Koppelweide bringt Vorteile bei Trockenheit

Pia ProdingerPia Prodinger
Kühe auf grüner Alm mit schneebedecktem Berg im Hintergrund
© HBLFA Raumberg-Gumpenstein, W. Starz

Forschungsergebnisse der HBLFA Raumberg-Gumpenstein zeigen, dass Koppelweidesysteme auf trockenheitsgefährdeten Standorten Ertragsvorteile gegenüber Kurzrasenweiden bieten. Entscheidend sind tiefere Wurzelsysteme und längere Regenerationsphasen der Pflanzen.

Walter Starz vom Institut für Biologische Landwirtschaft und Biodiversität der Nutztiere der HBLFA Raumberg-Gumpenstein präsentierte im Rahmen eines VfL-Seminars Forschungsergebnisse zur Anpassung von Weidesystemen an Trockenheit und Klimawandel. Grundlage waren langjährige Untersuchungen und praktische Erfahrungen aus dem Bio-Versuchsbetrieb Moarhof in Trautenfels.

Grünland als globale Produktionsgrundlage

Weltweit sind rund 70 Prozent der globalen Agrarfläche Grünlandflächen, die vorwiegend durch Wiederkäuer bewirtschaftet werden. Diese Tiere wandeln für den Menschen nicht direkt nutzbare Faserpflanzen in hochwertige Lebensmittel wie Milch und Fleisch um.

Laut Starz spielt Beweidung eine zentrale Rolle für die Entwicklung und den Erhalt von Graslandökosystemen. Viele artenreiche Grünlandflächen seien historisch durch den Verbiss von Weidetieren entstanden und nicht durch regelmäßige Mahd.

Weide als Betriebschance für Biobetriebe

Durch die aktuelle Bio-Verordnung hat die Weidehaltung für biologische Betriebe zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Starz betrachtet die Weide jedoch nicht nur als gesetzliche Verpflichtung: „Die Weide ist eine große Betriebschance für nachhaltige und ressourceneffiziente Agrarsysteme.“

Weidesysteme ermöglichen eine effiziente Nutzung des Grünlands, verbessern die gesellschaftliche Akzeptanz und entsprechen den Erwartungen vieler Konsumentinnen und Konsumenten hinsichtlich Tierwohl und natürlicher Haltung.

Zwei Systeme im Vergleich

Ein Schwerpunkt der Forschungsarbeiten lag auf dem Vergleich unterschiedlicher Weidesysteme. Bei der Kurzrasenweide halten die Tiere den Aufwuchs kontinuierlich auf niedrigem Niveau. Dadurch steht sehr junges, hochwertiges Futter mit hohen Eiweiß- und Energiegehalten zur Verfügung. Gleichzeitig reagieren die Pflanzen auf den permanenten Verbiss mit einer sehr flachen Wurzelentwicklung.

Die Koppelweide arbeitet mit definierten Ruhezeiten zwischen den Beweidungsphasen. Die Pflanzen können größere Blattmassen und tiefere Wurzelsysteme entwickeln. Dies verbessert die Bodenbeschattung und erhöht die Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenstress.

Die Versuche zeigen, dass sich kein System pauschal als überlegen bezeichnen lässt. Vielmehr entscheiden Standort, Niederschlagsverhältnisse, Betriebsstruktur und Management über den Erfolg.

Wurzelentwicklung entscheidet über Trockenresistenz

Ein besonders interessantes Ergebnis betrifft die Wurzelentwicklung der Gräser. Werden Pflanzen häufig verbissen oder geschnitten, investieren sie verstärkt in die Bildung neuer Blätter. Dadurch konzentriert sich ein Großteil der Wurzelmasse in den obersten Bodenschichten.

Bei längeren Ruhezeiten können dagegen tiefere Wurzelsysteme entstehen, die Wasser auch aus tieferen Bodenschichten erschließen. Gerade in trockenen Jahren wird dieser Unterschied sichtbar. Tief wurzelnde Bestände verfügen über bessere Möglichkeiten, Trockenperioden zu überstehen und stabile Erträge zu liefern.

Stabilere Erträge durch höhere Aufwuchshöhen

Auf dem Bio-Versuchsbetrieb der HBLFA Raumberg-Gumpenstein wurden Kurzrasen- und Koppelweidesysteme über mehrere Jahre verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass Koppelweiden häufig gleichmäßigere Futterzuwächse über die gesamte Vegetationsperiode erreichen.

Höhere Aufwuchshöhen sorgen für eine bessere Beschattung des Bodens, und die Pflanzen können längere Regenerationsphasen nutzen. Auf trockenheitsgefährdeten Standorten entstehen oftmals Ertragsvorteile für die Koppelweide. Insbesondere unter zunehmend trockenen Bedingungen gewinnt dieser Vorteil an Bedeutung.

Futterkräuter gegen Trockenstress

Großes Potenzial sieht Starz auch im Einsatz von Futterkräutern wie Chicorée, Spitzwegerich oder Luzerne. Diese Arten verfügen über tiefreichende Wurzelsysteme und können Wasserreserven aus tieferen Bodenschichten nutzen.

In Versuchen auf trockenen Standorten führten kräuterreiche Mischungen zu bis zu 36 Prozent höheren Trockenmasse- und Rohproteinerträgen gegenüber Vergleichsvarianten ohne Kräuter. Gerade für Regionen mit zunehmender Sommertrockenheit könnten solche Mischungen künftig eine wichtige Rolle spielen.

Management und Düngung als Erfolgsfaktoren

Eine erfolgreiche Koppelweide erfordert ein konsequentes Management. Dazu gehören regelmäßige Kontrolle der Aufwuchshöhen, Pflege von Geilstellen, mechanische Regulierung von Disteln und Brennnesseln sowie angepasste Düngungsstrategien.

Versuche der HBLFA Raumberg-Gumpenstein zeigen, dass eine gezielte Gülledüngung während der Vegetationsperiode Ertragssteigerungen von bis zu 40 Prozent ermöglichen kann. Besonders interessant ist dabei die Möglichkeit, Futterzuwächse gezielt in den Herbst hinein zu verlängern.

Individuelle Lösungen gefragt

Das zentrale Fazit des Vortrags lautet: Es gibt nicht das eine ideale Weidesystem. Entscheidend sind die betrieblichen Rahmenbedingungen, die Standortverhältnisse sowie die konsequente Umsetzung der gewählten Strategie.

Zum Abschluss unterstreicht Starz die Bedeutung von Grünland und Wiederkäuern für eine nachhaltige Landwirtschaft. Weidehaltung verbinde Tierwohl, Bodenfruchtbarkeit, Kreislaufwirtschaft und Biodiversität und bleibe damit ein zentrales Element zukunftsfähiger Agrarsysteme: „Grünland und Wiederkäuer sind Teil der Lösung für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Landwirtschaft.“

Quelle: https://raumberg-gumpenstein.at/forschung/aktuelles/koppelweide-und-nachhaltige-weidesysteme-im-fokus.html

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