Klimaberichte wirken besser mit regionalen Lösungen

Pia ProdingerPia Prodinger
Gehirn mit Symbolen für globale Bedrohungen und regionale Lösungen, Waage mit Analyse und Klimaberichterstattung
© Mit KI (Gemini) generiert

Forschende der Uni Graz haben untersucht, wie Medienberichte über den Klimawandel auf das Publikum wirken. Das Ergebnis: Nachrichten können zu klimafreundlichem Verhalten motivieren – wenn sie individuelle Lebensbedingungen berücksichtigen und Bedrohung mit Lösungen ausbalancieren.

Ein Forschungsteam der Universität Graz hat untersucht, wie sich Klimaberichterstattung auf das Verhalten von Nachrichtenkonsumentinnen und -konsumenten auswirkt. Die Ergebnisse zeigen, dass Medienberichte klimafreundliches Handeln fördern können, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.

Projektleiterin Marie Kogler erklärte gegenüber der APA, dass dabei vor allem ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Darstellung von Bedrohungen und möglichen Lösungen entscheidend sei. Menschen würden eher zum Handeln motiviert, wenn Berichterstattung unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigt. Dazu gehöre etwa der Hinweis auf bestehende Infrastruktur und bereits umgesetzte Maßnahmen oder die Erklärung, weshalb bestimmte Angebote in einer Region notwendig sind. Am Beispiel des Autoverkehrs im ländlichen Raum bedeute dies, nicht nur auf die Auswirkungen von Emissionen hinzuweisen, sondern auch fehlende Alternativen im öffentlichen Verkehr zu thematisieren.

Individuelle Handlungsmöglichkeiten stärker hervorheben

Nach Ansicht der Forscherinnen und Forscher bleibt die sogenannte Systemebene, also Berichterstattung über politische Maßnahmen oder technologische Entwicklungen, für viele Menschen schwer greifbar. Zwar sei es wichtig, über Hitzetage und deren Folgen zu informieren, erklärte Kogler vom Institut für Umweltsystemwissenschaften.

Zusätzliche Motivation könne jedoch entstehen, wenn Medien auch aufzeigen, welche Handlungsmöglichkeiten Einzelpersonen haben und wie sie ihren Alltag klimafreundlicher gestalten können. Dieser Perspektivwechsel könne Menschen eher dazu bewegen, selbst aktiv zu werden.

Neurowissenschaftliche Untersuchung mit gemischten Ergebnissen

Ergänzend zur Kommunikationsforschung führte ein neurowissenschaftliches Team der Medizinischen Universität Wien Untersuchungen mittels Magnetresonanztomografie durch. Die vorläufigen Ergebnisse fallen differenziert aus.

Einerseits deuten die Befunde darauf hin, dass negative Aussagen zum Klimawandel vom Gehirn etwas schwieriger verarbeitet werden könnten. Andererseits zeigten sich bei lösungsorientierten und bedrohungsorientierten Nachrichten insgesamt ähnliche Reaktionen.

Klimaberichterstattung wird vielfältiger

Laut Kogler entsteht bei manchen Leserinnen und Lesern Frustration durch die ständige Wiederholung ähnlicher Meldungen über Hitzerekorde oder Extremwetterereignisse. Der Eindruck, Medien würden überwiegend Bedrohungsszenarien schildern, lasse sich jedoch nicht bestätigen.

Eine Analyse von rund 100.000 Klimanachrichten aus den neun auflagenstärksten österreichischen Medien zwischen 2002 und 2023 zeigt vielmehr, dass sich die Zahl der lösungsorientierten und bedrohungsorientierten Beiträge seit 2016 weitgehend die Waage hält. Zudem werde seit etwa zehn Jahren deutlich intensiver und differenzierter über Klimathemen berichtet.

Warum manche Menschen Klimanachrichten meiden

Weitere Erkenntnisse soll eine umweltpsychologische Masterarbeit liefern, die im Rahmen des vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts entsteht. Dabei wird unter anderem das Phänomen der sogenannten „Climate News Avoidance“ untersucht, also die bewusste Vermeidung von Klimanachrichten.

Menschen, die Berichte über den Klimawandel meiden, kritisieren häufig eine zu starke Fokussierung auf Bedrohungen. Interessanterweise hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie solche Nachrichten dennoch gelesen, wie Kogler erläuterte. Warum dies so ist, soll in weiteren Untersuchungen geklärt werden. Die Forscherin betont, dass Kritik an der Berichterstattung nicht automatisch bedeute, dass kein Interesse am Thema Klimawandel bestehe.

Das Forschungsprojekt läuft noch bis Ende des Jahres. Die Ergebnisse sollen anschließend Journalistinnen und Journalisten, NGOs sowie politischen Entscheidungsträgern zur Verfügung gestellt werden.

Quelle: APA

Worüber spricht Graz morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.