Maßnahmen zählen Baumpflanzungen an bekannten Hitzehotspots im Stadtraum sowie die Umsetzung des Schwammstadtprinzips. Der Fokus liegt auf Schulwegen, Rad- und Gehwegen, Plätzen, Parkplätzen, Innenhöfen und dicht aneinander gebauten Gebäuden. Bis 2030 sollen mindestens 1.000 neue Bäume gepflanzt werden. Ein Baum bewirkt laut Angaben der Stadt eine um 12 Grad geringere Umgebungstemperatur.
Weitere Maßnahmen umfassen die Förderung privater Innenhöfe, die Entsiegelung hart bebauter Flächen, Begrünung, kühlende Gestaltung und die Installation von Trinkwasserbrunnen. Auch die Klimatisierung und passive Kühlung in Schulen, Pflegeheimen und Amtsgebäuden sowie die Einrichtung konsumfreier „Cool spots“ sind vorgesehen.
Interdisziplinäres Gremium entscheidet über Umsetzung
Ein interdisziplinäres Gremium unter der Leitung der Abteilung Stadtplanung soll festlegen, was, wann und wie umgesetzt wird. Es besteht aus Vertretern der Abteilungen Stadtplanung, Klima- und Umweltschutz, Stadtgarten, Soziales sowie Straßenbau und Verkehr. Das Gremium erarbeitet nach genauen Statuten, welche Maßnahmen konkret gesetzt werden, und legt diese dem Stadtsenat zur Beschlussfassung vor.
DI Robert Piechl, Leiter der Abteilung Stadtplanung, verwies auf das Stadtentwicklungskonzept: „Wir stehen kurz vor Beschlussfassung des Stadtentwicklungskonzeptes, eines der zentralen Leitziele des STEK ist die Begrünung. Das ging auch aus der Befragung der Bevölkerung zum neuen STEK eindeutig hervor.“
Dr. Wolfgang Hafner, Leiter der Abteilung Klima- und Umweltschutz, warnte vor den Folgen des Klimawandels: „Der Klimawandel ist längt in Klagenfurt angekommen, ist deutlich mess- und spürbar. Prognosen für 2085 zeigen ein Temperaturplus von 6,4 Grad – es wird noch wärmer, daher müssen wir jetzt aktiv werden. Mehr Hitzetage, mehr Sommertage, längere Trockenperioden – das hat Auswirkungen auf die Bevölkerung – für vulnerable Gruppen ist das auf jeden Fall gesundheitsgefährdend – daher das Projekt Cool Down, damit öffentliche Plätze kühle Zonen haben.“
600.000 Euro jährlich für Hitzeschutz
Die 50 Prozent der Parkgebühren in der Ostbucht werden mit durchschnittlich 600.000 Euro bemessen. Der Hitzeschutzfonds ist so konzipiert, dass er auch mit anderen Geldern wie Fördergeldern oder privaten Mitteln ergänzt werden kann.
Neben Bäumen und mehr Grünraum werden auch Klimaanlagen und andere Beschattungsmaßnahmen notwendig sein. Die Abteilung Facility Management hat bereits ein Konzept für Schulen ausgearbeitet.
Die beiden Vizebürgermeister werden den Antrag zur Beschlussfassung von „Cool Down Klagenfurt“ in der nächsten Stadtsenatssitzung einbringen.
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