Kokain wird in Kärnten häufiger gespritzt

Pia Prodinger
© Mit KI (Gemini) generiert

In Kärnten zeichnet sich ein Trend ab: Kokainabhängige konsumieren die Droge vermehrt intravenös. Die Drogenambulanz Klagenfurt beobachtet diese Entwicklung, ebenso wie die Polizei, die mehr injizierbare Drogen sicherstellt, so der ORF.

Die Polizei in Kärnten hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Drogen beschlagnahmt, die injiziert werden können. Auch in der Drogenambulanz Klagenfurt registrieren die Mitarbeiter, dass sich Kokainabhängige die Substanz öfter spritzen.

Claudia Scheiber, Leiterin der Drogenambulanz, erklärte die Hintergründe: „Kokain hat eine sehr kurze Halbwertszeit. Das heißt, der Effekt beim Spritzen ist sehr heftig. Es ist eine sehr, sehr starke Wirkung, die jedoch recht bald wieder abflacht und aufhört. Und so tendieren manche Kokain-Konsumenten dazu, das repetitiv immer wieder zu spritzen und sehr oft zu spritzen.“ Einen auffallend vermehrten intravenösen Konsum insgesamt habe man allerdings nicht festgestellt.

Spritzentausch soll Infektionen verhindern

Abhängige nutzen häufig gebrauchte Spritzen mehrfach, um Kosten zu sparen. Dadurch steigt das Risiko, sich mit HIV oder Hepatitis anzustecken. Um dem entgegenzuwirken, bieten Einrichtungen wie die Drogenberatungsstelle Viva einen Spritzentausch an.

Kerstin Fanzott, Leiterin der Suchthilfe Klagenfurt, beschrieb das Programm: „Damit man keine Zusatzschäden zur Substanz an und für sich bekommt, die ja nicht unschädlich ist. Das heißt, sie kriegen von uns sauberes Spritzenmaterial, bringen die gebrauchten Sachen zurück und haben dann auch noch den Kontakt und den Austausch mit uns, wo wir über Safer-Use reden können und die Menschen eventuell animieren und motivieren können, von der Spritze wegzukommen.“

Das Programm wird gut genutzt: Die Beratungsstelle gibt jährlich rund 100.000 Spritzen aus.

Spittal setzt auf mehr Prävention

In Spittal an der Drau sieht die Situation anders aus. Dort wird das Angebot kaum in Anspruch genommen, obwohl Sozialarbeiter auch hier beobachten, dass Kokain öfter injiziert wird. Die Betroffenen werden im Durchschnitt immer jünger, weshalb mehr in präventive Arbeit investiert werden sollte.

Sozialarbeiter Michael Dünhofen plädierte für einen Strategiewechsel: Den erhobenen Zeigefinger von früher sollte man senken und in Richtung ausgestreckter Hand verändern.

„Dass sie gar nicht so weit kommen, in eine Abhängigkeit reinzurutschen. Das hat halt oft auch damit zu tun, dass die Kids psychisch sehr belastet sind, beziehungsweise wenig Bewältigungsstrategien haben, gerade im Hinblick auf Stressregulation oder Emotionskontrolle. Und da kann man sehr wohl natürlich frühzeitig präventiv ansetzen. Ob das jetzt in der Schule ist oder auch im Verein, am Arbeitsplatz bzw. Lehrplatz.“

Das Land Kärnten stellt heuer 7,3 Millionen Euro für Präventionsprogramme bereit.

Quelle: https://kaernten.orf.at/stories/3363570/

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