Klimaschäden kosten Österreich 3,7 Milliarden Euro jährlich

Wetterextreme verursachen in Österreich massive Kosten. Eine aktuelle Studie der Uni Graz beziffert die Schäden zwischen 2017 und 2024.
Extreme Wetterereignisse haben in Österreich zwischen 2017 und 2024 im Schnitt 3,7 Milliarden Euro an direkten Schäden und Verlusten verursacht. Das zeigen erste Ergebnisse der Studie COIN 2.0, die derzeit unter Leitung der Universität Graz durchgeführt wird. An der Untersuchung arbeitet ein interdisziplinäres Team mit mehr als 50 Fachleuten aus zwölf Forschungseinrichtungen.
Die Studie erfasst die volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kosten der Klimawandelfolgen in Österreich und analysiert deren Verteilung auf verschiedene Sektoren und Bevölkerungsgruppen. Geleitet wird das Projekt von Birgit Bednar-Friedl, Volkswirtin an der Uni Graz.
Häufung schadensintensiver Jahre
Trotz zahlreicher Anpassungsmaßnahmen kam es in den vergangenen Jahren zu einer Zunahme schadenträchtiger Ereignisse. Die Jahre 2021, 2023 und 2024 stechen dabei hervor. Der Dürresommer 2026 ist laut Studie kein einmaliger Ausreißer, sondern setzt einen bestehenden Trend fort.
Die direkten Schäden an Vermögen und durch Ernteeinbußen belaufen sich auf durchschnittlich eine Milliarde Euro pro Jahr. Werden Verluste durch hitzebedingte Todesfälle eingerechnet, steigt die Summe auf die genannten 3,7 Milliarden Euro.
Was die Zahlen umfassen
In den Berechnungen enthalten sind Schäden an Gebäuden und Infrastruktur, an Schutzbauten wie Wildbach- und Lawinenverbauungen sowie in der Land- und Forstwirtschaft. Hinzu kommen Verluste durch Todesfälle im Zusammenhang mit Hitze oder anderen Extremwetterereignissen wie Hochwasser, Massenbewegungen, Gewitter und Sturm.
Nicht berücksichtigt sind graduelle klimatische Veränderungen, Verluste durch Ökosystemdienstleistungen sowie negative volkswirtschaftliche Folgeeffekte. Dazu zählen etwa Einbußen durch Schneemangel im Wintertourismus oder hitzebedingte Produktivitätsverluste. Diese lösen zusätzliche Multiplikatoreffekte aus, wenn beispielsweise rückläufige Nächtigungen auch die Nachfrage in der lokalen Gastronomie beeinträchtigen.
Zunahme statistisch signifikant
Die Schäden haben seit der Vorgängerstudie COIN 1 aus dem Jahr 2015 zugenommen. Die Auswertung zeigt trotz großer jährlicher Schwankungen einen statistisch signifikanten Anstieg der durchschnittlichen jährlichen Schäden. Dies bestätigen sowohl die in COIN 2.0 erhobenen Daten als auch jene der internationalen Referenzdatenbank MunichRe.
Die erstmalig durchgeführte Gesamtschau aller national verfügbaren Datenquellen zeigt ähnliche Summen und Muster wie international anerkannte Referenzdatenbanken. MunichRe und CATDAT/EEA weisen für denselben Vergleichszeitraum direkte Schäden von 0,9 Milliarden Euro beziehungsweise 0,8 Milliarden Euro aus. Die nationalen Abschätzungen sind jedoch umfassender und erlauben einen Vergleich zwischen unterschiedlichen Schadenskategorien.
Datenlücken bleiben bestehen
Die Datenlage hat sich gegenüber der ersten COIN-Studie verbessert, doch bestehen weiterhin signifikante Lücken. Eine einheitliche, zentralisierte und noch umfangreichere Erfassung mit rascher Verfügbarkeit wäre laut den Forschenden ein wichtiger nächster Schritt. Bessere Schadensdaten sind Voraussetzung, um Klimawandelanpassung und Katastrophenvorsorge gezielter zu planen.
Ausblick auf künftige Kosten
Mit Abschluss des ersten Studienjahres liegen nun Ergebnisse zu den bereits aufgetretenen Schäden vor. Diese wurden vom Umweltbundesamt mit Unterstützung des Wegener Centers der Universität Graz sowie des Wirtschaftsforschungsinstituts ausgewertet.
Im zweiten Studienjahr erfolgt die Abschätzung der Schadenskosten für die Zukunft, konkret für die Jahre 2050 und 2080. Zudem werden die Wirksamkeit und Grenzen von Anpassungsmaßnahmen zur Reduktion von Klimafolgekosten untersucht sowie die Belastungen für unterschiedliche Gruppen und auf den Arbeitsmarkt analysiert.
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