KMU in Kärnten investieren trotz Standortkritik

Zwei Drittel der Klein- und Mittelunternehmen in Kärnten blicken optimistisch in die Zukunft, obwohl mehr als die Hälfte die Standortbedingungen kritisch bewertet. Das zeigt eine aktuelle Studie der Kärntner Sparkasse.
Eine neue Erhebung von IMAS International im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen zeigt ein widersprüchliches Bild der Kärntner Wirtschaft: 66 Prozent der befragten Klein- und Mittelunternehmen sehen den kommenden zwei bis drei Jahren mit Zuversicht entgegen. Gleichzeitig beurteilen 57 Prozent die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Vergleich zu anderen EU-Ländern als schlechter.
„Die vergangenen Jahre haben Unternehmen enorm gefordert. Umso bemerkenswerter ist es, dass zwei Drittel der heimischen KMU weiterhin optimistisch bleiben“, erklärt Siegfried Huber, Vorstandssprecher der Kärntner Sparkasse AG. Der Unternehmergeist sei stärker als die Krisenstimmung.
Bürokratie und Energiepreise belasten
Trotz der positiven Grundstimmung sehen die Betriebe erhebliche Probleme. 47 Prozent der Unternehmen empfinden ihr Marktumfeld heute als schwieriger als noch vor zwei bis drei Jahren. Als besonders belastend nennen sie regulatorische Anforderungen und Bürokratie, steigende Energiepreise sowie höhere Personal- und Lohnkosten. Auch wirtschaftliche und politische Unsicherheiten sowie der Arbeitskräftemangel bereiten vielen Sorgen.
73 Prozent der befragten KMU halten das Ausmaß staatlicher Regulierung für zu hoch. „Die Unternehmen glauben an ihre Betriebe, sehen aber deutlichen Verbesserungsbedarf bei den Rahmenbedingungen“, so Huber. Planungssicherheit, wettbewerbsfähige Kostenstrukturen und weniger Bürokratie seien entscheidend.
Digitalisierung und KI im Fokus
Trotz der schwierigen Bedingungen setzen die Unternehmen auf Zukunftsthemen. 63 Prozent sehen in Digitalisierung und Automatisierung große Chancen, 60 Prozent in Forschung und technologischer Innovation. Auch Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte zählen zu den wichtigsten Themen.
Künstliche Intelligenz gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung: 36 Prozent der Kärntner KMU halten KI bereits heute für wichtig für ihren Betrieb. Laut Eurostat setzten 2025 bereits 20 Prozent der Unternehmen in der EU mit zehn oder mehr Beschäftigten KI-Technologien ein – ein Anstieg um 6,5 Prozentpunkte gegenüber 2024.
Investitionsbereitschaft bleibt hoch
58 Prozent der KMU in Kärnten planen in den kommenden zwei bis drei Jahren Investitionen. Um diese zu unterstützen, stellen Erste Bank und Sparkassen mit der Wachstumsmilliarde insgesamt eine Milliarde Euro an Finanzierungen bereit.
„Es mangelt den Unternehmen nicht an Ideen oder Investitionsbereitschaft. Wer investieren will, braucht aber Planungssicherheit und die passenden Finanzierungsmöglichkeiten“, betont Huber. Klein- und Mittelunternehmen bilden mit rund 604.000 Unternehmen, 2,46 Millionen Beschäftigten und 56 Prozent der heimischen Wertschöpfung das Fundament der österreichischen Wirtschaft.
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